Selbstversuch in Diepholz

Fitness-Test der Bundeswehr: machbar oder unmöglich?

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Nina (li.) und ich bestreiten den Basis-Fitness-Test der Bundeswehr.

Drei Disziplinen gilt es beim Basis-Fitness-Test (BFT) der Bundeswehr zu bestreiten - er ist Teil des Einstellungsverfahrens. Ohne gezielte Vorbereitungen habe ich mich diesen in einem Selbstversuch gestellt. Wie schwer es für mich war? Lest selbst. 

Diepholz - An einem sommerlichen Montag im Juli treffe ich Nina. Sie ist Soldatin auf dem Fliegerhorst Diepholz. Es sind ungefähr 23 Grad. In der Sporthalle auf dem Kasernengelände ist es deutlich wärmer. Die Hitze der vergangenen Tage hat sich dort angestaut. Schon beim Betreten bilden sich Schweißperlen auf meiner Stirn. Hier wollen wir nun zwei der drei Disziplinen des BFT bestreiten. Die dritte tragen wir draußen aus. 

Nina ist bei einer Körpergröße von 1,60 Meter 50 Kilo schwer. In ihrer Freizeit verbringt sie viel Zeit im Fitnessstudio: mindestens drei Tage die Woche. Wenn es zeitlich passt, schiebt sie auch noch eine Einheit im Dienst. „Grundsätzlich gehe ich aber einmal die Woche im Dienst zum Sport, sodass ich auf vier Tage Sport in der Woche komme“, erzählt Nina. 

Ich bin 1,75 Meter groß, wiege 75 Kilo. Sportlich betrachtet, bin ich eine ambitionierte Hobby-Läuferin und treibe mich zweimal wöchentlich im Fitnessstudio rum. Aber reicht das?

Der Basis-Fitness-Test als Eingangscheck

Der BFT ist ein Test zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit von Soldaten - status-, alters- und geschlechtsunabhängig. Er ist Teil des Einstellungsverfahrens und das Bestehen eine der Voraussetzungen, um Soldat zu werden. Aber auch darüber hinaus: Soldaten müssen einmal jährlich diesen Test durchziehen. Mit Erfolg natürlich. Und dazu haben sie viele Chancen. „Theoretisch kann man den Test an 365 Tagen im Jahr machen“, sagt Hauptmann Carsten Beelage. Er ist seit den 90er-Jahren Fachsportleiter auf dem Fliegerhorst. Heute begleitet und betreut er uns beim Test. Presseoffizier Andreas Lüllmann unterstützt ihn dabei.

Bevor wir mit der ersten Disziplin starten, wärmen Nina und ich uns auf. „Soll ich einfach ein paar Übungen vormachen und du machst mit?“, fragt sie. Ich stimme zu. Locker joggen wir ein paar Runden in der Halle. Wir nehmen die Arme dazu: erst den linken, dann den rechten kreisen lassen. Um den Kreislauf noch etwas mehr in Schwung zu bringen, tippen wir abwechselnd mit der linken und der rechten Hand während des Laufens auf den Boden. Kurze Sprints kommen während der letzten Runden dazu. „Immer auf den langen, geraden Strecken“, meint Nina. Viermal. Während ich schon fast ein bisschen kaputt bin, wirkt Nina keineswegs so. Jetzt geht es erst richtig los.

Drei Disziplinen bilden den Basis-Fitness-Test

Beim BFT gilt es, drei Disziplinen in einer festgelegten Reihenfolge zu bewältigen. Wir beginnen mit dem Pendellauf. Die Aufgabe ist, startend aus der Bauchlage so schnell wie möglich eine in zehn Metern entfernt aufgestellte Pylone zu umlaufen. Zurück am Startpunkt angelangt, legt man sich wieder auf den Bauch, klatscht die Hände hinter dem Rücken zusammen, springt wieder auf und sprintet in die nächste Runde. Fünfeinhalb Runden sollen in maximal 60 Sekunden gelaufen werden. „Das ist zu schaffen“, meint Beelage. „Auch wenn man nicht Vollgas gibt.“ Das ist sowieso keine gute Idee. „Viele sind dann nach dem fünften oder sechsten Sprint schon K.O. und stolpern über die Matte.“ Aha, Verletzungsgefahr.

