Vierter Todesfall im Kreis Diepholz

DRK putzt leeres Altenheim für Isolation heraus - Nienburg plant Behelfskrankenhaus

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Ab Montag stehen zunächst 30 Betten für das Kreisgebiet zur Verfügung.

Diepholz/Nienburg - Im Landkreis Diepholz hat es am Donnerstagabend einen vierten Todesfall in Zusammenhang mit der Lungenerkrankung Covid-19 gegeben. Dabei handele es sich um einen 83 Jahre alten Bewohner des Sulinger Seniorenheims Landhaus Barrien, wie die Kreisverwaltung am Freitag mitteilt.

Das Pflegeheim ist von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Insgesamt haben sich 21 Bewohnerinnen und Bewohner sowie elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter infiziert. Ein Bewohner verstarb infolge der Corona-Infektion bereits am Montag.

Die Zahl der Neuerkrankungen beschleunige sich laut Pressemitteilung. 20 weitere Infektionen sind seit Freitag bekannt, insgesamt seien damit 204 positive Covid-19-Tests gezählt worden. Auf Nachfrage gibt der Landkreis zu bedenken, dass die zuletzt deutlich gestiegenen Zahlen auch mit der Situation im Seniorenheim Landhaus Barrien zusammenhingen, wo mit einem Mal zahlreiche Fälle aufgetreten sind. Es wäre daher verfrüht, davon auszugehen, dass sich das Coronavirus deutlich stärker in der Bevölkerung verbreitet hätte. Somit könne auch nicht behauptet werden, dass die Entscheidung des Landes, Baumärkte wieder zu öffnen, zu einem falschen Zeitpunkt komme.

In 122 Fällen seien die Betroffenen noch infiziert, 78 Personen wurden aus der Quarantäne entlassen. Die Kliniken im Landkreis Diepholz versorgten am Freitag 26 Patienten mit Corona-Verdacht oder -Infektion stationär. Acht von ihnen seien auf intensivmedizinische Versorgung angewiesen, fünf würden beatmet.

Mitglieder aus fünf DRK-Bereitschaften richten seit Freitagabend das ehemalige Altenheim in Bruchhausen-Vilsen ein, um bei Bedarf Menschen isolieren zu können, die Kontakt zu Corona-Patienten hatten.

Seit Freitagabend bereitet sich der Landkreis darauf vor, Räume vorhalten zu können, um Patienten oder / und Personal isoliert unterzubringen, die Kontakt zu Corona-Erkrankten hatten. „Wir haben das DRK beauftragt, eine entsprechende Einrichtung bezugsfertig herzustellen“, sagte Landrat Cord Bockhop Freitagabend auf Anfrage.

Diese Räume befinden sich in einem leerstehenden Seniorenheim des DRK in Bruchhausen-Vilsen. Er sei froh, dass durch die gute Zusammenarbeit mit dem DRK kurzfristig eine Immobilie zur Verfügung stehe. Menschen, die von Corona-Patienten separiert werden müssten, könnten dort untergebracht werden. „Wir müssen glücklicherweise keine Turnhalle dafür herrichten“, sagt Cord Bockhop.

„In Bruchhausen-Vilsen werden keine Corona-Patienten untergebracht“

„Es handelt sich nicht um ein Behelfskrankenhaus“, betont der Chef der Landkreis-Verwaltung ebenso wie: „In Bruchhausen-Vilsen werden keine Corona-Patienten untergebracht.“ Patienten mit Covid-19 würden bei Bedarf und wie bisher in den Kliniken des Landkreises versorgt.

Insgesamt 26 Mitglieder der DRK-Bereitschaften Vilsen, Syke, Twistringen, Bassum und Siedenburg haben Freitagabend damit begonnen, die Räume des ehemaligen Altenheims zu reinigen und zu desinfizieren. „Bis Montagmittag werden wir hier 30 Betten vorhalten“, erklärte DRK-Geschäftsführerin Ulrike Hirth-Schiller Feitagabend vor Ort. Ab Montag übernehmen hauptamtliche DRK-Mitarbeiter den Betrieb des Hauses, war von ihr zu erfahren.

Der Landkreis hatte die Schaffung dieser zentralen Isolier-Einrichtung nicht vorab informiert. Auch Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann erfuhr Freitag erst durch eine Presseanfrage davon. Passanten war am frühen Abend ein Großaufgebot an DRK-Kräften am ehemaligen Altenheim aufgefallen.

„Der Landkreis Nienburg bereitet sich auf eine Lage vor, zu der es hoffentlich gar nicht kommen wird.“ - Detlev Kohlmeier, Landrat in Nienburg

Deutlich anders stellt sich die Situation im Landkreis Nienburg dar. Dort verläuft die Kurve der Neuinfektionen sehr flach. Ausruhen wollen die Behörden sich darauf aber nicht. „Der Landkreis Nienburg bereitet sich auf eine Lage vor, zu der es hoffentlich gar nicht kommen wird“, teilt Landrat Detlev Kohlmeier am Freitag in einer Pressemitteilung mit und meint: Kreisverwaltung und Helios Kliniken Mittelweser planen in Kooperation mit den Hilfsdiensten und der Feuerwehr vorsorglich, ein zentrales Behelfskrankenhaus mit etwa 100 Betten zu errichten. Dort sollen nach aktuellem Stand leicht erkrankte, aber behandlungsbedürftige Corona-Patienten einen Platz finden.

Aufgrund der Nähe zur Nienburger Helios Klinik sei die Sporthalle der Berufsbildenden Schulen für diesen Schritt vorgesehen. Die Halle war bereits 2016 als Notunterkunft für Flüchtlinge verwendet worden. Damals hatte das Deutsche Rote Kreuz verantwortlich gezeichnet, es soll auch jetzt die Federführung übernehmen. Unter Mithilfe der Feuerwehr und weiterer Hilfsdienste werden laut Mitteilung die für den Betrieb benötigten Betten, Matratzen und Trennwände organisiert und bereitgestellt.

„Können uns auf unsere Hilfsdienste verlassen“

„In dieser besonderen Situation zeigt sich einmal mehr, wie sehr wir uns auf unsere Hilfsdienste immer wieder verlassen können. Darüber können wir alle sehr froh sein und ich möchte mich schon jetzt für diesen Einsatz bedanken“, wird Kohlmeier dazu zitiert.

Die Helios Klinik Mittelweser und der Landkreis Nienburg seien angesichts der bisherigen Entwicklung zuversichtlich, dass die Kapazitäten des Behelfskrankenhauses ausreichen werden und im Zweifel auch Patienten aus angrenzenden, stärker betroffenen Landkreisen offenstehen können. Die Vorbereitungsarbeiten sollen Anfang der kommenden Woche beginnen.

Aus der Kreisverwaltung in Diepholz hieß es am Freitag, dass ein solcher Schritt für den Landkreis Diepholz derzeit nicht diskutiert werde. Natürlich handele es sich dabei aber um eine Momentaufnahme in einer sich rasant entwickelnden Zeit.

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