Dickstrunk und Gänsemagd

„Alt Diepholz“: Lore Drewniok-Höllmer stellt Bilderserie aus

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Lore Drewniok-Höllmer in ihrem Arbeitszimmer. „Alt Diepholz“ ist der Titel ihrer Bilderausstellung ab Donnerstag in der Mediothek an der Thouarsstraße.

Diepholz - Eine Sichtweise auf Diepholz der vergangenen Tage – mal realistisch, mal mit viel Fantasie umgesetzt, ist ab Donnerstag, 5. Oktober, in der Diepholzer Mediothek möglich. In der neuen Kunstausstellung von Lore Drewniok-Höllmer mit dem Titel „Alt Diepholz“ werden sich Bürger der Kreisstadt wiederfinden und sind eingeladen auf einen Spaziergang durch das Diepholz der Väter, Groß- und Urgroßväter.

„Einmal möchte ich den Kraftakt einer solchen Ausstellung noch wagen“, erläutert die fitte und sehr umtriebige ehemalige Lehrerin aus Diepholz, die schon die ganze Welt bereiste. Doch dieses Mal sind es nicht die maritimen Erinnerungen von ihren Reisen mit ihren zwei Ehemännern und Kapitänen zur See, sondern das Diepholz zur Zeit ihres Vaters und Schulmeisters Gustav Höllmer an der Mittelschule Diepholz.

Drewniok-Höllmer malt erst seit ihrer Pensionierung aus dem Schuldienst. Für die Ausstellung ist sie quantitativ und qualitativ gut gerüstet. Die Motive, die sie auswählte, stehen, hängen, lehnen an der Jahnstraße in Diepholz in ihrem Elternhaus und heutigem Wohnort parat: „Ich hoffe, ich habe die interessantesten Bilder für die Diepholzer herausgesucht.“

Fast zu jedem Motiv suchte sie Gedichte von ihr lieben Autoren aus und ergänzte diese in dem Bildband zu der Ausstellung. Darunter sind Wilhelm Busch, Adelbert von Chamisso, Hermann Löns, Joachim Ringelnatz, Hermann Hesse und Mascha Kaleko. „Eigentlich alle, die Humor haben“, ergänzt sie in ihrem Multi-Arbeitszimmer, bestehend aus Wänden für Bilder, Arbeitsmappen, einer riesigen Bücherwand und Regalen.

Jedes Bild ein Wimmelbild

Die Aquarelle, die Diepholz vor und in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zeigen, erinnern in der zarten Malart an Porzellanmalerei, sind romantisch und lehrreich. Es sind die Großformate der in der Zeit auch sehr beliebten Postkartenmotive.

Und das macht die Bilder so lebendig: Die Aktionen oder Abbildungen der Menschen in Handwerk, bei der Feldarbeit, auf der Straße, beim Müßiggang und in Festlaune. „Alt-Diepholz“ ist also nicht wie ein Kupferstich, der Landschaft oder Architekturen zeigt, sondern jedes Bild ist ein „Wimmelbild“ zum Wiederentdecken. Wie verwurzelt die Malerin mit Diepholz ist, obwohl sie viel in der Welt unterwegs war, zeigt ihre Geschichts- und Sachkenntnis. „Ich habe die Plätze und Orte meiner Kindheit, aus bei alten Diepholzern gesammelten Informationen, von vergilbten Fotos und Postkarten, Archiven und Heimatblättern gesammelt. Gewürzt mit meiner Fantasie und gemalt“, sagt die Malerin. Und so kommen der sogenannte Dickstrunk (Pflanze wie Grünkohl mit langem Strunk für das Vieh) auf ihr Bild, die Ziegen aus den Kohlhöfen aus Diepholz, die Schneiderlehrlinge beim Schneider um die Ecke oder ein erträumtes Dornröschen im Diepholzer Schloss. Der Viehmarkt des Diepholzer Großmarktes, Binsenschnitt am Dümmer, das Torfstechen im Diepholzer Moor, die Gänsemagd und die Schmiede in der Bahnhofstraße verbinden den Heimatgedanken an die Kreisstadt.

Viele Gesichter, Geschichten, Menschen

Alles begann mit der Frage der Freunde ihres Vaters aus Westfalen an ihn: „Du willst tief ins Moor, ans Ende der Welt?“, erinnert sich die Malerin. „Aber mein Vater war begeistert von der kleinen prosperierenden Kreisstadt und ihrer Umgebung. Die Bruchwiesen erinnerten ihn an seine Heimat Versmold.“

Lore Drewniok-Höllmer kennt viele Gesichter, Geschichten, Menschen in Diepholz. In der neuen Ausstellung wird sie auch Führungen zu den Bildern für interessierte Senioren anbieten.

Die Bilder von Diepholz sind so liebenswert gemalt, dass die Motive sich für ein bebildertes Geschichtsbuch eignen. Ihr zweites Leben auf See und durch die Welt bringt sie auch mit: „Ich werde noch ein schönes maritimes Motiv, exotische Pflanzen und Tiere aus unserer Region oder von ganz weit weg aussuchen“. Ihre besten Freundinnen portraitierte die Diepholzerin. Sie engagiert sich im Naturschutz, ist sehr belesen, wissensdurstig und schreibt.

Die Ausstellung ist ab5. Oktober bis 30. November während der Öffnungszeiten der Mediothek an der Thouarsstraße zu sehen.

sbb

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