„Diepholzer Gespräche“ beim Systemzentrum 21 auf dem Fliegerhorst

CH-53: Als Urlaubsmaschine nur begrenzt geeignet

Ein Transporthubschrauber vom Typ CH-53 auf dem Vorfeld des Diepholzer Fliegerhorstes. - Archivfoto: Reckmann

Diepholz - Man sitzt mit dem Rücken zur Wand, die Sitze selbst, spartanisch, haben nicht den Hauch von Komfort. Von der Wand hängen dann noch die Gurte zum Festschnallen und das war’s dann auch schon: Wer den CH-53, den Transporthubschrauber der Bundeswehr, als Urlaubsflieger verwenden will, der dürfte damit kaum Erfolg haben bei den verwöhnten Fluggästen. Zweckmäßigkeit regiert bis ins Detail.

Wie es im Inneren eines solchen mächtigen Fluggeräts aussieht – Probesitzen inklusive – davon konnten sich die Teilnehmer der jüngsten „Diepholzer Gespräche“ überzeugen. Auf Einladung der Diepholzer Wirtschaftsförderung und der Bundeswehr waren Diepholzer Geschäftsleute und Vertreter von Institutionen eingeladen, das Systemzentrum 21 kennenzulernen. Denn der große Transporthubschrauber hat eine enge Bindung zur Kreisstadt. Hier, auf dem Fliegerhorst, beim Systemzentrum 21, werden die CH-53 instandgesetzt und gewartet.

38 Personen können in der CH-53 mitgenommen und neun Tonnen Innenlast verstaut werden, berichtet der Lademeister unter den mächtigen Rotoren. Selbst Fahrzeuge wie beispielsweise die G-Klasse von Mercedes findet in dem mächtigen Laderaum Platz.

Trotz des scheinbar hohen Alters dieses Hubschraubers – entwickelt Anfang der 60er Jahre – wurde und wird dieses System immer technisch up to date gehalten, heißt es.

Zurzeit sind fünf Maschinen in Afghanistan stationiert, bilden dort das Rückgrat für den Transport von Truppen und Material oder auch für medizinische Einsätze.

„Das Systemzentrum 21 ist die einzige Einheit, die diesen Hubschrauber in dieser Tiefe instandhält“, hatte Oberstleutnant Andreas Müller zur Begrüßung im Mannschaftsheim gesagt. „Wir bewegen uns hier auf Augenhöhe mit der Industrie“.

Einen Einblick in die Aufgaben des Systemzentrums 21 gab anschließend Hauptmann Christopher Pepsin, seit 2005 bei der Bundeswehr, seit 2014 als Luftfahrzeugtechnischer Offizier am Fliegerhorst.

Neben der Instandsetzung der CH-53 kümmert sich das Systemzentrum auch um die Verlegung der Hubschrauber ins Einsatzgebiet. Wenn die Maschinen mit einer eigenen Transportmaschine von Halle/Leipzig nach Afghanistan verlegt werden, dann sind auch immer einige Experten des Systemzentrums 21 dabei.

Die Fluggeräte-Mechaniker bauen Rotorblätter, den Hauptrotor samt Getriebe und andere äußere Bauteile ab, damit alles im Bauch eines riesigen Antonov-Transportflugzeugs verschwinden kann. Am Zielort angekommen, muss der Hubschrauber so schnell wie möglich wieder flugbereit gemacht werden.

Im Anschlus wird eine andere CH-53 wieder abgerüstet, die ihren Einsatz beendet hat. Zwölf Maschinen seien 2014 verlegt worden, 2015 waren es 16.

Ein großes Problem, so erfahren die rund 20 Gäste später, sind die harten klimatischen Gegebenheiten in Afghanistan und vor allem der Sand. „Der kommt sogar durch die Klimaanlagen in die Container“, berichtet ein Soldat, der schon mehrere Aufenthalte in dem Land am Hindukusch hinter sich hat. Der Sand greift bei den Hubschraubern Rotoren, Lager und Lackierungen an. Damit er nicht in die Triebwerke gelangt, sind diese mit speziellen Luftfiltern versehen.

Wenn die Maschinen nach ihrem Auslandseinsatz nach Diepholz kommen, müssen sie daher in der Regel erst einmal aufwändig „entsandet“, gereinigt werden. Das heißt, dass zehn Mitarbeiter auch schon mal eine Woche damit beschäftigt sind.

Die durchschnittliche Dauer einer großen Inspektion liege bei etwa sechs Monaten, berichtete Papsin.

Wenn die Maschine dann im Einsatzgebiet angelangt ist, steht sie für 200 Flugstunden bereit, dann muss sie wieder gegen eine andere ausgetauscht werden.

Dass die Maschinen aber nicht nur aus einem Sandkasten, sondern aus einem Krisengebiet kommen, zeigt sich an den Einschusslöchern, die auch schon mal an Außenteilen zu finden sind.

Weitere Felder des Systemzentrum 21 sind Werkstoffprüfung, das Wiegen und Nivellieren und die Instandsetzung von Rettungsgerät. Beispiel: jeder Tornado-Pilot der Luftwaffe erhält seinen eigenen Helm – gefertigt wird er in Diepholz.

Zum Systemzentrum 21 gehören derzeit gut 500 Beschäftigte, von denen 232 in Diepholz arbeiten, der Rest am Standort Rheine.

„Currywurst geht immer“ sagten die Soldaten – in diesem Sinne verabschiedeten sich die „Diepholzer Gespräche“ mit einer solchen im Mannschaftsheim in die Sommerpause. - sr

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