Ausstellung im Alten Rathaus

1957 noch 42 Gaststätten in Diepholz

Viele der heimischen Gaststätten, über die Bild- und Textafeln informieren, gibt es nicht mehr.
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Viele der heimischen Gaststätten, über die Bild- und Textafeln informieren, gibt es nicht mehr.

Diepholz – „Im Jahr 1957 gab es in Diepholz noch 42 Gaststätten“, erinnert sich Gerhard Barg. Der heute 90-Jährige und seine Frau Käthe haben sich in der damaligen Zeit selbstständig gemacht und zwei davon betrieben – zuerst das Café Haselhorst an der Langen Straße, dann das Hotel Strangmeyer an der Römlingstraße. Im Alten Rathaus in Diepholz schwelgten die Bargs am frühen Freitagabend in Erinnerungen:

Dort wurde die Ausstellung „Halte Rast, sei unser Gast“ eröffnet, die sich um Gaststätten im Landkreis Diepholz dreht. Und um „das Verschwinden einer sozialen Institution“.

Fotos und Texte auf vielen Tafeln erinnern an Gasthäuser, von denen es die meisten nicht mehr gibt – wie die 1981 abgerissene, legendäre Kaiserhalle. Aber nicht alle Lokale, um die es auf den Infotafeln geht, sind verschwunden. Zum Beispiel gibt es noch Landgraf auf Lüdersbusch. Deren Betreiber Gunda und Wolfgang Landgraf waren auch zur Ausstellungseröffnung gekommen.

Der Heimatverein Diepholz hatte die Wanderausstellung des Kreismuseums Syke nach Diepholz geholt. Sie zeigt im Alten Rathaus als einen Schwerpunkt Gaststätten der Kreisstadt und deren Geschichte. Kneipen-Gegenstände wie ein Flipper aus den 1980er Jahren und ein alter Spielautomat ergänzen die Bilder und Infotafeln.

Die Ausstellung „Halte Rast, sei unser Gast“ eröffneten Heimatvereins-Vorsitzender Richard W. Bitter (rechts) und Ralf Weber (2. von rechts) im Alten Rathaus in Diepholz.

Heimatvereins-Vorsitzender Richard W. Bitter begrüßte die Eröffnungs-Besucher – darunter auch den stellvertretenden Bürgermeister Lars Mester, der ein Grußwort hielt.

Wandel der Gesellschaft: Viele Lokale verschwunden

Das Verschwinden vieler Gaststätten zeige auch, wie radikal sich der gesellschaftliche Umgang gewandelt habe, sagte Bitter. Die Lokale haben durch Fernsehen und Internet ihre frühere Funktion als Kontakt- und Nachrichtenbörse verloren.

Ausstellung „Gaststätten“: Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Gaststätten – Halte Rast, sei unser Gast“ im Alten Rathaus präsentiert der Heimatverein Diepholz von Sonntag, 31. Oktober, bis Sonntag, 14. November. Sie ist an den Wochentagen Mittwoch bis Samstag vormittags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr geöffnet. An den drei Sonntagen erwartet der Heimatverein seine Gäste zwischen 15 und 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei. Um eine Spende wird gebeten. Die Ausstellung ist als 2G-Veranstaltung geplant: Nur geimpfte oder genesende Personen mit Nachweis erhalten Zutritt. Dafür entfallen die Masken- und Abstandspflicht. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben auch ohne Impfung Zutritt. Die Kontaktdatenerfassung bleibt bestehen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nähere Informationen beim Heimatverein Diepholz unter Tel. 05441/ 9263138.

Gaststätten hatten aber noch mehr Funktionen. Sie waren soziale Treffpunkte für das Vereinsleben, Skat- und Kegelabende, politische Veranstaltungen und familiäre Feiern – von der Konfirmation bis zu Beerdigungsgesellschaften. Tanzvergnügen wurden arrangiert und Theateraufführungen fanden auf den Bühnen statt.

Frauen bis ins 19. jahrhundert in Gaststätten unerwünscht

Einen kurzen, unterhaltsamen Blick in Gaststätten vom 17. Jahrhundert bis heute gab Ralf Weber vom Kreismuseum Syke. Er ist der maßgebliche Kurator der Ausstellung und Autor der beiden Bücher: „Gaststätten in Diepholz. Vom Verschwinden einer sozialen Institution“ und „Halte Rast, sei unser Gast“. Weber wusste auch: „Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Frauen in Gaststätten unerwünscht.“

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