Besserer Schutz vor Übergriffen

Polizei im Landkreis Diepholz trägt künftig Kamera -  Aufnahmen als Beweismittel zulässig

Achtung, Kamera: Aufnahmen mit der Bodycam kündigt die Polizei vorher an. Die neue Technik soll abschrecken und vor Übergriffen schützen. Bis zu drei Geräte pro Kommissariat gibt es zunächst.
+
Achtung, Kamera: Aufnahmen mit der Bodycam kündigt die Polizei vorher an. Die neue Technik soll abschrecken und vor Übergriffen schützen. Bis zu drei Geräte pro Kommissariat gibt es zunächst.
  • Anke Seidel
    vonAnke Seidel
    schließen

Landkreis Diepholz – Mittags am Bahnhof in Kirchweyhe: Als Polizeibeamte zwei mutmaßliche Fahrraddiebe stellen, schlägt und tritt einer von ihnen um sich. Der 16-Jährige verletzt insgesamt vier Polizeibeamte. Sie tragen Prellungen und Hautabschürfungen davon. In der Nacht desselben Tages greift ein randalierender Mann in Mellinghausen zwei Polizeibeamte an. Auch sie erleiden Verletzungen. Vorfälle wie diese beweisen: Beamte brauchen mehr Schutz – und genau den sollen ab sofort Bodycams ermöglichen.

Die kleinen Kameras dokumentieren das Geschehen unmittelbar. Thomas Gissing, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz, erläutert: „Die circa zigarettenschachtelgroßen Bodycams werden von den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten im Schulterbereich an der Uniform getragen und sollen vor allem potenzielle Gewalttäter abschrecken.“ Die kleinen Körperkameras waren seit Ende 2016 in einem Pilotprojekt der Polizei im Land Niedersachsen und der Polizeidirektion Oldenburg getestet worden, erläutert Thomas Gissing.

„Der Einsatz von Bodycams soll zum Schutz vor aggressivem und respektlosem Verhalten beitragen. Die präventive Wirkung kann zudem zu einer Deeskalation in Einsätzen beitragen“, formuliert es Polizeioberrätin Christina Kappenberg, Leiterin Einsatz der Polizeiinspektion Diepholz.

150 Polizeikräfte im Landkreis Diepholz im Einsatz- und Streifendienst

Aktuell sind im Landkreis rund 150 Polizeikräfte im Einsatz- und Streifendienst sowie in den Polizeistationen, so war zu erfahren. Die Schulungen zur Handhabung der Kameras und zu den rechtlichen Rahmenbedingungen laufen.

Grundlage ist das niedersächsische Polizei- und Ordnungsgesetz. Es ermöglicht es den Polizisten, mit der Bodycam Bild- und Tonaufnahmen im öffentlichen Raum anzufertigen – „unter bestimmten Bedingungen bei der Durchführung von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr oder von Maßnahmen zur Verfolgung von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten“, lautet der rechtliche Rahmen. Ein Einsatz der Bodycams im privaten Bereich, zum Beispiel in Wohnungen, ist nicht erlaubt.

Polizeikommissariate im Kreis Diepholz erhalten bis zu drei Bodycams

Bis zu drei solcher Kameras, so der Polizeipressesprecher auf Anfrage, erhält jedes Polizeikommissariat im Landkreis. Je nach Verfügbarkeit und Einsatzlage sollen die Polizisten die Bodycams tragen – zum vorbeugenden Schutz, aber auch aus einem anderen Grund: „Neben dieser präventiven Wirkung können die Kameraaufzeichnungen auch als objektives Beweismittel dienen“, berichtet Thomas Gissing.

Der Einsatz der neuen Technik ist transparent: Die Kamera ist sichtbar, die Beamten tragen den Schriftzug „Videoaufzeichnung“ auf ihren Uniformen. „Darüber hinaus wird die Aufzeichnung angekündigt“, so Thomas Gissing. „Die Bodycams befinden sich bis zu einer Aktivierung in einer solchen Einsatzsituation im Stand-by-Modus. Die Aufzeichnungen werden nach 28 Tagen gelöscht, sofern sie nicht als Beweismittel dienen.“

Bodycam-Technik soll Arbeit der Polizei transparent machen

Transparent macht die neue Technik aber auch die Arbeit der Polizei: „Durch den Einsatz der Körperkameras wird als zusätzlicher Effekt nicht nur eine bessere Nachvollziehbarkeit von Einsätzen gewährleistet, sondern auch eine Transparenz in Bezug auf polizeiliche Maßnahmen.“

Bleibt die Frage: Wie oft werden Polizeibeamte im Einsatz angegriffen? „Die Zahl der Straftaten zum Nachteil von Polizistinnen und Polizisten ist in den vergangenen drei Jahren zwar auf einem gleichbleibenden Niveau “, so der Polizeipressesprecher, „gleichwohl wurden jedoch mehr Beamtinnen und Beamte verletzt“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Georgias Filmorten auf der Spur

Georgias Filmorten auf der Spur

Straßburg abseits der Selfie-Spots

Straßburg abseits der Selfie-Spots

Proteste gegen Sicherheitsgesetz für Hongkong

Proteste gegen Sicherheitsgesetz für Hongkong

Autotest: Was den Mazda MX-30 so besonders macht

Autotest: Was den Mazda MX-30 so besonders macht

Meistgelesene Artikel

Brücken-Neubau beendet: A1-Engpass bei Stuhr nach Jahren voller Staus und vielen Unfällen aufgehoben

Brücken-Neubau beendet: A1-Engpass bei Stuhr nach Jahren voller Staus und vielen Unfällen aufgehoben

Hacker-Angriff im Landkreis Diepholz: Möglicherweise hunderte Unternehmen betroffen

Hacker-Angriff im Landkreis Diepholz: Möglicherweise hunderte Unternehmen betroffen

Was lange währt: Stephan Korte mit Abstand als Bürgermeister vereidigt

Was lange währt: Stephan Korte mit Abstand als Bürgermeister vereidigt

Geschichtsunterricht im Chat

Geschichtsunterricht im Chat

Kommentare