Testzentrum geschlossen

Corona-Verdacht? Damit geht‘s jetzt wieder zum Hausarzt

Covid-19-Fälle nach Ort

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Wie ein Fanal steht das Testzentrum in Diepholz für die Dynamik der Corona-Pandemie im Landkreis. Diese Einrichtung ist längst geschlossen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV), Trägerin des Testzentrums, hat die Coronatestung in die Regelleistung zurückgeführt. Heißt: Menschen mit Symptomen und Corona-Verdacht wenden sich jetzt wieder an ihren Hausarzt.

Das Testzentrum war nach Bekanntwerden der ersten Erkrankungsfälle aus dem sprichwörtlichen Boden gestampft worden. Ärzte und medizinische Fachangestellte mussten dafür gefunden werden. Völlig unklar war beim Start am 13. März, wie viele Menschen getestet werden müssten. Weil die Zahl der Klienten dann bei Weitem nicht so hochstieg wie befürchtet und als die der Neuinfektionen sank, schloss das Corona-Testzentrum am 8. Mai seine Pforten.

In dieser Zeit waren rund 1 100 Abstriche von Patienten mit Coronaverdacht genommen worden, so Lea Verwohlt, Assistentin der Geschäftsführung bei der KV in Verden. Die Ergebnisse dieser Abstriche und der bei den Hausärzten meldet die Kreisverwaltung seit Anfang März täglich (siehe Bericht auf dieser Seite).

Zurück zum Testzentrum: Zwischen acht und zehn Ärzte, so Lea Verwohlt, arbeiteten dort – Hand in Hand mit der gleichen Anzahl an medizinischen Fachkräften. Pro Öffnungstag waren demnach je ein bis zwei Ärzte und die gleiche Zahl medizinische Fachangestellte im Einsatz.

Bleibt die Frage, wie viel Geld die KV dafür aufwenden musste und wer es am Ende bezahlt. „Die Kosten für den Betrieb der Testzentren in Niedersachsen werden aktuell ermittelt und mit den Krankenkassen verhandelt. Detailliertere Auskünfte sind daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich“, so Lea Verwohlt.

Im Umfeld des Testzentrums war zu hören, dass Ärzte in dieser Einrichtung für 200 Euro die Stunde arbeiteten, medizinische Fachangestellte dagegen nur für 30 Euro pro Stunde. Trifft das zu? Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte Lea Verwohlt diese Sätze. Sie schränkte aber ein: 200 Euro seien nur in der Anfangszeit des Testzentrums gezahlt worden, weil Praxisausfallkosten der Ärzte hätten vergütet werden müssen. Danach sei der Satz sofort „nach unten angepasst worden“.

Dr. Bernd Roshop, KV-Kreisstellensprecher Grafschaft Diepholz, hat im Corona-Krisenstab des Landkreises Diepholz mitgearbeitet. Er bestätigt Probleme zum Start des Testzentrums: „Man wusste nicht: Wie viele werden das?“, blickt er auf die Zahl der Klienten – und zurück auf die erste Zeit der Pandemie: In den Praxen habe es dringend an Schutzmasken gemangelt.

Im Testzentrum war alles vorhanden. Aber dafür mussten Klienten aus dem Landkreis oft lange Wege nach Diepholz in Kauf nehmen – von Weyhe aus 61 Kilometer. Mittlerweile sind die Wege kürzer, weil die Hausärzte die Abstriche nehmen.

Auch in der Praxis von Bernd Roshop ist das Alltag. Seine Erfahrung vor Ort: Auf 50 Abstriche kommt nicht ein Infizierter. Er betont: „Im Landkreis Diepholz ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit Corona zu infizieren, sehr gering.“ Der Mediziner schlussfolgert aus verschiedenen Fakten, dass sich zahlreiche Infizierte im Landkreis Diepholz in Bremen oder in Osnabrück angesteckt haben, „oder von außen in den Landkreis gekommen sind“.

Dr. Christoph Lanzendörfer bilanziert als KV-Kreisstellenleiter Grafschaft Hoya: „Der Landkreis Diepholz ist bei den Infektionszahlen sehr, sehr gut weggekommen – wie sehr viele ländliche Bereiche.“ Seine Praxis in Bassum war in akuten Infektionszeiten so etwas wie ein Zentrum: Als Verdachtspersonen nicht bei ihren Hausärzten vorstellig werden und nicht anderweitig versorgt werden konnten, war die Bassumer Praxis für sie da. Das Team dort konnte immer wieder Erleichterung verschaffen: Unter rund 180 Abstrichen seien nur „ganz, ganz wenige positive“ gewesen, berichtet Christoph Lanzendörfer.

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