50 Jahre Aeroclub

Flugzeuge in Diepholz auf der Wiese gewartet

Vor dem Tower, der an Wochenenden von Mitgliedern des Aeroclubs Diepholz zur Flugsicherung besetzt ist: Ein Business-Jet des Typs Phenum 300, der regelmäßig auf dem Flugplatz Diepholz-Dümmerland startet und landet.
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Vor dem Tower, der an Wochenenden von Mitgliedern des Aeroclubs Diepholz zur Flugsicherung besetzt ist: Ein Business-Jet des Typs Phenum 300, der regelmäßig auf dem Flugplatz Diepholz-Dümmerland startet und landet.

Diepholz – 50 Jahre ist es her, dass der Aeroclub Diepholz ins Leben gerufen wurde. Ihr Jubiläum haben die Freunde der Fliegerei wegen der Corona-Pandemie verschoben. Es soll nun 2022 mit einem „Fly in“ auf dem Flugplatz Diepholz-Dümmerland gefeiert werden. Dieses Pilotentreffen am 21. und 22. Mai wird mit einer großen Flugzeugausstellung und mehr verbunden.

Im Herbst 1971 hatte die Geschichte der Aeroclubs begonnen. Dass man 50 Jahre später vom Diepholzer Flugplatz aus mit einem Privatflugzeug zu und von fast allen europäischen Flugplätzen ohne besondere Genehmigungen fliegen kann, hatten sich die Gründer des Aeroclubs Diepholz bei ihrer Gründungsversammlung nicht träumen lassen. Wir blicken zurück – auch auf besondere Ereignisse.

Motor und treibende Kräfte für die Gründung eines Motorflugvereins in Diepholz waren im Herbst 1971 der Wagenfelder Ralf Bischoff und das einzige heute noch lebende Gründungsmitglied, der 90-jährige Kunibert Rape. Manfred Folgert und Walter Minne, damals aktive Soldaten in der Bundeswehr-Sportfluggruppe Diepholz, waren die lizenzierten Fluglehrer und die ersten fliegerischen Ausbilder des Aeroclubs. Diese Vier wurden verstärkt und unterstützt von Gerd Westermann, Willy Wiechers und Fritz Oldewage. Zusammen waren sie die sieben Gründungsmitglieder des neuen Clubs. Ralf Bischoff wurde erster Vorsitzender des Aeroclubs Diepholz.

Im Jahr 1974 an der Schulmaschine Cessna 150 des Aeroclubs Diepholz: Fluglehrer Manfred Folgert (rechts) und ein Flugschüler.

Im Frühjahr 1972 erhielt der Club die offizielle Genehmigung als Flugschule zu agieren und begann sofort mit der Ausbildung der ersten Flugschüler. Das erste Schulflugzeug war eine Piper L 18, zu der eine Cessna 150 hinzukam.

Zu den dann bald dazu stoßenden Mitgliedern gehörten Jürgen Reinsch und – als erste Diepholzer Fliegerin, damals noch eine Ausnahme – seine Frau Hetta. Beide bildeten sich zu Fluglehrern weiter und waren über Jahrzehnte die Gesichter der Diepholzer Sportfliegerei. Aus der Zeit vor der Wende gibt es eigentlich nur Diepholzer Luftaufnahmen von Jürgen Reinsch, denn diese mussten vor ihrer Veröffentlichung von der Bezirksregierung Hannover (mit Zulassungs-Nummer) genehmigt werden.

Im Jahr 1986 konnte der Aeroclub Diepholz dann in „Abessinien“ (dem südwestlichen Teil des Fliegerhorstes – den Begriff „Abessinien“ gibt es bei den Eingeweihten schon seit den Anfängen des Fliegerhorstes) eine eigene Flugzeughalle mit Einstellplätzen für zwölf Kleinflugzeuge und einem kleinen Clubheim mit Flugleiter-Arbeitsplatz errichten. Bis dahin standen die Flugzeuge des Clubs auf der Wiese im Freien und wurden dort auch gewartet und repariert. 1972 wurden mehrere draußen stehende Maschinen durch einen Orkan umgeworfen und schwer beschädigt.

Alter Bundeswehr-Bus war Clubraum

Als „Clubraum“ diente in dieser Anfangszeit ein ausrangierter Bundeswehr-Bus, in dem die Fliegerfamilien gemeinsam mit ihren Kindern die Wochenenden zubrachten. Er war zugleich Aufenthaltsraum bei Schlechtwetter, Cafeteria und Unterrichtsraum für die Flugschüler. In den weiteren Jahren gab es dann fast jährlich einen Fliegerball, der im „Moorhof“ und später in den Räumen des Offizierscasinos des Fliegerhorstes Diepholz gefeiert wurde.