Die Startposition beim Pendellauf: in Bauchlage auf der Gymnastikmatte.

Als erstes: der Pendellauf

In der Sporthalle sind zwei Laufstrecken aufgebaut, sodass Nina und ich gleichzeitig laufen können. Eine blaue Gymnastikmatte liegt vor mir auf dem Boden. Das ist der Start. Dort beginnen wir liegend auf dem Bauch, die Arme sind seitlich vom Körper. Mit meiner Nasenspitze rutsche ich bis an die vorderste Kante der Matte. Jeder Millimeter zählt. Nina liegt auf der Matte neben mir. Beelage erklärt das Startsignal: „Ihr startet bei ,Fertig – los.‘“ Hm, fehlt davor nicht ein „Auf die Plätze“? Nein, zwei Wörter müssen reichen. Also: „Fertig, los!“, ruft er. 

Wie ein aufgeschrecktes Huhn starte ich. Die ersten zwei Runden laufen ganz gut, zu Anfang sind wir sogar noch gleich auf. Dann überrundet Nina mich. Das Ganze auf und ab ist doch anstrengender als gedacht. Ein paar Mal habe ich sogar vergessen, die Hände hinter meinem Rücken zusammen zu klatschen. Ich war so sehr auf den Sprint fokussiert. Und darauf, keine Fehler zu machen. 

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Zum Ende hin ist das Aufstehen von der Matte eine Qual. Ich fühle mich wie ein nasser Sack Kartoffeln. Bei Youtube sah es definitiv leichter aus. Noch eine Runde. Nina wartet bereits im Ziel. Unterm Strich haben wir beide die erste Aufgabe gemeistert. Nina hat 44 Sekunden gebraucht, ich deutlich mehr: 56 Sekunden insgesamt. Mein Retter in der Not: stilles Wasser. Kurze Pause, bevor es weiter geht. „Man bekommt üblicherweise so viel Pausenzeit, dass man runterkommt, aber eben nicht auskühlt“, erklärt Beelage.

Zweite Disziplin: Klimmhang

Die zweite Herausforderung ist der Klimmhang. Die Aufgabe: so lange wie möglich in der Endposition eines Klimmzugs ausharren. Das Ziel: Mindestens fünf Sekunden halten. Als Hilfsmittel gibt es Kreide für die Hände. Das unterstützt den Griff. Aber am meisten werden hierbei die Muskeln im Rücken, anstatt in den Armen beansprucht.

Diese Übung machen wir nacheinander. Nina fängt an. Sie steigt auf einen kleinen Turnkasten und positioniert ihre Hände etwa schulterbreit an der Reckstange. Die geschlossenen Handflächen zeigen zum Körper. Das ist der sogenannte Kammgriff. Tief durchatmen. Sie lässt die Füße vom Kasten ab. Wie ein Brett hängt sie an der Stange. Fünf Sekunden sind verstrichen. Keine Spur von Anstrengung. Die ganze Zeit atmet sie ruhig. 20, 30, 40 Sekunden vergehen. Sie holt tief Luft, der Blick ist weiter konzentriert. 50 Sekunden… Ihre Arme fangen an zu zittern. So langsam scheinen ihre Kräfte doch am Ende zu sein. Nach 62 Sekunden lässt sie los. Und ist aus der Puste. Zu meiner Beruhigung ist das ihr erstes Anzeichen von Erschöpfung. 

Ruhe bewahren beim Klimmhang. 

