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Das Ende des Tuchmacher-Hauses: Trägerverein vor der Auflösung

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Von: Eberhard Jansen

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Das Tuchmacher-Haus an der Lohnstraße 2 in Diepholz ist nach 24 Jahren geschlossen worden. Ausstellungen, Auftritte und Trauungen können dort nicht mehr stattfinden. Der Trägerverein will sich auflösen.
Das Tuchmacher-Haus an der Lohnstraße 2 in Diepholz ist nach 24 Jahren geschlossen worden. Ausstellungen, Auftritte und Trauungen können dort nicht mehr stattfinden. Der Trägerverein will sich auflösen. © Jansen

Das Tuchmacher-Haus in Diepholz ist geschlossen. Der Trägerverein „Kultur im Tuchmacher-Haus“ sieht keine andere Möglichkeit, als das „kulturelle Kleinod“ aufzugeben.

Diepholz – Das Tuchmacher-Haus an der Lohnstraße 2 in Diepholz ist geschlossen: „Leider ist ein Fortbestehen des Tuchmacher-Hauses in der bisherigen Form mit seinen wechselnden Ausstellungen und der gemütlichen Klönstube nicht mehr möglich. Auch neue Termine für Trauungen können nicht mehr angenommen werden“, teilte der Trägerverein „Kultur im Tuchmacher-Haus“ seinen Mitgliedern per Brief mit. „Durch die Corona-Pandemie hat sich die finanzielle und auch personelle Situation unseres Vereins im Tuchmacher-Haus dermaßen verschlechtert, dass wir uns gezwungen sahen, dieses kulturelle Kleinod aufzugeben. Wir bedauern das außerordentlich, aber es gab keine andere Möglichkeit für uns“, heißt es in dem Brief weiter.

Trauungen nicht mehr im Tuchmacher-Haus, aber ab Herbst im Alten Rathaus

Auch die Stadt Diepholz ist von der Schließung des Tuchmacher-Hauses betroffen. Sie bot das „kulturelle Kleinod“ bislang als einen Ort für Trauungen an. Etwa 15 bis 20 Paare wurden jedes Jahr im Taubenschlag des historischen Gebäudes getraut. Insgesamt sagen in Diepholz jährlich 50 bis 90 Paare „Ja“ zueinander. Zehn Paare hätten sich noch im Tuchmacher-Haus trauen lassen wollen, so die Stadtverwaltung, drei Trauungen könnten nach Absprache mit dem Eigentümer noch wie geplant im Tuchmacher-Haus stattfinden. Derzeit sind in der Stadt Diepholz ausschließlich Trauungen im Rathaus (Trauzimmer oder kleiner Ratssaal) zu den Öffnungszeiten und beim Appletree Garden Festival auf Lüdersbusch am Veranstaltungs-Freitag möglich.

Es wird aber voraussichtlich ab Oktober eine weitere Möglichkeit geben, sagte Michael Klumpe, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, unserer Zeitung: Die Stadt baut nach „Kunst in der City“ den Ratssaal des Alten Rathauses an der Langen Straße zu einem „multifunktionalen Veranstaltungsraum“ um. Darin können dann auch Paare getraut werden.

Seit 1998 hatte sich das historische Gebäude an der Lohnstraße zu einem kleinen aber feinen Treffpunkt für kulturell Interessierte entwickelt. Es bot Künstlern aus der Region und von weiter her die Möglichkeit für Ausstellungen und kleinere Auftritte. 1996 hatte Georg Türke das Haus aus dem 17. Jahrhundert gekauft und renoviert. Nach dem Umbau entschied sich Türke, der auch als Darsteller des Diepholzer Grafen bei Veranstaltungen bekannt ist, gegen eine Vermietung. Stattdessen reifte der Plan eines Kulturzentrums. Für die ehrenamtliche Trägerschaft gründete sich 1998 ein Verein.

Geschichte

Zur Geschichte des Diepholzer Tuchmacher-Hauses heißt es auf der Internetseite des Vereins „Kultur im Tuchmacher-Haus“ (tuchmacher-haus.de):

„Das Tuchmacher-Haus an der Lohnstraße 2 in Diepholz gehört zum historischen Kern der Stadt. Die Besiedelung der Lohnstraße geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Vermutlich reichte der Wohnraum in der Altstadt nicht mehr aus, sodass der Bau von 26 Hausstellen in der ,Neustadt’ genannten Straße auf der Lohne-Insel notwendig wurde.

Der Name Lohnstraße wird erst 1834 amtlich eingeführt. Damals hieß der namengebende Fluss nicht die Lohne, sondern der Lohn oder der Lohnstrom. Urkundlich erwähnt ist das Haus Nummer 2 erstmals 1688 als „Bödeckers Haus“, das der Glasermeister Hermann Osthagen von Bödecker gekauft hatte.

Ab 1695 wohnte der Tuchmacher Friedrich Schröder dort. Ihm folgten weitere Tuchmacher-Familien, später auch ein Schuhmachermeister und ein Landwirt und Mietskutscher.

Auch in den anderen Häusern an der Lohnstraße lebten und arbeiteten zeitweise Tuchmacher.“

Dieser Verein „Kultur im Tuchmacher-Haus“ steht ebenfalls vor dem Aus. Die Vorstandsmitglieder Britta Martin, Anke Ritter, Karin Sander und Georg Türke schlagen die Auflösung vor. Sie schrieben an die Mitglieder: „Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie kann unsere Mitgliederversammlung leider nicht im gewohnten Rahmen stattfinden. Deshalb müssen wir auf die vom Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit eines Umlaufverfahrens zurückgreifen.“ Aufgrund der hauptsächlich finanziellen und auch personellen Situation sei ein Fortbestand des Tuchmacher-Hauses nicht mehr möglich. In dem Brief heißt es weiter: „Durch die laufenden Kosten haben sich die finanziellen Mittel dermaßen minimiert, dass Forderungen nur noch kurze Zeit erfüllt werden können. Auch bei den verdienten Helferinnen hat die Zahl derer gravierend zugenommen, denen die Gesundheit zu schaffen macht oder denen einfach die Lust an der Sache abhanden gekommen ist.“ Der Mietvertrag für das Tuchmacher-Haus sei in gegenseitigem Einverständnis ohne Einhaltung der Kündigungsfrist aufgelöst worden.

Die Auflösung des Vereins könne aber nur durch die Gesamtheit der Mitglieder beschlossen werden. Deshalb hat der Vorstand dem Brief an die Mitglieder eine frankierte Rückantwort für die Abstimmung beigelegt. Bis 24. Mai haben die Mitglieder Zeit für diese Antwort.

Was wird nun aus dem Haus Lohnstraße 2? Georg Türke war zur Beantwortung dieser Frage am Montag nicht erreichbar.

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