„Bitte mach, dass ich bei Mama und Papa wohne“

Amtsgericht Diepholz: Familienrichter Diethelm Zinser geht nach 37 Jahren in Ruhestand

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Diethelm Zinser, seit 1981 Richter am Amtsgericht Diepholz, geht in den Ruhestand. Insbesondere als Familienrichter hat er viel erlebt – auch Anrührendes. 

Diepholz „Bitte, Herr Zinser, mach, dass ich bei Mama und Papa wohne. Tausend Küsschen von …“. Zwei Herzchen waren dazu gemalt. „Diesen Brief eines kleinen Mädchens habe ich immer noch“, sagt Diethelm Zinser. Die Kleine hatte das Blatt Papier seinerzeit unter der Tür hindurch in den Raum geschoben, in dem er mit den Eltern über das Sorgerecht verhandelte. Als Familienrichter am Amtsgericht Diepholz hat Diethelm Zinser auch so etwas Anrührendes erlebt. Jetzt – nach 37 Jahren Tätigkeit am Gericht im Diepholzer Schloss – geht er in den Ruhestand.

70 Prozent seiner Aufgaben als Richter am Amtsgericht in fast all den Jahren waren Familienangelegenheiten: Scheidungen, Sorgerechtsentscheidungen, Unterhalts-Urteile. Seit 1999 war er der alleinige Familienrichter, zudem fällte er Urteile in Zivilsachen und als diensthabender Haftrichter.

Familienrichter war er sehr gern: „Für diesen größten Teilbereich meiner Tätigkeit konnte ich mich mehr und mehr begeistern. Gerade Entscheidungen, die Kinder betreffen, beschäftigen innerlich vielfach mehr als solche, die ,nur’ um Geld gehen.“

Streitigkeiten über den Aufenthalt von Kindern bei dem einen oder dem anderen Elternteil seien verhältnismäßig selten. Die Entscheidungsgrundlagen lassen sich im Regelfall aus dem familiären Umfeld und insbesondere der Anhörung der Kinder, so sie denn mindestens drei Jahre alt sind, gewinnen, erklärt der erfahrene Richter.

Am 21. Juli 1980 hatte Diethelm Zinser seinen Dienst beim Landgericht Verden angetreten. Er ist geboren in Berlin, lebte bis zur Einschulung in Oker (heute Goslar) und danach bis zum Abitur in Bückeburg.

Seit dem 2. Januar 1981 war er Richter am Amtsgericht Diepholz. Unterbrochen wurde diese Zeit durch eine Abordnung zur Staatsanwaltschaft Verden 1982/83, zum Oberlandesgericht Celle 1989 und für mehr als 15 Monate nach Staßfurt in Sachsen-Anhalt. Am dortigen Amtsgericht leistete Diethelm Zinser 1991/1992 nach der Wende Aufbauhilfe.

„Zum Dienstantritt im September 1991 war am Amtsgericht Staßfurt von ursprünglich vier Richtern nur eine junge Richterin übrig geblieben. Die anderen drei Richter waren ausgeschieden oder nicht übernommen worden“, erzählt der heute 65-Jährige: „Es entstanden durch die Unterbesetzung, die auch die Staatsanwaltschaft betraf, fast rechtsfreie Räume. Eine neunköpfige Bande Jugendlicher mit drei Haupttätern beging fortlaufend insgesamt etwa 70 bis 80 Einbrüche, bis die drei Anführer in Haft genommen wurden. Bei uns wären Sanktionen schon viel früher erfolgt. Einer der Täter meinte bei seiner Vorführung, er sei erst 15 Jahre alt und dürfe nicht verhaftet werden. Meine Antwort lautete: ,Du wirst gleich sehen, was ich darf.’“

Gern ging Zinser nach dieser Zeit wieder zurück nach Diepholz, wo er mit seiner Frau noch heute wohnt. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Söhne.

Klar, dass er in Diepholz bleiben möchte

Schon 1982 war für Diethelm Zinser klar gewesen, dass er in Diepholz bleiben möchte: „Eine besondere Kollegialität und Leistungsbereitschaft prägten das Diepholzer Gericht – und dies ist unverändert so.“

Zinser war durchgehend als Zivilrichter tätig. Ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre kamen Familiensachen hinzu. „Ein kleines Amtsgericht stellt sich grundsätzlich als reizvoll dar, weil man verschiedene Sachgebiete bearbeiten muss“, sagt Zinser.

Als Familienrichter komme es gerade im Gespräch mit Kindern immer wieder zu Situationen, in denen man berührt sei, aber auch eindeutige Klarheit gewinne. Das wiederum helfe bei der Suche nach Lösungen abseits gerichtlicher Entscheidungen, wobei in vielen Fällen Eltern in aller Deutlichkeit die Verantwortung, die sie für Kinder haben, klar gemacht werden müsse, so Zinser.

„An das Amtsgericht Diepholz gegangen zu sein, habe ich nie bereut“, ist die berufliche Bilanz des Amtsrichters, der in der nächsten Woche offiziell verabschiedet wird. Dazu habe in besonderer Weise die Belegschaft des Gerichts beigetragen.

„Auch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden war stets gut“, lobt Zinser insbesondere die Mitwirkung des Jugendamtes in Verfahren, die Kinder betrafen. Auch die Arbeit der Anwälte des Bezirks seit sachbezogen, fachlich fundiert und von gegenseitigem Vertrauen gekennzeichnet gewesen.

„Ich war mit Leib und Seele Amtsrichter. Diesen Beruf am Amtsgericht Diepholz ergriffen zu haben, stellte einen der größten Glücksgriffe meines Lebens dar“, blickt Diethelm Zinser zufrieden zurück und erinnert sich noch an einen außergewöhnlichen Weihnachtsgruß von Eltern: „Sie bedankten sich für die von mir als Haftrichter angeordnete vorübergehende Inhaftierung ihres Sohnes einige Wochen vorher. Diese sei für ihren gerade volljährigen Sohn ein einschneidendes und nachhaltig wirkendes Erlebnis gewesen.

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