Bürgerbeteiligung zum geplanten Krematorium / Vor allem Kritiker melden sich zu Wort

„Ihre Angst ist nicht berechtigt“

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Auf dem Grundstück in der Bildmitte soll das Krematorium gebaut werden.

Diepholz - Der Bebauungsplan „Dieselstraße Nordost“ stand am Montagabend im Mittelpunkt einer Bürgerbeteiligung im Diepholzer Rathaus. Dieselstraße Nordost – dahinter verbirgt sich die Bezeichnung des Geländes, auf dem heimische Investoren, wie mehrfach berichtet, ein Krematorium bauen wollen.

Die frühzeitige Bürgerbeteiligung sollte nun allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich über die Planungen zu informieren und sich dazu zu äußern.

Unüberhörbar waren die meisten der 25 Zuhörer Gegner der Pläne, zumindest diejenigen, die sich zu Wort meldeten. Manchem fiel es anfangs nur sehr schwer, der Planerin das Wort zu gönnen. „Krematoriumstourismus brauchen wir nicht“ rief Ralf Unruh, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion, bei der sich 770 Bürger gegen das Projekt ausgesprochen hatten.

Dr. Ulrike Schneider vom Planungsbüro P3 aus Oldenburg stellte das Vorhaben vor. Neu waren die Ergebnisse der frühzeitigen Behördenbeteiligung, die im August stattgefunden hatte: 46 sogenannte „Träger öffentlicher Belange“ waren im Zuge der Planungen angeschrieben worden, 16 hätten keine Antwort gegeben, 21 ohne Hinweis, von neun seien Hinweise gekommen, die in der Planung nun berücksichtigt werden.

Der Landkreis Diepholz habe keinerlei Bedenken gegen die Pläne geäußert, unterstrich Schneider. Er spielt als Genehmigungsbehörde eine wesentliche Rolle. Auch was den Hochwasserschutz betrifft – das Gelände liegt direkt an der Hunte – habe man vom Landkreis „nichts mit auf den Weg bekommen“.

Die Planer rechnen mit maximal bis zu 50 Fahrten am Tag, sollte das Krematorium in Betrieb gehen. „Das ist eine Größe, die gerade im Gewerbegebiet zu vernachlässigen ist“, so Schneider.

Aber es ist nicht der Verkehr, der die Mehrheit der Kritiker umtreibt, sondern die Frage der Geruchs- und Emissionsbelastung, das machte die Versammlung deutlich. „Wie kann man so eine Anlage im Westen der Stadt bauen, wo wir doch meistens Westwind haben?“ Das wollten gleich mehrere Bürger wissen. Mehrfach wurde der Friedhof als besserer Standort für ein Krematorium vorgeschlagen.

Die jetzige Fläche habe sich bei einer vorherigen Prüfung als die beste herausgestellt, antwortete Bauamtsleiter Dr. Akbar Nassery. Ein Krematoriumsbau am Friedhof sei zudem nicht möglich, weil die Stadt die Flächen für eine mögliche Friedhofserweiterung in Reserve halten müsse.

Als Gewerbebetrieb unterliege das Krematorium dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, fügte Schneider hinzu, „und da ist genau definiert, was er darf und was nicht. Die Feinstaubbelastung ist geringer, als bei Ihrer Pellet-Heizung.“ „Störfälle sind da nicht berücksichtigt“, so der umgehende Einwand aus der Runde.

„Alle haben Angst, eine zweite Tierfrischmehlfabrik in Diepholz zu bekommen“, formulierte es ein anderer Zuhörer und erntete Kopfnicken in der Versammlung. Die Planerin lehnte diesen Vergleich ab, sagte aber auch: „Ich verstehe ihre Angst, berechtigt ist sie nicht.“

Eine Bürgerin, die ganz in der Nähe wohnt, befürchtete eine Wertminderung ihrer Immobilie. Ein anderer mutmaßte, dass die Entscheidung über den Krematoriumsbau schon längst gefallen sei, immerhin habe sich die CDU/FDP-Mehrheit für das Projekt ausgesprochen.

Als nächster Verfahrensschritt steht jetzt wieder die Beratung im Fachausschuss an, erklärte Nassery. Im Mai/Juni 2016 könnte der Ratsbeschluss erfolgen.

Dass das dann nicht der letzte Schauplatz gewesen sein könnte, wurde am Montagabend ebenfalls deutlich aus der Nachfrage eines Zuhörers: „Ab wann ist es soweit, dass man vor Gericht gehen kann?“

sr

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