Wissenschaftliche Untersuchungen im Moor

Bohlenweg aus der Steinzeit in Diepholz freigelegt

Etwa 4 600 Jahre alt ist der Bohlenweg, von dem in der Nähe des Ossenbecker Moorwegs ein Stück freigelegt ist und wissenschaftlich untersucht wird. Dr. Marion Heumüller (rechts), Moorarchäologin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, und Dr. Jan Piet Brozio (2. von rechts) von der Uni Kiel, erläuterten die Arbeiten.
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Etwa 4 600 Jahre alt ist der Bohlenweg, von dem in der Nähe des Ossenbecker Moorwegs ein Stück freigelegt ist und wissenschaftlich untersucht wird. Dr. Marion Heumüller (rechts), Moorarchäologin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, und Dr. Jan Piet Brozio (2. von rechts) von der Uni Kiel, erläuterten die Arbeiten.

Diepholz – Vor 4 600 Jahren in der Jungsteinzeit verlegten Menschen einen Weg aus Holzstämmen, um auf ihm durch das Moor zwischen den heutigen Städten Diepholz und Lohne zu gelangen. Das Holz – Birken und Erlen – schlugen und bearbeiteten sie mit Steinäxten. Der so entstandene Bohlenweg unterscheidet sich von dem Weg nahe der Lindloge bei Aschen, der um 45 vor Christus verlegt wurde, also etwa 2 500 Jahre jünger ist.

Ein Teil der älteren, steinzeitlichen Moor-Überquerung ist derzeit freigelegt. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Universität Kiel wird das Stück untersucht, das südlich der Verlängerung des Ossenbecker Moorweges im Boden liegt.

Ein Meter unter der Grasnarbe

Dr. Marion Heumüller, Moorarchäologin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, und Dr. Jan Piet Brozio, Wissenschaftler am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel, berichteten am Montag über ihre Arbeit. Unter den dazu eingeladenen Zuhörern war auch Hans-Joachim Zobirei. Ihm gehört die Weide, auf der der Bohlenweg „Pr7“ verläuft. Bereits 1984 hatten hier Grabungen stattgefunden. Das Stück der Wiese, auf dem jetzt gegraben wird, ließ der Moorarchäologe Hayo Hayen damals auf Wunsch Zobireis unberührt: „Wir brauchten damals noch einen Weg, um Heu abzutransportieren.“ Jetzt schwangen Studenten der Uni Kiel an dieser Stelle Spaten und Schaufel und legten ein Bohlenweg-Teilstück einen Meter unter der Grasnarbe frei. Vor der Abtorfung dieser Fläche vor vielen Jahrzehnten hatte der Weg durch das gewachsene Moor unter einer mehreren Meter dicken Schicht Torf gelegen.

Durch moderne Untersuchungsmethoden erhoffen sich die Archäologen, genauere Hinweise zum Alter des Bohlenwegs und zu damaligen Umweltverhältnissen zu erhalten. In einem Sonderforschungsprogramm befassen sich die Kieler Wissenschaftler und Studenten mit gesellschaftlichen Veränderungen und Transformationsprozessen in jener Zeit.

1600mal mit „Pikstock“ in den Boden gestochen

Sie versuchten, den weiteren Verlauf des alten Bohlenweges zu erfassen und wollten ursprünglich an anderer Stelle graben. Doch vergebens bohrten sie etwa 1 600 Mal in dem Bereich mit einem „Pickstock“ in den Boden, mit dem hartes Material im weichen Torf erfasst werden kann. Doch offenbar ist der Verlauf des Weges nicht so, wie um 1895 durch Hugo Prejawa kartiert.

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Die Wissenschaftler hoffen, in den nächsten Tagen am ausgegrabenen Wegteil noch Funde zu machen – beispielsweise Reste von Wagen oder andere Gegenstände, die sich zeitlich genauer einordnen lassen.

Bohlenwege

Moore und ihre archäologische Erforschung spielen in Niedersachsen seit über 200 Jahren eine Rolle. Das Moor zwischen Diepholz und Lohne stand von Anfang an im Fokus der Moorarchäologie. Zwischen 1894 und 1896 untersuchte und vermaß der Bauinspektor Hugo Prejawa im Auftrag der preußischen Regierung alle dort auffindbaren Moorwege. Vor allem an der schmalsten, etwa zwei Kilometer breiten Stelle des Moores konzentrierten sich Überwege. Der älteste Weg, den Prejawa entdeckte und kartierte, lag damals unter mehreren Metern Moor begraben. An den Rändern hatten ihn Torfstecher beim Abbau von Brenntorf freigelegt. 1984 legte der Moorarchäologe Hajo Hayen eine größere Strecke des Moorweges frei. Unterhalb des Weges wurden damals spektakuläre Funde gemacht: Die Archäologen entdeckten zwei zerbrochene Wagenachsen, die zu den ältesten Belegen für die Nutzung von Rad und Wagen in Norddeutschland gehören. Damit zählt der Moorweg, der zu Ehren seines Entdeckers Prejawa „Pr 7“ genannt wird, zu den ältesten Fahrstraßen Norddeutschlands. Jetzt wurde ein weiteres Teilstück freigelegt.

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