Corona im Landkreis Diepholz

Corona-Testzentrum in Diepholz: Nicht alle Patienten sind freundlich

Das Coronavirus grassiert auch im Landkreis Diepholz. Zum Corona-Testzentrum kommen rund 80 Patienten täglich - sie sind nicht nur freundlich.

  • Coronavirus-Testzentrum in Diepholz nimmt Proben von Verdachtsfällen
  • Mögliche Infizierte mit Sars-CoV-2 müssen von Hausarzt überwiesen werden
  • Labor für Corona-Fälle aus dem Landkreis Diepholz arbeitet am Limit

Diepholz - Von großer Freundlichkeit bis zu „unverschämtem Anspruchsdenken“: Dr. Marcel Blesken erlebt im Coronavirus-Testzentrum in Diepholz sehr unterschiedliches Verhalten von Patienten, die Klarheit über eine mögliche Infektion mit dem weltweit grassierenden Virus Sars-CoV-2 haben möchten.

Der Diepholzer Arzt hilft neben seiner Tätigkeit in einer Hausarztpraxis im Corona-Testzentrum in der Kreisstadt mit. Zwei seiner medizinischen Fachangestellten haben sich ebenfalls zu diesem freiwilligen, aber bezahlten Dienst gemeldet. Sechs solcher Teams arbeiten in Schichten in der Einrichtung, die für Patienten aus dem ganzen Landkreis Diepholz zuständig ist. Betreiber ist die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) in Verden.

Coronavirus-Testzentrum: Zuständiges Labor arbeitet am Anschlag

Etwa 80 Abstriche werden derzeit täglich von Patienten genommen. Der diensthabende Arzt nimmt die Speichelproben. Die im Mund benetzten Wattestäbchen kommen in Röhrchen, die dann zu einem Labor nach Georgsmarienhütte gebracht werden. Dieses arbeitet am Anschlag, und hat die 80 Proben aus dem Landkreis Diepholz zusätzlich zum Routineprogramm zu analysieren.

Ins Coronavirus-Testzentrum können die Patienten nicht einfach so kommen. „Sie werden einbestellt“, betont Dr. Blesken und unterstreicht, dass keine Wunschtermine möglich seien. Das Verfahren ist klar geregelt: Menschen, die befürchten, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, rufen bei ihrem Hausarzt an. Dieser – oder seine Helferinnen – fragen dann am Telefon nach einem vom Robert-Koch-Institut erarbeiteten Katalog Kriterien ab – wie Kontakt zu Infizierten oder Aufenthalt in Risikogebieten.

Werden bestimmte Kriterien erfüllt, schickt der Arzt ein Papier mit Patientendaten per Fax an das Corona-Testzentrum. Dieses ruft dann die Patienten an und bestellt sie zu einem bestimmten Termin ein. Derzeit meist am nächsten oder übernächsten Tag.

Mit dem derzeit gebotenen Abstand: Dr. Marcel Blesken (links) und Ralf Meier, für das Coronavirus-Testzentrum in Diepholz zuständiger Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, beim Organisationsgespräch in der Arztpraxis.

Corona-Arzt: Viele im Landkreis Diepholz trotz Quarantäne nicht zuhause

Dabei gibt es manche Probleme: In vielen Fällen sind die Betroffenen nicht telefonisch erreichbar, obwohl sie aufgrund ihres Infektionsverdachtes in häuslicher Quarantäne sein sollten. Laut Dr. Blesken eine beliebte Begründung: „Ich war beim Einkaufen!“

Hausbesuche können die Ärzte nicht machen – auch wenn manche Patienten das verlangen. Es führt auch zu organisatorischen Problemen, wenn einbestellte Corona-Verdächtige gleich einen Teil ihrer Verwandtschaft mitbringen, um diese „mal gleich mittesten“ zu lassen. Das geht jedoch nicht.

Auch in anderen Landkreisen in Niedersachsen werden derzeit keine Hausbesuche gemacht.

Coronavirus-Test kostet 120 Euro: Die Krankenkasse zahlt

Einen Test, der laut Blesken etwa 120 Euro kostet – gibt es nur für den Patienten, der über seinen Hausarzt angemeldet worden ist. Die Kosten trägt die Krankenkasse. Tests auf eigene Kosten sind in dem Testzentrum der KVN nicht möglich. Der eigentliche Abstrich durch den Arzt dauert nur Sekunden. Etwa zehn Minuten pro Patient nehmen das Ausfüllen von Formularen und andere organisatorische Dinge in Anspruch.

Während die KVN Schutzkleidung und Atemmasken wegen der aktuellen Lieferengpässe für Arztpraxen stark rationiert hat, schafft sie es derzeit noch, für das Personal in den Corona-Testzentren ausreichend Ausrüstung zu liefern. Ralf Meier bringt Masken und Kleidung zweimal in der Woche aus Verden nach Diepholz, kümmert sich auch um Dienstpläne und anderes, um die Einrichtung am Laufen zu halten. In normalen Zeiten ist Meier Geschäftsbereichsleiter „Vertragsärztliche Versorgung“ bei der KVN, jetzt ist er „Pate des Testzentrums Diepholz“.

„Wir würden gern noch weitere Testzentren im Landkreis Diepholz einrichten“, sagt Meier. An Personal fehle es nicht, wohl aber an der Ausstattung.

Das Testzentrum in Diepholz wurde am 13. März in Betrieb genommen, um die Hausarztpraxen zu entlasten. Das beauftragte Labor liefert die Teströhrchen. Diese gibt es derzeit laut Meier noch in ausreichender Menge.

Ort von Corona-Testzentrum soll geheim bleiben

Wo genau die KVN das Corona-Testzentrum in Diepholz eingerichtet hat, soll nicht veröffentlicht werden, um einen Ansturm von Menschen zu vermeiden, die ohne Termin sind und sich nicht an den vorgeschriebenen Weg über ein Telefonat mit dem Hausarzt gehalten haben. Fragen zum Coronavirus klärt das Niedersächsische Landesgesundheitsamt unter 0511/4505555 (montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr).

Rubriklistenbild: © Eberhard Jansen

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