„Alle überleben die Krise nicht“

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Betriebe am Rand der Existenznot

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Alles verwaist, niemand arbeitet an den Modellköpfen: Weil sowohl Schulen als auch Friseursalons wegen der Corona-Gefahr geschlossen bleiben müssen, ruht auch die Ausbildung im Friseurhandwerk.

Die Coronakrise bringt Geschäfte und kleine Unternehmen im Landkreis an den Rand der Existenznot. Im Fachdienst Wirtschaftsförderung stehen die Telefone nicht still. Die Kreissparkassen unter dem Dach des Konzerns Landkreis informieren derweil über Unterstützungsmöglichkeiten.

Landkreis Diepholz – Nichts geht mehr: Die Corona-Krise trifft auch das Friseurhandwerk im Landkreis Diepholz hart. Alle Salons sind geschlossen, zunächst bis zum 18. April. Aber eine Verlängerung des Öffnungsverbots ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen.

Mindestens der Umsatz für einen Monat, so bilanziert Tanja Strohmeyer als Obermeisterin der Friseur-Innung im Landkreis Diepholz, bricht der Branche weg. Das Geschäft rund um Konfirmation, Kommunion und Ostern ist verloren. „März und April sind umsatzstarke Monate“, erläutert die Obermeisterin.

Corona-Krise im Landkreis Diepholz: Friseure haben Verständnis für Maßnahmen

„Wäre das Verbot am Sonntag nicht gekommen, hätten ich und auch in einige Kollegen in dieser Woche freiwillig geschlossen“, sagt Tanja Strohmeyer. Bei steigenden Infektionszahlen und dem direkten Kontakt zwischen Kunden und Friseur ein unvermeidbarer Schritt: „Es geht um die Gesundheit der Kunden und der Mitarbeiter!“

Für ihre sozialversicherungspflichtigen Kräfte haben die Betriebsinhaber Kurzarbeit angemeldet. Unabhängig davon: Die Bundesagentur für Arbeit erlebt eine nie dagewesene Nachfrage aus allen Branchen. Demnach sind in dieser Woche bundesweit bisher rund 76.700 Anzeigen auf Kurzarbeit bei den Arbeitsagenturen eingegangen, die auf Folgen von Corona zurückzuführen sind – im Vorjahr waren es im Schnitt 600 pro Woche.

„Die Auszubildenden müssen weiter bezahlt werden“, erläutert die Obermeisterin. Die Selbstständigen – sprich Betriebsinhaber – bekämen nichts, ebenso wenig wie die 450-Euro-Kräfte. „Wir versuchen, das bei diesen Kräften mit Urlaubstagen zu überbrücken“ beschreibt die Obermeisterin das Ziel, die fatale Situation für diese Kräfte abzumildern.

Ausbreitung des Coronavirus: Friseurin fordert finanzielle Soforthilfe

Helfen den gebeutelten Betriebsinhabern Kredite? „Darlehen nutzen uns nichts“, so Tanja Strohmeyer, „dann schieben wir das Geld ja nur vor uns her“. Entlasten könne in der Corona-Krise nur eines: „Geld sofort und bar. Cash in die Hand“, beschreibt sie öffentliche Unterstützung von Bund oder Land. Berechnen könnte man solche Zuwendungen nach Betriebsgröße oder Umsatzzahlen, ist ihre Überlegung.

50 Friseurbetriebe sind in der Innung organisiert, aber rund 200 Salons im gesamten Landkreis Diepholz betroffen, schätzt die Obermeisterin. Sie ist sicher: „Alle überleben die Krise nicht.“ Im Blick hat sie dabei vor allem solche Betriebe, die gerade mal einen Jahresumsatz von 17.500 Euro erreichen. Es sind vor allem Betriebe mit nur einem Beschäftigten oder bis zu fünf Mitarbeitern, die Corona in Existenznot bringt.

Nicht nur viele Unternehmen haben mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu kämpfen, auch Veranstalter und Schausteller geraten zunehmend in ernste Probleme. Alle Entwicklungen im Coronavirus-Live-Ticker zum Landkreis Diepholz.

