Die „Creapers“ komponieren Titelsong für ungewöhnlichen Film

Kerniger Rock‘n‘Roll und spannende Funde im Moor

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Carsten Politzky (l.) und Marc Slengard von den „Creapers“ beim Komponieren.

Diepholz - Das Moor ist eine faszinierende Landschaft – prägend für die hiesige Region, einzigartig, schützenswert. Heute ist es kaum vorstellbar, dass das Moor als Müllkippe missbraucht wird. Aber es gab Zeiten – beispielsweise das Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre – da war es gang und gäbe, seinen Müll in der freien Natur zu entsorgen. Dieses ungewöhnliche Thema greifen Naturfilmer Ulrich Haufe und sein Fotografen-Kollege Clemenz Körner aus Nordrhein-Westfalen in einer neuen Fotoausstellung und einem Film auf.

Wenn der Streifen im kommenden Jahr erscheint, dann soll darin auch die heimische Rockband „The Creapers“ eine wesentliche Rolle spielen – sie komponiert den Titelsong.

„Ulrich Haufe ist seit Jahren ein guter Freund der Band“, erzählt Carsten Politzky. So sei der Kontakt entstanden.

Aber was hat das Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre mit Müllentsorgung und Rock’n’Roll zu tun? Eine ganze Menge, meinen die Filmschaffenden. Die Hinterlassenschaften einer Gesellschaft im Aufbruch und Musik, die eine neue Zeit verkörperte, bilden Gegensätze, die aus heutiger Sicht auf den ersten Blick nicht so recht passen wollen und doch viel gemeinsam haben.

Rückblick: Nach den Kriegswirren und der Währungsreform brummte die Wirtschaft. Umweltschutz war noch kein Thema. Was man nicht mehr brauchte, was kaputt ging, musste man auch irgendwie entsorgen. Abfalltrennung und Recycling waren noch unbekannt. Rauchende Müllkippen gab es deshalb überall. Auf dem platten Land mussten oft „stille Ecken“ in der Natur herhalten, um Müll aus der Wirtschaftswunderära irgendwie loszuwerden.

„Das war einfach so. Aus heutiger Sicht ein ‚No Go‘“, meinen Haufe und Körner. Die beiden haben systematisch diese alten Entsorgungsorte in der freien Landschaft aufgesucht – hauptsächlich in Norddeutschland. Spannendes sei dabei zu Tage getreten. Entsorgt worden und danach in Vergessenheit geraten seien auch Sachen, von denen man das kaum glauben mag. Körner: „Das ist einfach unglaublich, da liegen Dinge, für die die Menschen damals lange und hart gearbeitet haben, einfach seit mehr als einem halben Jahrhundert im Verborgenen rum.“

In mehrjähriger Arbeit haben die beiden Autoren die Orte der Müllentsorgung in der Wirtschaftswunderzeit fotografiert und aufwändig gefilmt. „Entsorgt – vergessen – wiederentdeckt“ – so der Untertitel ihres Projekts. Die Dokumentationen sind fast abgeschlossen, die Fotos für eine große Ausstellung ausgesucht und der Film ist in der Endphase des Schnitts. Über den konkreten Inhalt der Veröffentlichungen wollen die beiden absolut nichts verraten.

Für den Soundtrack des Films haben die Autoren lange Zeit nach einer passenden Musik gesucht, die den Geist der Zeit spiegelt und das Thema gleichzeitig nicht allzu ernst rüberkommen lässt. „Rock’n’Roll ist die Stilrichtung, aber wir haben nichts gefunden, das wirklich passte oder von den Rechten verfügbar gewesen wäre“, so Körner.

Das Stück sollte idealerweise inhaltliche Bezüge zum Thema haben und authentisch rüberkommen, hatten sich die Filmemacher gedacht. Haufe: „Was lag da näher, als die ‚Creapers‘ zu fragen, einen Song speziell für den Film zu komponieren?“

Gesagt, getan: Letztes Wochenende gab es im Studio von Ulrich Haufe in Enger das erste „kreative Treffen“. Im Ambiente der 50er Jahre mit Nierentisch, Cocktailsesseln und Original-Gitarren sprudelten die ersten Ideen nur so aus Marc Slengard und Carsten Politzki heraus. „Es ist einfach genial, was die Jungs im Stil der damaligen Zeit aus ihren Instrumenten rausholen.“

Es wird ein klassisches Rock‘n‘Roll-Stück, erzählt Politzky, kerniger, trockener Sound. Direkt.“ Und der Text zum Thema – auch bereits auf einem guten Wege. Die ersten Textbausteine stehen.

Die Tonaufnahmen sind für Anfang nächsten Jahres geplant, ebenso ein Video des Titelsongs. Man darf gespannt sein.

Das Filmprojekt ist nicht das einzige Highlight, das die „Creapers“ im kommenden Jahr erwartet. Am Samstag, 27. Februar, ab 19.30 Uhr, feiert die heimische Rock-Formation zunächst einmal ihr 15-jähriges Bestehen im Saal bei „Schröders“ in Barnstorf.

Der Vorverkauf hat bereits begonnen – Tickets gibt es vorab zum Preis von zwölf Euro bei „Hairport“ und bei „Schröders“ in Barnstorf sowie in den Geschäftsstellen der Mediengruppe Kreiszeitung – also auch beim Diepholzer Kreisblatt an der Bahnhofstraße 9 in Diepholz.

sr

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