Bilder mit Musik gezeichnet

Junge Künstler überzeugen im Diepholzer Theater

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Die jungen Künstler brachten ihre Brillanz und Virtuosität auf die Diepholzer Theaterbühne, das „qunst-quintett“ und Pianistin Ah Ruem Ahn. 

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Es müssen nicht immer Bilder sein, die Szenerien zeigen. Musik und Sprache gehören zu den gleichen Ausdrucksmitteln und erlauben oft viel mehr Spielräume. Am frühen Sonntagabend, der neu eingeführten Konzerttermin-Zeit im Theater der Stadt Diepholz, füllte sich der Saal mit immerhin über 110 Zuhörern, die das diesjährige Konzert der „Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler“ (BAKJK) hören wollten. Inklusive einiger junger Hörer.

Die wären wohl zahlenmäßig noch mehr gewesen, hätte im Programm gestanden: „Mit dabei: Lalo Schifrin, Komponist des Soundtracks der TV-Serie ,Mission Impossible‘“. Was Schifrin in den 1960er Jahren komponierte, kam als Titelmelodie der Kinofilme mit Tom Cruise in die Kinos. Denn die Frage „Wie bekommen wir mehr junge Menschen in Konzerte beziehungsweise überhaupt ins Theater?“ stellt sich überall, nicht nur in Diepholz. Und Konzerte, die allein Soundtracks spielen, zählen häufig viele junge Menschen.

Vom Komponisten Schifrin spielte das „qunst-quintett“ nicht die Blockbuster-Melodie, aber eine wunderbare Reise ins New Orleans dieser Tage „La Nouvelle Orléans“. Die jungen Musiker der BAKJK sind sehr findig im Übertragen der Instrumentenparts: Das Fagott von Johannes Hund übernimmt die Kontrabassfunktion, das Horn mit Raphael Manno die der Trompete. Die Oboe (Julia Obergfell) denkt, sie sei ein Saxophon. Und schon passt die Instrumentierung für New Orleans. Das Quintett begeistert mit Musiken, die szenisch geschäftiges Südstaaten-Treiben, einen Dixieland-Trauerzug, den Wahnsinnskarneval der Stadt und die Abgründe der Jazz-Corner spiegeln.

„Musikalische Prosa“

Und die spitzen Ohren bleiben aufgerichtet: Wenn Francis Poulencs instrumentalen Crashs und Collagen die Seine-Metropole voller Liebe und Facettenreichtum in seinem Sextett FP 100 malen. Der Franzose Poulenc hatte sich zum Ziel gesetzt, „musikalische Prosa“ zu schreiben. „Poulenc schrieb Musik des Alltags“, erläutert Klarinettist Martin Fuchs im Konzert. Also auf nach Paris, in die Kulisse der modernen Großstadt! Die Seele der Musik findet der Komponist auf der Straße, im Park und im Rotlicht-Viertel. Das Werk hat keine formellen Satztitel, aber die braucht es auch nicht – die Tempo- und Stimmungswechsel malen das bessere Bild.

Diepholz hört moderne Bläsermusik, fernab von Vorurteilen. Hup- und Vogelgezwitscher (letzteres an Querflöte, Alexander Koval), Verkehrsunfalldramatik und der Glamour und Schiller der Varieté-Fassaden und die Melancholie der Hinterhöfe komponiert Poulenc grandios.

Und die jungen Künstler lassen sich eins zu eins ein, zeigen ihre ganze Brillanz und Virtuosität an ihren Instrumenten und vor allem im Zusammenspiel oder im Weiterreichen und Wiederholen der Themen. Poulenc schrieb eine Hymne auf Paris.

Beethoven übersieht die Bläser nicht

Wohin aber führte der Reiseführer mit Beethovens seltenem Quintett Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott? Auf jeden Fall zu einem Ludwig van Beethoven, der zwar dem Klavier viel Raum einräumt, aber die Bläser nicht übersieht. „Das war auch nicht möglich, denn zu der Zeit versammelten sich die besten Bläser Europas in Wien“, erläutert Fuchs. Satz eins „Grave“ zeigt einen zarten Beethoven, Satz zwei füllt das Klavier (Ah Ruem Ahn) mit Melodiebogen aus, den die Bläser einzeln „weitererzählen“.

Den Namen Hans Huber sollte mancher sich für die nächste Konzertauswahl merken, wenn Einflüsse von Robert und Clara Schumann und Johannes Brahms kombiniert mit Alpenklängen gewünscht sind. „In der Erstausgabe seines Sextetts für Klavier und Bläser benannte Huber die Sätze beschreibend mit „Hallen“, „Brunnen“, „Rückblick“ und „Feste“, so Moderator Fuchs. Gut gewählt, wie sich nach dem Zuhören herausstellte: Das Klavier perlt und spart kein Wasser, die Oboe erzählt sehr romantisch Schumannesk, die Feste feiern alle Instrumente ausgelassen zusammen in Schweizer-Berge-Manier.

Für jede Art von Zuhörer geschmacklich und geographisch etwas dabei, die Kombination, dass Bläser auf Tasten trafen, reizvoll. Lea Overbecke war nicht das erste Mal für die wichtige und dezente Aufgabe des Klaviernoten-Blätterns engagiert.

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