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Multiple Sklerose: Betroffene Diepholzerin engagiert sich in Selbsthilfegruppe

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Von: Eberhard Jansen

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Mit 18 Jahren bekam sie die Diagnose „Multiple Sklerose“. Andrea Lange Ansprechpartnerin der MS-Selbsthilfegruppe Diepholz.
Mit 18 Jahren bekam sie die Diagnose „Multiple Sklerose“. Andrea Lange Ansprechpartnerin der MS-Selbsthilfegruppe Diepholz. © Jansen

Die Diepholzerin Andrea Lange lebt seit 1988 mit der Diagnose Multiple Sklerose. Sie engagiert sich in einer Selbsthilfegruppe.

Diepholz – Andrea Lange bekam die Diagnose mit 18 Jahren. Sie hatte Doppelbilder gesehen. Im Krankenhaus erfuhr die Diepholzerin: „Sie haben Multiple Sklerose.“ Das war im Jahr 1988. Seitdem lebt die heute 52-Jährige mit der kurz „MS“ genannten, chronisch entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Anlässlich des Welt-MS-Tages am heutigen 30. Mai rückt diese Krankheit, die etwa 252 000 Menschen in Deutschland haben in die Öffentlichkeit.

Einer von 300 Menschen in Deutschland hat MS. Niedersachsenweit wird die Zahl der Erkrankten auf über 20 000 geschätzt, Tendenz steigend. Diese Zahlen nennt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), in der sich Andrea Lange engagiert: Sie ist Ansprechpartnerin der MS-Selbsthilfegruppe in Diepholz. An Multiple Sklerose Erkrankte und Angehörige finden hier Rat, Hilfe, Gemeinsamkeit, und Gespräch über die schicksalhafte Erkrankung, die sich im Alltag so unterschiedlich auswirken kann. „Krankheit mit 1000 Gesichtern“ wird MS daher auch genannt. Es gibt schwere Verläufe, bei der die Betroffenen nach einiger Zeit nicht mehr ohne Rollstuhl und andere Hilfsmittel auskommen, bis zu fast keine Einschränkungen und alle Mischformen. Alles ist schwer vorhersagbar. MS verläuft in der Regel in Krankheitsschüben, die nach Abklingen dauerhafte Schäden hinterlassen können – aber nicht unbedingt müssen. Der Verlauf insgesamt ist nicht zwangsläufig schwer. „Vielen Betroffenen gelingt es, ihr bisheriges Leben mit Berufstätigkeit und Familie mit einem anderen Bewusstsein fortzusetzen“, so die DMSG.

In ihrer Bewegung ist Andrea Lange kaum eingeschränkt. Sie kann auch noch Treppen steigen. Ihr Hauptsymptom ist die Fatigue. Dieses drückt sich durch extrem schnelle Ermüdung und Erschöpfung aus. „Nachmittags kann ich nichts mehr“, erklärt die 52-Jährige. Deswegen erledigt Andrea Lange fast alles an den Vormittagen. Große Unterstützung im Alltag bekomme sie durch ihren Mann, ist die Diepholzerin dankbar.

Seit 1984 Diepholzer Selbsthilfegruppe

In der MS-Selbsthilfegruppe, die es seit 1984 in Diepholz gibt, engagiert sich Andrea Lange für ebenfalls Betroffene und dafür, dass die Krankheit insgesamt bekannter wird und negative Vorurteile abgebaut werden. „Bei unseren Treffen tauschen wir Erfahrungen aus. Wir versuchen, Ängste abzubauen, und beraten bei alltäglichen Problemen“, erklärt Andrea Lange: „Wir planen auch gemeinsam Ausflüge, Seminare und andere Aktivitäten.“ 14 Mitglieder sind derzeit dabei – auch mit „viel Spaß und Freude“, wird im Info-Flyer der Selbsthilfegruppe betont.

Die für jeden offene Diepholzer Gruppe trifft sich an jedem letzten Samstag im Monat um 15 Uhr im Café des Technikmuseums Diepholz-Heede an der Bremer Straße 7. Andrea Lange ist unter der Telefonnummer 05441 / 5801 zu erreichen.

Vortragsveranstaltung der DMSG im Technikmuseum in Heede 

Im Rahmen der Aktionswoche der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft (DMSG) gibt es am Dienstag, 14. Juni, eine Vortragsveranstaltung im Technikmuseum Diepholz-Heede. Beginn ist um 17.30 Uhr. Den Einstiegsvortrag hält Dr. med Michael Hotz, Chefarzt der Neurologie des Christlichen Krankenhaus Quakenbrück, zum Thema „Medikamentöse MS-Therapien – Entscheidungshilfen“. Ein zweiter Vortrag von Prof. Dr. phil. Helmut Hildebrandt vom Zentrum für Neurologie im Klinikum Bremen Ost im Anschluss daran hat das Thema „Fatigue“ (signifikante Müdigkeit, Erschöpfung). Um Anmeldung wird gebeten: online über die Internetseite https://dmsg-niedersachsen.de/aktionswoche/ oder direkt bei der DMSG-Beratungsstelle Weser Ems in Oldenburg (Marion Ahlers), Tel. 0441/ 36163718, E-Mail: E-Mail ahlers@dmsg-niedersachsen.de.

Die Ursache von MS ist nach wie vor ungeklärt. Mögliche Symptome sind neben Sehstörungen – wie bei Andrea Lange – auch Taubheitsgefühle/Kribbeln, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, rasches Ermüden, Lähmungen und Sprachprobleme.

Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 20 und 40 Jahren. 72 Prozent der Erkrankten sind Frauen. MS ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter, so die DMSG.

Trotz intensiver Forschung sei eine Heilung bis heute noch nicht möglich. Bei einigen Patienten könne jedoch die Erkrankungsaktivität kontrolliert und damit der Verlauf gebremst und die Symptome gelindert werden, erklärt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft weiter: „Je früher eine medikamentöse Therapie begonnen wird, umso günstiger sind die Aussichten, die Auswirkungen der MS gering zu halten.“ Hoffnungsträger seien hierbei unter anderem immunmodulatorische Substanzen, die die Schubrate bei den Erkrankten wesentlich reduzieren.

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