Ausrüstung am Fliegerhorst Diepholz

Im Jet darf nichts wackeln: Für jeden Kopf den passenden Helm

Individuell ausgestattete Helme bekommen Piloten der Bundeswehr vom Fliegerhorst Diepholz. Dort ist Sven Kretschmar einer der Experten für diese Arbeit. Foto: Jansen
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Individuell ausgestattete Helme bekommen Piloten der Bundeswehr vom Fliegerhorst Diepholz. Dort ist Sven Kretschmar einer der Experten für diese Arbeit.

Diepholz - Bei 2000 Stundenkilometern und extremen Fliehkräften darf nichts wackeln: Helme von Kampfjet-Piloten müssen perfekt sitzen. Auf dem Fliegerhorst Diepholz werden die grauen Kopfbedeckungen für jeden Jetpiloten für das Waffensystem Tornado individuell angefertigt.

Im gleichen Verfahren werden dort Helme für die Besatzung des Transportflugzeuges A400M und des Aufklärers P3C Orion angepasst. Nicht ganz so aufwendig sind die Helme für die Soldaten im Cockpit von Hubschraubern. Einer der Spezialisten auf dem Fliegerhorst für alle diese Kopfbedeckungen ist Sven Kretschmer.

Der Rehdener ist Zivilangestellter der Bundeswehr. Er gehört zur fünf Mann starken Fachgruppe Flugausrüstung der Luftwaffen-Unterstützungsstaffel Diepholz. Das ist eine Einheit, die in dieser Form einmalig in der Bundeswehr ist, denn ihr Auftrag ist sehr speziell. Neben der individuellen Formung und Ausrüstung der Helme gehört die Überprüfung, Wartung und Instandsetzung von auf dem Fliegerhorst gelagertem Rettungs-und Sicherheitsgerät – wie Rettungswesten, Rettungsboote und Atemmasken – dazu.

Maßanfertigungen aus der Helm-Werkstatt in Halle 42

In der Helm-Werkstatt in Halle 42 liegen graue Kopfbedeckungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) von unbearbeitet bis fertig. Die Schalen kommen von einem amerikanischen Hersteller. „Das sind keine Sturzhelme“, erklärt Sven Kretschmer, der als gelernter Elektroinstallateur 1995 in diese Werkstatt der Bundeswehr kam und nun Fluggerätemechaniker der Fachrichtung Flugausrüstung ist. Die Kopfbedeckung dient in erster Linie zur Kommunikation und als Träger von Atemmasken und Visieren sowie auch Nachtsichtgeräten beim A400M.

Besonders aufwendig ist die Herstellung von Jetpiloten-Helmen, denn diese werden auch im Detail individuell auf den Kopf des jeweiligen Strahlflugzeugführers optimal angepasst. Bis in die 1990er Jahre kam dazu jeder Kampfjet-Pilot der Bundeswehr nach Diepholz. Eine erhitzte Spezialkunststoffmasse erkaltete bei dem alten Verfahren auf seinen Kopf, was so eine innere Form für seinen Helm ergab. Dieses unangenehme und auch zeitlich aufwendige Prozedere gehört heute der Vergangenheit an. Jetzt wird als innere Form ein Styroporkern mit einem Thermoplastliner – eine spezielle Kunststoff-Folie mit Lufteinschlüssen – verwendet. Der Thermoplastliner wird durch Wärmebehandlung der Kopfform genau angepasst.

Daten nach Diepholz zu Flugausrüstern übermittelt

Zunächst werden die Köpfe und Gesichter der Piloten in den Verbänden nach einem bestimmten Schema vermessen und die Daten nach Diepholz zu den Flugausrüstern übermittelt. Nach diesen Daten fertigt Sven Kretschmer die Auspolsterung des Helmes an.

Sehr wichtig ist, dass der Helm dicht am Gesicht sitzt – insbesondere, wenn der Pilot im Notfall mit dem Schleudersitz aussteigen muss und er kurzzeitig extremem „Fahrtwind“ ausgesetzt ist.

Deshalb näht Sven Kretschmer die Auspolsterung an der Frontseite per Hand aus weichem Lamm-Nappaleder, unterlegt mit Schaumstoff. Damit die Maße genau stimmen, sind Erfahrung und Feinarbeit notwendig. „14 bis 16 Stunden dauert es, bis ein Jetpiloten-Helm fertig ist“, sagt der 47-jährige Fluggerätemechaniker. Kosten: etwa 3 500 Euro pro Stück.

Wärmebehandlung schießt Helm-Fertigung ab

Nach der Fertigstellung werden die Helme in die Verbände zur Anprobe und zur Thermoplastliner-Wärmebehandlung geschickt.

Da die Transporter und Aufklärer für ihre Helme diverse Anbauteile zusätzlich benötigen, musste sich Sven Kretschmer schon mal neue Lösungen überlegen, um zusätzliche Bohrungen an der Helmschale zu schaffen.

Wie viele Helme er im Laufe seines Berufslebens schon produziert hat, weiß er nicht. Aber er kann sagen, wie viele Helme es insgesamt seit 1993 in Diepholz sind: 3500 Stück.

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