Wegen Covid-19: Vermehrt Hilfegesuche bei Wirtschaftsförderern

Die Einschätzung von Obermeisterin Tanja Strohmeyer deckt sich derweil auch mit den Rückmeldungen, die Günter Klingenberg und seine Kollegen bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises Diepholz immer wieder erhalten. Dort steht das Telefon nicht still – im Minutentakt gehen Anrufe von Firmenbesitzern in Not ein. Darunter viele, die an die Grenze ihrer Liquidität kommen. Vor allem solche, denen durch Schließungsverbote der Umsatz wegbricht. Betroffen seien vor allem Selbstständige und Kleinstbetriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern – aber auch Betriebe mit bis zu 49 Mitarbeitern, erläutert Günter Klingenberg.

Die immer wieder gestellte Frage: Wie schnell fließen die versprochenen Hilfen von Bund und Land? „Alles, was wir zurzeit haben, sind Eckpunkte“, so Günter Klingenberg. „Wir warten auf konkrete Richtlinien und Antragsformulare.“ Unklar seien zurzeit auch noch die Ausführungsmodalitäten.

Schnell und umfassend will die Wirtschaftsförderung aktuelle Informationen transparent machen – und verweist Firmeninhaber auf die Internetseite des Landkreises Diepholz.

Sparkassen im Landkreis Diepholz bieten finanzielle Hilfe an

Die beiden Kreissparkassen im Landkreis Diepholz stehen nach eigenem Bekunden bereit, Unternehmen, Landwirten und Selbstständigen Hilfe anzubieten, die von der Corona-Krise betroffen sind. „Das soll helfen, eine wirtschaftliche Talfahrt in der Region zu verhindern“, betonen die Vorstandsvorsitzenden Ralf Finke (Kreissparkasse Grafschaft Diepholz) und Jens Bratherig (Kreissparkasse Syke) in einer Pressemitteilung.

Dafür verweisen sie auf verschiedene Förderprogramme der KfW (Anträge können ab sofort gestellt werden), der NBank und der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Die KfW erweitert demnach ihren „KfW-Unternehmerkredit“ und „ERP-Gründerkredit-Universell“ so, dass sie auch von Unternehmen in Anspruch genommen werden könnten, die bedingt durch die Corona-Krise vorübergehend in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind.

„Auch für Selbstständige und Freiberufler hat die Bundesregierung inzwischen ein Hilfsprogramm angekündigt, denn bei diesen Kundengruppen sind vor allem Zuschüsse wirksam. Die genauen Termine und Details hierzu werden schnellstmöglich bekannt gegeben“, so die beiden Vorstandsvorsitzenden.

Covid-19: Rentenbank und Land bieten Corona-Hilfen an

Auch die Landwirtschaftliche Rentenbank unterstütze Betriebe, die die Auswirkungen der aktuellen Krise zu spüren bekommen: „Betroffene können über ihre Sparkassen Liquiditätssicherungsdarlehen beantragen, die neben einem günstigen Zinssatz mit einem Förderzuschuss versehen sind.“

Ab heute rechnen die Vorstandsvorsitzenden damit, dass auch die Hilfen des Landes verfügbar sind. „Der Liquiditätshilfekredit richtet sich mit einer Kreditsumme bis 50.000 Euro an kleine und mittelständische Unternehmen. Es handelt sich um einen Direktkredit der NBank, den das Unternehmen über das NBank-Portal beantragen kann“, heißt es in der Pressemitteilung. Anders als bei der KfW und der Landwirtschaftlichen Rentenbank sei dabei keine Hausbank zwischengeschaltet.

Für Kleinunternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten gebe es zur Abdeckung der Personal- und Mietkosten einen Zuschuss in Höhe von bis zu 20.000 Euro, berichten die Kreissparkassen-Vorstände weiter, „auch der Zuschuss kann über das NBank-Portal beantragt werden“.

Die beiden Programme der NBank seien als Sofortmaßnahmen zu verstehen. Die Landesregierung habe dazu angekündigt, die Maßnahmen anzupassen und zu erweitern.

Hinweis der Kreissparkassen

Antragsteller können sich schon jetzt bei der N-Bank unter www.n-bank.de vormerken lassen.

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