Bundeswehr hilft

Neue Corona-Welle lässt Aufgabenflut über Gesundheitsamt einbrechen

Landkreis  Diepholz – Es ist eine Sisyphos-Aufgabe, die rund 40 Mitarbeiter des Landkreises Tag für Tag erfüllen müssen: Die Kontakte nach einer Corona-Infektion nachverfolgen, um die Infektionskette schnell und wirksam zu unterbrechen – in einer Zeit, in der Corona sich so schnell wie nie zuvor zu verbreiten scheint. Bis zu 170 Neuinfektionen an nur einem Tag:

„So viele haben wir noch nie gehabt!“, so Kreisrätin Ulrike Tammen. Aus anderen Landkreis-Fachdiensten müssen Mitarbeiter in das Gesundheitsamt abgeordnet werden, um mehr Kontaktnachverfolgungen abarbeiten zu können. Schon seit November gehören zehn Kräfte der Bundeswehr zum Team – acht arbeiten in der Kontaktnachverfolgung, so berichtet Ulrike Tammen, und zwei sind am Bürgertelefon im Einsatz.

Gesundheitsamt kann Covid-19-Infizierte und Kontaktpersonen nur zeitversetzt informieren

Doch es reicht nicht. Bei Weitem nicht: Nur zeitversetzt kann das Gesundheitsamt mit positiv getesteten Bürgen und ihren Kontaktpersonen Verbindung aufnehmen. „Auch der Versand der Quarantänebescheide ist aufgrund der großen Anzahl derzeit nur zeitverzögert möglich“, erläutert die Kreisrätin. Damit die Mitarbeiter im Gesundheitsamt so effektiv wie möglich arbeiten können, sollten Betroffene dort nicht anrufen: „ Das Gesundheitsamt wird sich bei den betroffenen Personen melden“, betont Ulrike Tammen.

Ulrike Tammen

Eigenverantwortung ist das Gebot der Stunde: Direkt nach einem positiven Testergebnis vom Hausarzt oder aus einem Testzentrum sollen sich Betroffene sofort in Quarantäne begeben – und ihre Kontaktpersonen informieren, damit auch sie sofort in die Isolation gehen. Außerdem sollen Infizierte eine Liste mit allen Kontaktpersonen anfertigen – und sie nach Aufforderung des Gesundheitsamtes per E-Mail (gesundheitsamt@diepholz.de) ins Kreishaus schicken. Diese und weitere wichtige Hinweise hatte das Gesundheitsamt bereits öffentlich gemacht (wir berichteten kurz).

Einhaltung der Quarantäneregeln wird stichprobenartig überprüft

Doch wer kontrolliert in der Pandemie grundsätzlich, ob Infizierte und relevante Kontaktpersonen die Quarantäne auch einhalten? „Wir machen Stichproben“, antwortet die Kreisrätin. Mitarbeiter des Landkreises oder der Polizei würden selbstverständlich auch konkreten Hinweisen nachgehen – zum Beispiel von Nachbarn. Bei einem ersten Verstoß würden die Betroffenen belehrt. Erfolge keine Verhaltensänderung, würden Strafen verhängt. Das gilt grundsätzlich bei allen Verstößen gegen geltende Corona-Vorschriften. Davon hat es seit Beginn der Pandemie im Landkreis Diepholz rund 3 000 gegeben, so war von Ulrike Tammen zu erfahren. Aber längst nicht alle Betroffenen sehen ihr Fehlverhalten ein: Rund 50 wehrten sich dagegen. Aber: „Verfahren hierzu vor Gericht sind bisher nicht anhängig“, so die Kreisrätin.

Aktuell ist die Verkürzung der Quarantäne oder das Freitesten daraus bundesweit in der Diskussion. Denn die hohen Infektionszahlen lassen enorme Personalausfälle befürchten. Für Mitarbeiter sogenannter Betriebe mit hoher Bedeutung für die Infrastruktur (Kritis) wie zum Beispiel Kliniken gibt es bereits Möglichkeiten einer modifizierten Quarantäne. Über die konkreten Maßnahmen hat das Gesundheitsamt diese Betriebe und Einrichtungen bereits per Anschreiben informiert – aber genauso auf die enorme Bedeutung der Hygienekonzepte hingewiesen. ANKE SEIDEL

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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