1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Diepholz

63 Notrufe gehen am Tag im Kreis Diepholz ein – nicht alle sind notwendig

Erstellt:

Von: Gregor Hühne

Kommentare

Missbräuchliche Alarmierungen stehen unter Strafe und werden zur Anzeige gebracht. Symbolfoto: Gregor Hühne
Missbräuchliche Alarmierungen stehen unter Strafe und werden zur Anzeige gebracht. © Gregor Hühne

Im Notfall zählt jede Sekunde. Bürgern steht eine Vielzahl von Notfallnummern zur Verfügung, um zeitnah Hilfe zu erhalten. Unnötige und vermeidbare Anrufe dagegen können die Meldeketten blockieren und im schlimmsten Fall sogar Menschenleben kosten.

Landkreis Diepholz – Dabei müsse zwischen bewusstem Notrufmissbrauch und inhaltlich unnötigen Notrufen unterschieden werden, teilt das Diepholzer Landratsbüro auf Nachfrage mit. Der bewusste Notrufmissbrauch (Klingeln lassen, bis sich die Leitstelle meldet, um dann sofort aufzulegen) habe in den vergangenen Jahren „merklich abgenommen“, heißt es. Ein bewusster Notrufmissbrauch dagegen (mit der Angabe eines nicht existierenden Notfalls) sei sogar „extrem selten“ und werde seitens des Landkreises immer zur Anzeige bei der Polizei gebracht.

Häufiger seien hingegen Notrufe, die inhaltlich unnötig beziehungsweise vermeidbar seien, weil es sich nicht um lebensbedrohliche Notfälle und auch nicht um sonstige zeitkritische, medizinische Notfälle handelt, sondern um planbare Fälle für niedergelassene Ärzte oder um Fälle für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon 116 117).

Risiko einer Überlastung des Rettungsdienstes

„Oft sind den Hilfe suchenden Bürgern die Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren des Gesundheitswesens nicht ausreichend bekannt“, teilt Anne-Katrin Suilmann mit, Fachdienstleiterin des Büros des Landrats, „sodass einige statt der 116 117 voreilig die 112 anrufen“, was das Risiko einer Überlastung des Rettungsdienstes mit sich bringe. Die Problematik bestehe bundesweit. Ist sich ein Hilfesuchender nicht sicher, ob die Voraussetzungen für einen Notruf (110) tatsächlich vorliegen, sollte man diesen wählen, teilt die Notrufleitstelle der Polizei in Oldenburg mit, die den Landkreis Diepholz koordiniert.

Das Gros der Anrufe im Landkreis lande in der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle in Diepholz. Die Telefonanlage der Leitstelle könne jeden Anruf zurückverfolgen. „Ein Missbrauch der Notrufnummer kann auf diese Weise einfach verfolgt und geahndet werden“, so die Leitstelle. Dort würden auch „unterdrückte Telefonnummern offen angezeigt“, heißt es auf Nachfrage. Eine Rückverfolgung sei derweil „nur in wenigen Einzelfällen im Jahr“ notwendig.

61.000 Notrufe im Landkreis Diepholz pro Jahr

Pro Jahr nimmt die Rettungsleitstelle im Landkreis über den Notruf 112 rund 38.000 Notrufe an, so das Landratsbüro. Die Leitstelle der Polizei in Oldenburg nimmt pro Jahr im Landkreis Diepholz rund 23.000 Notrufe über die 110 an. Rechnerisch wählen somit täglich rund 104 Anrufer die 112 und rund 63 Anrufer die 110 im Landkreis Diepholz – in Summe rund 61.000 pro Jahr.

Dazu kämen im Landkreis jährlich 300 bis 350 Einsätze, die auf eine automatische Brandmeldeanlage zurückzuführen sind, teilt das Landratsbüro mit. Die Feuerwehr habe selten Einsätze, die auf eine missbräuchliche Alarmierung zurückzuführen seien, heißt es. Dabei handele es sich nur um wenige Einzelfälle im Jahr.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

In 6,5 Prozent der 112-Einsätze hätten Rettungswagen im Landkreis keinen Patiententransport. In diesen Fällen lag nach den Erkenntnissen vor Ort keine Gefahr vor. Allerdings läge dem meist kein bewusster Missbrauch vor, führt die Leitstelle aus. „Häufig führen persönliche Unsicherheiten und Fehleinschätzungen der Notrufenden zu Einsätzen ohne einen anschließenden Patiententransport ins Krankenhaus.“

Andere Kommunikationsmittel gewinnen zunehmend an Bedeutung

Einsätze ohne Patiententransport umfassen Bereitstellungen des Rettungsdienstes bei Gefahrensituationen, insbesondere bei Gebäudebränden. Dann werde grundsätzlich ein Rettungswagen alarmiert, um mögliche Verletzte sofort behandeln und transportieren zu können. Krankentransportwagen dagegen fahren keine Notfälle, sondern ausschließlich geplante Krankentransporte.

Zur Alarmierung existiere auch das Notruffax. Doch das spiele in der Leitstelle faktisch keine Rolle mehr. Andere Kommunikationsmittel gewännen derweil zunehmend an Bedeutung wie die Notruf-App „Nora“ für das Handy. Darüber seien die Notdienste schnell erreichbar und der Standort des Anrufers werde automatisch an die zuständige Leitstelle übermittelt.

„Aktuell gibt es einen besonderen Fall, wo der Rettungsdienst zum Teil mehrmals pro Woche unnötig ausrücken muss“, so das Landratsbüro. Solche Fälle habe es auch in der Vergangenheit vereinzelnd gegeben. Mit gezielten Maßnahmen werde dann versucht, auf eine Reduzierung der Einsätze hinzuwirken. Bei häufigem Missbrauch werde – auch über Gespräche mit der Familie oder anderen Kontaktpersonen des Anrufers – versucht, mäßigend auf das Verhalten einzuwirken.

Grundsätzlich müsse bei jedem Anruf abgeklärt werden, ob ein Notfall vorliegt oder nicht. Dennoch seien „in den letzten Jahren keine Fälle eines extremen Notrufmissbrauchs im Landkreis Diepholz aufgetreten“.

Wenige Personen wählen oft den Notruf

Daneben gebe es einzelne Personen im Landkreis, die „aus internistischen Gründen mehrfach im Jahr den Notruf wählen und somit den Rettungsdienst häufiger in Anspruch nehmen müssen“. Andererseits hätten viele Bürger noch nie in ihrem Leben einen Notruf gewählt.

Notfalldienste

Polizei – 110

Feuerwehr –112

Ärztliche Anliegen – 116117

Krankentransport – 05441 / 19222

Leitstelle Diepholz – 05441 / 59220

Notruffax – 05441 / 7151

Auch interessant

Kommentare