Bewegende Aufgabe

Astrid Schlegel ist seit 20 Jahren im Kreistag und ein Jahrzehnt Fraktionsvorsitzende

Astrid Schlegel.
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Astrid Schlegel ist seit fast einem halben Jahrhundert in der SPD.

Für Astrid Schlegel (SPD) ist die Kreistagspolitik eine treue Begleiterin. Seit 20 Jahren gestaltet die Weyherin die Lebenswelt Landkreis Diepholz als Abgeordnete mit, seit zehn Jahren als Fraktionsvorsitzende. Und hat in beiden Funktionen viel bewegt. Wie groß die Spannbreite dabei ist und wo die Grenzen des Möglichen sind, dazu nimmt sie im Interview Stellung. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Frau Schlegel, allein in Ihrer Zeit als Fraktionsvorsitzende haben Sie an der Verwendung von schätzungsweise 3,8 Milliarden Euro mitgewirkt – wenn man von einem Haushaltsvolumen von rund 380 Millionen Euro pro Jahr ausgeht. Was schätzen Sie: Wie viel ist es in Ihrer Zeit als Kreistagsabgeordnete gewesen?

Als Kreistagsabgeordnete kämen ja noch einmal zehn Jahre dazu. Aber man kann die Summe nicht verdoppeln, zu Anfang war der Umfang des Kreishaushalts noch nicht so hoch. Grundsätzlich sind darin ja auch viele durchlaufende Posten enthalten – zum Beispiel Geld für Sozialleistungen, die von Land oder Bund kommen und über den Kreishaushalt weiter gegeben werden. Das Interessante sind für mich die Investitionen in diesem Zeitraum. Das ist das, was aus den Einnahmen der Kreisumlage hier im Landkreis geblieben ist. (Anm. d. Red.: Es sind laut Kämmerer Rolf Klasing im Schnitt zwischen 20 und 30 Millionen pro Jahr).

Was schätzen Sie an der Kommunalpolitik, an diesem Ehrenamt mit hoher Verantwortung, ganz besonders?

Die Vielfältigkeit! Wir haben ein ganz breites Spektrum von Aufgaben. In all diese Bereiche muss man sich einarbeiten – und das macht Spaß! In meiner ersten Sitzung zum Beispiel gab es einmal den Tagesordnungspunkt Haushalt. In einem anderen ging es dann um die vorübergehende Aufhebung der Schonzeit für Ringeltauben. Das ist nur ein Beispiel, es zeigt aber das breite Spektrum der Arbeit. Man ist genauso gefordert, sich einzuarbeiten in die Renaturierung der Moore, in den Straßenbau, in den Bau einer Zentralklinik... Allein der gesamte soziale Bereich hat ein unheimliches breites Spektrum.

Meinungsvielfalt ist ein hohes Gut – innerhalb einer Fraktion kann sie eine Herausforderung sein. Was braucht man als Vorsitzende für die Führungsaufgabe?

Mir ist sehr wichtig, dass jede und jeder Abgeordnete seine Sichtweise einbringt. Gemeinsam wird diskutiert, und gemeinsam wird ein Stimmungsbild erarbeitet. Ganz wichtig ist ein respektvoller und unvoreingenommener Umgang mit der Meinung des Anderen.

Welche Entscheidung ist Ihnen und Ihrer Fraktion im vergangenen Jahrzehnt besonders schwer gefallen?

Das war mit Sicherheit die Schließung der Geburtshilfe. Und da gab es auch einige Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Erhalt der damaligen Kreiskrankenhäuser sowie ihrem Wechsel zu den Alexianern.

Und welche hat Sie mit Freude erfüllt?

Die Rekommunalisierung der Krankenhäuser. Aber genauso das Pflegekompetenzzentrum in Syke. Das ist eine tolle Sache, dass wir das hinbekommen haben! Wenn man weiter zurückdenkt, dann ist es auch das Projekt „Kümmern statt Kummer“, das damals Menschen auf vielfältige Weise unterstützt hat. Das war eine tolle Geschichte, weil einige Grundideen bis heute überdauert haben. Dieses Projekt hat sogar bundesweite Beachtung gefunden.

Welche Entscheidungen hätten Sie gerne getroffen – und mussten aus finanziellen Gründen verzichten?

Das sind die Verbesserungen für den ÖPNV. Wir arbeiten ja schon sehr lange an einem Sozialticket. Aber auch der Radwegebau ist sehr wichtig, weil es da noch so viele offene Wünsche gibt.

Mal abgesehen vom Geld: Was würden Sie für den Landkreis noch gern erreichen?

Das Wichtigste ist mir die gesundheitliche Versorgung – mit Hausärzten, Rettungsdienst und der Zentralklinik. Notwendig ist aber auch das Schaffen von gleichwertigen Lebensbedingungen mit Angeboten für ältere Menschen. Ganz wichtig ist außerdem die Ausstattung der Schulen. Auf jeden Fall möchte ich für den ÖPNV erreichen, dass das Sozial- und das Schülerticket bald realisiert werden kann. Natürlich ist auch die flächendeckende Breitbandversorgung von großer Bedeutung. Das ist einfach notwendig. Für den Kreistag würde ich mich freuen, wenn wir in der nächsten Wahlperiode fünfzig Prozent weibliche Abgeordnete hätten.

Zur Person

Astrid Schlegel ist 67 Jahre alt und seit 49 Jahren Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei Deutschland. In den Kreistag wurde sie 2001 gewählt, seit 2011 ist sie Fraktionsvorsitzende der SPD. In ihrer Heimatgemeinde Weyhe hat die Sozialdemokratin seit 15 Jahren den Ratsvorsitz, außerdem ist sie Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Leeste. Astrid Schlegel wirkt im SPD-Bezirks- sowie im SPD-Landesvorstand mit und gehört zum Präsidium der SPD in Niedersachsen. 

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