In den 90er Jahren näherte sich die Zahl der von der Flugschule des Aeroclubs Diepholz ausgebildeten PPL-Piloten (Privat Piloten Lizenz) der Zahl 100.

Nicht wenige der inzwischen fast 50 aktiven Piloten des Clubs mit über 15 Club- beziehungsweise privateigenen Flugzeugen nahmen an den verschiedensten Flugwettbewerben teil und erreichten zahlreiche Platzierungen.

Viele fliegerische Veranstaltungen

In Diepholz wurden vom Aeroclub viele fliegerische Veranstaltungen ausgerichtet. So findet seit 14 Jahren ein von Hetta Reinsch organisiertes Treffen von Pilotinnen im Rahmen eines Flugsicherheitstrainings statt. Clubmitglied Rainer Pfeil präsentiert zweimal jährlich einem ausgewählten und interessierten Publikum unter dem Titel „Tage des luftfahrt-historischen Films“ Werks-, Forschungs-, Ausbildungs- und private Filme aus der historischen Luftfahrt.

Die „Wende“ im Jahr 1989 und der folgende politische Umbruch führten zu gravierenden Veränderungen, auch bei der Nutzung der militärischen Flugplätze in der Bundesrepublik Deutschland.

Folgen eines Orkans im Jahr 1972: Draußen stehende Flugzeuge wurden umgeworfen. Im Hintergrund der alte Bus, der als Aufenthaltsraum des Aeroclubs diente.

Mit der Zielsetzung, einen allgemeinen, jederzeit anfliegbaren zivilen Verkehrslandeplatz für größere Flugzeuge in Diepholz zu etablieren, gründeten der Aeroclub Diepholz, der Diepholzer Luftsportverein und eine Reihe von natürlichen und juristischen Personen 1993 die Flugplatz Diepholz-Dümmerland Flugbetriebsgesellschaft GmbH & Co. KG (fdd). Mit einem Flugplatzfest im Juli 2000 wurde die neue Infrastruktur der fdd außerhalb des militärischen Geländes, die durch ein Rolltor und eine Rollbahn mit der Piste verbunden ist, feierlich eingeweiht. Auch einige Flugtage, die bis zu 10 000 Besucher anlockten, wurden von den Mitgliedern des Aeroclubs auf die Beine gestellt. Seit vielen Jahren organisierten die Fluglehrer Hetta Reinsch und Günter Niemann über die Aeroclub- Flugschule Flieger-Ausflüge zu europäischen Flugplätzen.

Das Clubleben unter dem Dach der fdd nahm seitdem eine Entwicklung, die mit den „alten Zeiten“ nur noch wenig zu tun hat, was zwar unaufhaltbar war, aber doch von den „alten Hasen“ bei nostalgischen Gesprächen im Clubheim bedauert wird.

Baustein des Diepholzer Flugplatzes

Der Aeroclub Diepholz lebt unter dem Dach des fdd (Flugplatz Diepholz-Dümmerland) recht lebendig weiter, ist aber nur noch ein Baustein des Diepholzer Flugplatzes, der in den letzten Jahren nach der Wende öfters totgesagt wurde, aber nach den derzeitigen Aussagen der politischen und militärischen Führung und vor allem durch die Unterstützung der Firma Harting aus Espelkamp optimistisch in die Zukunft blickt.

Weitere Nutzer des Diepholzer Flugplatzes sind die Hubschrauber-Fluggesellschaft Rotorflug (www.rotorflug.com), die am fdd ein Büro betreibt. Seit Kurzem hat sich eine weitere Gesellschaft am Flugplatz Diepholz-Dümmerland etabliert: Commercial Helicopter Services GmbH (chs-helicopter.de), die Hubschrauber Piloten ausbildet. Trotz oder gerade wegen der zahlreichen Veränderungen der Flugplatz-Infrastruktur und ihren Neuorientierungen in Diepholz schauen die Flieger des Aeroclubs Diepholz optimistisch in die Zukunft.

Neuer Vorsitzender

Auf der letzten Mitgliederversammlung im Clubheim wurde der Vorstand des Aeroclubs Diepholz beträchtlich verjüngt und steuert unter der Führung von Andreas Hollweg in die Fliegerzukunft

Von Wolfgang Zellhorst

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