Jetzt bin ich dran. Das sah gar nicht so schwer aus! Lüllmann reicht mir die Schale mit dem Kreidestück. Ich reibe meine Hände damit ein wie mit einem Stück Seife. Nun tue ich es Nina gleich: steige auf den Kasten und umfasse die Reckstange. „So...?“, frage ich verunsichert in die Runde. Die Hände sollten etwas weiter auseinander. Schulterbreit. Nach kurzem Nachjustieren stoße ich mich vom Kasten ab. Anstatt wie ein Brett zu verharren, schwingt mein Körper hin und her. Wie das Pendel in Omas Wohnzimmeruhr. Nur nicht von links nach rechts, sondern vor und zurück. „Fünf Sekunden“, misst Beelage. Ein bisschen kann ich noch. Dann merke ich aber wie mein Körper ganz von allein sinkt. Langsam, aber sicher. Nach neun Sekunden ist Schluss. Da zeigt sich ein ganz klarer Unterschied zwischen Nina und mir. Naja, wenigstens bestanden!

Zu guter Letzt: der 1000-Meter-Lauf

Die dritte und letzte Disziplin ist der 1000-Meter-Lauf. Das sind zweieinhalb Runden auf der Laufbahn. Ziel: Die vorgegebene Distanz in maximal sechs Minuten und 30 Sekunden erreichen.

Wir verlagern die Trainingseinheit nach draußen auf die Laufbahn. Das Wetter ist ganz gut. Etwas Sonne, ein paar Wolken. Eigentlich optimal. Vor dem Lauf hatte ich am wenigsten Bedenken. Das sollte zu schaffen sein. Nina hingegen meint, dass sie im Laufen am schlechtesten ist. 

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Wir positionieren uns an der 200-Meter-Markierung. „Bereit?“, fragt Beelage. Verschwitzt und geschafft nicke ich. Nina auch. „Fertig, los!“ Wir starten aus dem Stand. Die erste halbe Runde sind wir noch ungefähr gleich auf. Die zweite Streckenhälfte birgt allerdings eine Tücke: starker Gegenwind. Da zieht sie mich ab. Aber die erste Runde ist geschafft. 

Eine Gehpause ist für mich unumgänglich. Und der Abstand zu Nina wird immer größer. Nach fünf Minuten und 46 Sekunden komme ich erschöpft im Ziel an. Aber auch Nina wirkt so, als würde sie die Strecke ungern ein zweites Mal zurücklegen. Sie hat vier Minuten und 54 Sekunden gebraucht.

Zitterpartie: Haben wir es geschafft? 

Nun gibt es eine kurze Verschnaufpause, bevor Beelage die Endergebnisse verkündet. Er zieht sich zum Berechnen zurück. Für Nina und mich gibt es den sogenannten Geschlechtszuschlag. Dieser wurde wegen der biologischen Leistungsdifferenz zwischen Männern und Frauen eingeführt. Den Alterszuschlag bekommen wir beide nicht. Der gilt erst ab dem 36. Lebensjahr, da ab dem Zeitpunkt der biologische Alterungsprozess für Leistungseinbußen sorgt. 

Bestanden!

„Beim Einstellungstest kommt es immer auf das Gesamtbild an,“ erklärt Beelage. Weil ein 50-Kilo-Rekrut den BFT besteht, heiße es nicht unbedingt, dass er auch ohne Probleme einen verwundeten Kameraden aus einem Gefecht ziehen könnte. Ein Bodybuilder hingegen würde eher beim BFT versagen, könne aber zumeist ohne Probleme einen Verletzten retten. „Das merkt der gar nicht.“ 

Am Ende aller Tage zeigt sich: Nina und ich haben beide bestanden. Allerdings mit einem krassen Notenunterschied. Ninas Gesamtnote beträgt 1,53, wohingegen meine 3,88 beträgt. Mindestens muss die Gesamtnote 4,49 erreicht werden. Sie ist stolz auf ihre Leistung und lässt sich das Ergebnis für das Jahr 2019 offiziell anrechnen. Ich freue mich einfach nur über mein Bestehen. Es ist also durchaus möglich, auch ohne gezielte Vorbereitung den Test zu bestehen. 

Basis-Fitness-Test der Bundeswehr

Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
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Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers
Drei Disziplin gilt es beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr zu bestreiten: beginnend mit dem Pendellauf, über den Klimmhang bis hin zum 1000-Meter-Lauf. © Jantje Ehlers

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