Aus Syrien geflüchtete Habare Alfahad im Team

Kopftuch in Diepholzer Zahnarztpraxis kein Problem

Ein Beispiel für gelungene Integration: Die aus Syrien geflohene Habare Alfahad (links) absolvierte eine Ausbildung in der Diepholzer Zahnarztpraxis von Christine Pieper und ist nun dort fest angestellt.
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Ein Beispiel für gelungene Integration: Die aus Syrien geflohene Habare Alfahad (links) absolvierte eine Ausbildung in der Diepholzer Zahnarztpraxis von Christine Pieper und ist nun dort fest angestellt.

Diepholz – Das zwölfköpfige Team der Diepholzer Zahnarztpraxis Christine Pieper ist einheitlich in blauen Poloshirts gekleidet. Doch eine Mitarbeiterin fällt auf. Sie trägt ein zusätzliches Kleidungsstück: einen Hijab. Dieses kapuzenartige Kopftuch ist aber nur eine Äußerlichkeit, die weder Kolleginnen noch Patienten stört, denn die Trägerin Habare Alfahad ist ein Musterbeispiel für Integration. Aus Syrien kam sie 2015 als damals 16-Jährige nach Diepholz. Jetzt ist sie zahnmedizinische Fachangestellte.

Als Jugendliche erlebte sie den Terror des IS, musste in ihrer Heimatstadt Deir ez-Zor im Osten Syriens selbst den Zwang zur Vollverschleierung erleben. Angesichts der totalitär-islamistischen IS-Regierung entschloss sich Habare Alfahads Familie zur Flucht.

Flucht auf einem Schlauchboot

Nachts überquerten die Eltern mit ihren sieben Kindern heimlich und zu Fuß die Grenze zur Türkei, wo sie als Flüchtlinge für zwei Monate in ein Zeltlager kamen. Dann ergab sich für die Familie die Möglichkeit, in Richtung Deutschland zu reisen. Sie trat auf einem Schlauchboot die gefährliche Reise über das Mittelmeer an. „Ursprünglich waren wir 28 Menschen auf dem Boot, erinnert sich Habare Alfahad, „schließlich schickten die Schleuser 50 darauf los.“ Nach fast achtstündiger, angstvoller Fahrt in quälender Enge kamen die Flüchtlinge mit dem Schlauchboot auf einer griechischen Insel an.

Zu Fuß, per Bahn und Bus gelangte die Familie Alfahad 2015 dann im Zuge der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland. 15 Tage war sie unterwegs. Erste Station war Bayern. Von dort aus wurde sie nach Celle gebracht und dann der Stadt Diepholz zugewiesen – zufällig. Habare Alfahad besuchte die angebotenen Kurse für Flüchtlinge in den Berufsbildenden Schulen Diepholz und lernte intensiv Deutsch. Heute spricht sie diese Sprache nahezu perfekt.

Ausbildung nach Praktikum

Für ihre berufliche Ausbildung suchte die junge Syrerin einen Praktikumsplatz. In der ersten Zahnarztpraxis, die sie ansprach, wurde ihr gleich klargemacht: Ihr Kopftuch dürfe sie während der Arbeit nicht tragen. Das kam für die junge Frau nicht in Frage: „Der Hijab gehört zu meiner Persönlichkeit. Ich trage ihn freiwillig“, sagt die Muslimin.

Die Diepholzer Zahnärztin Christine Pieper zeigte sich toleranter. Hier konnte Habare Alfahad auch mit Kopftuch als Praktikantin arbeiten. Dabei zeigte die junge Frau aus Syrien so viel Engagement, dass ihr ihre Chefin eine Ausbildungsstelle anbot. Habare Alfahad lernte drei Jahre lang den Beruf der zahnmedizinischen Fachangestellten. Nach ihrer Prüfung im August übernahm Christine Pieper die 22-Jährige als dauerhafte Mitarbeiterin ins Team.

Hijab führt zu Nachfragen

Mit ihrer freundlichen Art kommt Habare Alfahad auch bei Patienten gut an. Ihr Kopftuch führte anfangs zu interessierten Nachfragen. „Das störte mich gar nicht, und ich fand es in Ordnung“, sagt die 22-Jährige. Doch es gab Ausnahmen. Die ganz und gar nicht freundlichen und politisch kaum korrekten Aussagen eines älteren Patienten blieben nicht ohne Reaktion der Zahnärztin. Christine Pieper führte mit dem Mann ein kritisches Gespräch. Inzwischen ist das Kopftuch in der Zahnarztpraxis an der Dr.-Wilhelm-Kinghorst-Straße kein Thema mehr.

Auch Geschwister in der Ausbildung

Nicht nur Habare Alfahad hat sich in ihrer neuen Heimat Deutschland integriert. Ihre Geschwister absolvieren Ausbildungen zum Tischler, Maler, Monteur beziehungsweise zur Altenpflegerin. Die jüngsten gehen noch zur Schule, ihre kleinste Schwester ist in Deutschland geboren. Mit ihrer großen Schwester hat Habare Alfahad in Diepholz eine eigene Wohnung. Ihr nächstes Ziel ist der Führerschein. Das Geld dafür verdient sich die Syrerin als freundliche Angestellte in der Zahnarztpraxis Pieper.

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