Am 8. März in der Kreisstadt

Interview mit Bestseller-Autor Marc Elsberg: Blackout in Diepholz

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Bestseller-Autor Marc Elsberg kommt für einen Vortrag nach Diepholz.

Diepholz - Plötzlich geht das Licht aus, Der Strom ist weg. Was viele Ältere, die auf dem Land wohnen, nur müde lächeln lässt, kann sich auch zur Gefahr entwickeln. Was passiert etwa, wenn der Strom zwei Wochen ausfällt - in ganz Europa?

2012 veröffentlichte der Österreicher Marc Elsberg seinen Roman „Blackout - Morgen ist es zu spät“, der in mehreren Ländern ein Erfolg wurde. Darin lässt eine Sicherheitslücke in den neuen intelligenten Stromzählern und eine manipulierte Software bei den Energieerzeugern das Stromnetz zusammenbrechen.

Am 8. März kommt der Bestseller-Autor auf Einladung der Seitz-Stiftung nach Diepholz. Die Fragen stellte Luka Spahr.

Herr Elsberg, sieben Jahre ist es her, dass Sie Ihren Roman veröffentlicht haben. Seither hatten wir weder havarierte Atomkraftwerke in Europa noch einen länderübergreifenden Stromausfall. Ist das von Ihnen entworfene Szenario überhaupt realistisch?

Absolut. Das Szenario ist ein klassischer Fall: Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist vielleicht nicht sehr hoch - letztlich weiß das niemand –, aber die Folgen wären verheerend. Deshalb muss man sich damit mindestens ebenso beschäftigen wie mit Risiken, die vielleicht häufiger eintreten, aber von denen man sich leichter erholt, weil sie keine so gravierenden Auswirkungen haben.

Hat sich in den Jahren seit des Verfassens von „Blackout“ denn etwas geändert? Ist die Energieversorgung sicherer geworden?

Einiges hat sich geändert. Die Energieversorgung war vorher schon sehr sicher. Deutschland hat eines der sichersten Systeme weltweit. Seine Strukturen haben sich in den vergangenen Jahren aber zunehmend verändert. Stichworte sind etwa Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung oder Erneuerbare Energien. Dadurch wurden alte Risiken zum Teil beseitigt, aber es sind auch neue entstanden.

Welche wären das?

Die Systeme sind noch komplexer geworden. Das kann sie einerseits stabiler machen. Andererseits entstehen dadurch noch mehr Vernetzungen, die oft niemandem mehr bewusst oder bekannt sind. Über diese können sich verhängnisvolle Fehler oder Angriffe ausbreiten. Und während der Umstieg auf erneuerbare Energien zwar sinnvoll ist, hat das problematische Management der Energiewende die Situation nicht entspannt.

Wie sind Sie damals überhaupt auf das Thema gekommen?

Ich wollte eine Geschichte über das Funktionieren einer hypervernetzten Welt schreiben, in der alles von allem abhängt. Meine Erzählstrategie war, zu dramatisieren, was passiert, wenn ebendiese Vernetzungen zerreißen. Ich überlegte den Zusammenbruch verschiedener Infrastrukturen als Auslöser zu nehmen - Finanzsysteme, Logistiksysteme oder Kommunikationssysteme beziehungsweise das Internet. Aber am Ende funktionierte es über das Energiesystem am einfachsten, schnellsten und wirkungsvollsten.

Und wie haben Sie zu dem Thema recherchiert?

Ich habe sehr viel darüber gelesen und mit Experten aus verschiedenen Bereichen gesprochen.

„Blackout“ wurde von Millionen von Menschen gelesen und als Wissensbuch des Jahres ausgezeichnet. Werden Sie in Politik und Wirtschaft mittlerweile auch als Experte und Berater angefragt, was die Sicherheit der Versorgungsnetze betrifft?

„Blackout“ hat da und dort wohl ein gewisses Bewusstsein geschaffen. Vor allem in dieser Rolle - als jemand, der das Big Picture kennt, der zuerst einmal Bewusstsein dafür schafft, dass es hier eine Herausforderung gibt und der das auch in spannenden Geschichten und Beispielen erzählen kann - werde ich häufig zu Vorträgen und Diskussionen eingeladen. Das ging schon bis zur EU in Brüssel.

Die Handlung im Roman spielt sich überwiegend in Großstädten ab. Sind dort die Auswirkungen des Stromausfalls größer als auf dem Land?

In den ersten Stunden und Tagen vielleicht. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Schnell werden alle ähnlich betroffen sein - aber je nach Vorbereitung schlechter oder besser damit umgehen können.

Mit Vorbereitung sprechen Sie ein wichtiges Thema an. „Prepper“ nennen sich Personen, die sich ganzjährig auf Katastrophenfälle, wie sie in Ihrem Buch geschildert werden, vorbereiten. Was halten Sie von dieser Bewegung?

Kann man machen. Ich persönlich orientiere mich an den behördlichen Empfehlungen. Große gesellschaftliche Krisensituationen sind nur von der Gesellschaft gemeinsam zu bewältigen. Wenn das Prepping daraus besteht, in einer Krisensituation für alle da zu sein, in Ordnung. Wenn es aber bedeutet, im Krisenfall allein oder in kleinen Gruppen zu überleben und andere ihrem Schicksal zu überlassen, halte ich das für keine besonders sinnvolle Strategie.

Wie würde sich das von Ihnen entworfene Szenario denn in Kleinstädten wie etwa Diepholz zeigen?

Im Buch gibt es durchaus auch Szenen in kleineren Gemeinden. Die Folgen wären, wie gesagt, bald überall dieselben: keine Kommunikation, kein Bargeld, keine Lebensmittelversorgung, meist keine Wasserversorgung, kaum Gesundheitsversorgung. Anfangs würde man sich noch gegenseitig helfen, aber wenn die Vorräte irgendwann zu Ende gehen, beginnt auch in der Kleinstadt ein zum Teil sicher unschöner Kampf ums Überleben.

Vortrag in Diepholz

Marc Elsberg hält am Freitag, 8. März, um 19.30 Uhr seinen Vortrag „Blackout - Hochspannung durch Stromausfall!“ in der Ostertags-Residenz-Festhalle in Diepholz. Die Veranstaltung ist Bestandteil des 13. Wissensforums der Seitz-Stiftung. Eintrittskarten gibt es in allen Geschäftsstellen der Mediengruppe Kreiszeitung und auf www.nordwest-ticket.de.

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