Diepholzer Kulturpreis für den Syker Maler Lutz Edgar Felsmann

Blaues Wunder in der Kunst

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Gratulieren dem Kulturpreisträger Lutz Edgar Felsmann (rechts) zur Auszeichnung: (v.l.) Laudator Wolfgang Griese und Landrat Cord Bockhop während des Festaktes im Syker Vorwerk, dem Ausstellungszentrum für zeitgenössische Kunst.

Syke - Von Anke Seidel. Kunstinteressierte brauchen manchmal Stehvermögen – so wie gestern bei der 22. Kulturpreisverleihung des Landkreises Diepholz. Die Sitzplätze im Syker Vorwerk reichten bei weitem nicht aus, als Laudator Dr. Dr. Wolfgang Griese das Schaffen und das Werk des Syker Malers Lutz Edgar Felsmann würdigte. Landrat Cord Bockhop überreichte dem Künstler den mit 5000 Euro dotierten Preis.

Kommunalvertreter, Kunstinteressierte und ehemalige Kunstpreisträger erlebten dabei gleichermaßen ihr blaues Wunder. Denn diese Farbe hat für den Künstler eine ganz besondere Bedeutung. Selbstredend trug der Laudator Wolfgang Griese gestern eine blaue Fliege – und selbst Landrat Cord Bockhop hatte eine blaugestreifte Krawatte gewählt.

Die Werke des Malers, die noch bis zum 26. Januar im Vorwerk zu sehen sind, spiegeln die Farbe Blau in scheinbar unendlichen Facetten.

„Unabhängig davon, dass Blau in der Malerei die Basisfarbe für die Farbperspektive ist und die Illusion von räumlicher Tiefe vermittelt, hat sie bis heute einen kulturgeprägten Symbolgehalt und einen unübersehbaren psychophysiologischen Charakter“, erklärte Griese – und stellte gleichermaßen fest: „Wähend Picassos ,Blaue Periode‘ unter dem Eindruck eines persönlichen Schicksalsschlages stand und die Farbe Blau zur Verdichtung einer traurigen, melancholischen Atmosphäre nutzte, steht für Lutz Edgar Felsmann das Blau eher für Sammlung und Vertiefung. Blau gilt als Farbe der Ferne, des Himmels und des Wassers; sie steht für Ruhe und Beständigkeit. Blau leitet uns zum eigenen Zentrum – zum eigenen Ich. Je tiefer der Blauton, desto mehr ruft er den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und Übersinnlichem.“

Doch auch mit flächigen, dynamischen Farbkonstellationen in Schwarz, Rot oder Weiß gestaltet der Maler seine Werke, die er selbst der informellen Kunstausrichtung zuordnet. Manchmal wählt er auch andere Schattierungen – wie das Rosa in seinem Triptychon „crusade“ – Ausdruck für den Kreuzzug. Dieses Werk war es, das Laudator Griese gestern mit ebenso erheiternden wie erhellenden Erkenntnissen interpretierte, das – als nur einen Aspekt – das ewige Drama der menschlichen Existenz in ihrem Zwiespalt zwischen menschlicher Demut und menschlichem Selbstbewusstsein spiegele. Gleichsam in der Erkenntnis, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben an sich habe. Den Schaffensprozess Feldmanns charakterisierte der Laudator als einen Entwicklungsprozesss vom Gegenständlichen zum Abstrakten und letztlich zum Informellen, der alles andere als ein Selbstläufer gewesen sei: „Es war vielmehr ein Tasten und Suchen nach dem richtigen Weg – ein Ringen nach einer der Künstlerpersönlichkeit angemessenen Ausdrucksform.“

Felsmann selbst zeigte sich von den tiefgreifenden Interpretationen des Laudators beeindruckt: „Meine Bilder sind viel mehr als ich!“ Gleichzeitig beschwor Feldmann den Himmel über Syke oder Diepholz, der Antrieb für seine Arbeit sei – und riet: „Fahren Sie nach Wagenfeld. Dort erleben Sie ihr Blaues Wunder.“

Dort, so erklärte Landrat Cord Bockhop, habe Felsmann die Charity-Ausstellung „Art for Kids“ im Dienstleistungszentrum initiiert. Bockhop überreichte dem Syker Maler den Kulturpreis als Würdigung seines Gesamtwerkes – nicht ohne das „großzügige Sponsoring“ der Kreissparkassen Syke und Grafschaft Diep holz zu vergessen.

Musikalisch umrahmten mit Muriel Fiedlschuster und Marisa van Lessen zwei Schülerinnen der Kreismusikschule den Festakt. Die jungen Geigerinnen beeindruckten mit Darbietungen aus „44 Duos für zwei Violinen“ von Béla Bartók (1881-1945).

Zur Person des Preisträgers

Der 1952 in Münster geborene Lutz Edgar Felsmann studierte an der Fachhochschule Münster Visuelle Kommunikation, Objektdesign und Malerei. Er arbeitete fünf Jahre in der Elektronik-Branche, bevor er als freiberuflicher Designer wirkte. Seit 1993 lebt er in Syke und hat in namhaften Galerien bereits seine Werke präsentiert. Schwerpunkte seines Schaffens sind die informelle Malerei, Objektboxen und Wing-Objekte. Zur Kulturpreisverleihung ist ein Katalog mit Werken des Künstlers erschienen.

 

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