„Junge Barbiere“ bleiben

Weltmeisterin geht in den Ruhestand: Friseur Bergbauer schließt

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Der 1976 gebaute Friseursalon Bergbauer an der Kolkstraße in Diepholz ist jetzt geschlossen.

In Diepholz schließt der traditionsreiche Friseursalon Bergbauer. Inhaberin Heide Bergbauer-Hörig war einst Weltmeisterin in ihrem Beruf. Heute findet sie keinen Nachfolger für ihr Geschäft.

Diepholz - Eine Wand im Salon hatte Heide Bergbauer-Hörig der Erinnerung gewidmet – an eine bewegte Zeit in den 1970er und 80er Jahren mit Reisen rund um die Welt. Damals war die Diepholzerin Weltmeisterin der Friseure im Team, hatte zuvor 1970 die Deutsche und 1971 die Europäische Friseur-Meisterschaft im Einzelwettbewerb gewonnen.

Internationale Urkunden, Fotos und Zeitungsausschnitte hinter Glas zeugen davon. Heide Bergbauer-Hörig nimmt diese jetzt ebenso mit nach Hause wie viele andere Erinnerungstücke aus ihrem Salon an der Kolkstraße in Diepholz. Diesen hat die 71-Jährige jetzt geschlossen – auch, um sich im Ruhestand um ihren erkrankten Mann kümmern zu können. Einen Nachfolger hat sie nicht. Ihre erwachsenen Kinder sind in anderen Berufen erfolgreich.

Friseursalon in Diepholz seit 1976 geöffnet

„Hier liegt ein ganzes Leben drin“, sagt die Diepholzerin, als sie durch die fast leeren Räume geht, in denen sie und ihre Mitarbeiterinnen seit 1976 die Kunden an 22 Plätzen bedient haben. Viele waren Stammkundinnen und -kunden. „Die älteste ist 95 Jahre alt und war schon bei meinem Vater Franz Kundin“, erzählt Heide Bergbauer-Hörig.

Heide Bergbauer-Hörig vor der Wand mit Erinnerungen. Sie war Europa- und Weltmeisterin der Friseure. Jetzt mit 71 Jahren hat sie ihren Salon aufgegeben.

Dieser hatte sich 1946 mit einem Salon gegenüber dem alten Rathaus selbstständig gemacht. 1963 zog der Salon in ein Fachwerkhaus um, das am heutigen Lappenberg gegenüber der Einmündung Kolkstraße stand. Aus den Anfangszeiten nach dem Zweiten Weltkrieg stammt ein kleines Schild, das Heide Bergbauer-Hörig aufbewahrt hat „Vergessen Sie Ihr Handtuch nicht!“, mahnte es Kundinnen, die in den damaligen Zeiten des Mangels ein Handtuch mit zum Friseur bringen mussten.

Im Salon des Vaters erste Erfahrungen gemacht

Im Salon ihres Vaters machte Heide Bergbauer-Hörig schon als Kind Erfahrungen mit dem Friseurhandwerk und half beim Haarewaschen der Kundinnen. 1963 begann sie dort ihre Friseurlehre, bestand 1968 ihre Meisterprüfung. Die 1970er Jahre wurden dann für die junge Diepholzer Friseurmeisterin sehr turbulent. Sie konnte aufgrund ihres Talentes an Meisterschaften teilnehmen, hatte auch bei anderen internationalen Wettbewerben großen Erfolg. 

Höhepunkt, der ihr weiteres Leben und ihren beruflichen Erfolg auch in Diepholz prägte, war der Gewinn der Friseur-Weltmeisterschaft 1972 im Vierer-Team, die in Barcelona stattfand. In der Folge wurde sie von einem großen Friseurprodukte-Hersteller für Frisuren-Shows in der ganzen Welt engagiert, trat unter anderem in der Royal Albert Hall in London, in den USA und Kanada auf.

Erinnerungsstücke hinter Glas

Obwohl Heide Bergbauer-Hörig durch ihre internationale Erfahrung Möglichkeiten gehabt hätte, sich auch im Ausland oder in einer Großstadt beruflich zu etablieren, zog es sie zurück in ihre Heimatstadt. „Hier hatte und habe ich meine Freunde, hier fühle ich mich wohl“, hat sie es nach eigenem Bekunden nie bereut, in Diepholz zu bleiben.

Ihren internationalen Erfolg, ihre Fähigkeiten und ihre Bekanntheit konnte Heide Bergbauer-Hörig auch in Diepholz gut geschäftlich nutzen. 1976 baute die Familie das Haus an der Kolkstraße mit dem großen Friseursalon im Erdgeschoss, zwei Wohnungen und einem Büro darüber. Für ihren meist selbst ausgebildeten Friseurnachwuchs wurden die „Jungen Barbiere“ eröffnet – zunächst an der Lohnstraße. Zudem hatte Heide Bergbauer einen Salon in Lembruch am Dümmer und in Lohne. Kaufmännische Unterstützung im Büro bekam sie dabei durch ihren Mann Knut Hörig. In den letzten Jahren beschränkte sie sich auf den Standort Diepholz.

Erinnerungstücke: Das Schild „Vergessen Sie Ihr Handtuch nicht“ und ein Foto von Heide Bergbauer-Hörig 1970 nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Im hochwertig und im seinerzeit sehr angesagten Mahagoni-Holz eingerichteten Salon an der Kolkstraße ist derzeit kein Leben mehr. Lampen werden abgebaut, die Einrichtung wird verkauft oder verschrottet. „Wir haben das Haus verkauft“, erklärt die 71-Jährige. Das Ladenlokal werde durch eine andere Branche genutzt, es gebe keinen langen Leerstand, so Heide Bergbauer-Hörig. Mehr könne sie noch nicht sagen. Personal habe sie durch die Schließung nicht entlassen müssen. Die langjährigen Mitarbeiterinnen arbeiten nun in Salon „Junge Barbiere“ im Moller-Haus am Bremer Eck. Dorthin sind auch Stammkundinnen gefolgt. Darunter die 95-jährige Diepholzerin, die sich schon von Franz Bergbauer die Haare machen ließ.

Heide Bergbauer-Hörig ist nicht in ihrem Salon „Junge Barbiere“ aktiv, will sich aber nicht ganz zurückziehen: Sie ist weiter politisch engagiert, unter anderem als Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung im Landkreis Diepholz und stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende.

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