Angeklagter muss Therapie beginnen

Besitz und Weitergabe von Kinderpornographie: Bewährung für die „Pädo-Maus“

Verden - Bewährung für die „Pädo-Maus“ gab es gestern in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden. Unter diesem Nutzernamen agierte im Internet ein 37 Jahre alter Angeklagter aus Diepholz, der sich unter anderem des Besitzes kinderpornorgrafischer Bilder strafbar gemacht hat.

Im Sinne des Opferschutzes wurde dem einschlägig vorbestraften Mann auferlegt, eine stationäre Therapie zu machen. Sonst droht ein Bewährungswiderruf.

Verurteilt wurde der arbeitslose Mann wegen insgesamt acht Taten. Dabei ging es nicht nur um den Besitz und die Weitergabe kinderpornografischer Schriften, so die juristische Bezeichnung, sondern auch um das „öffentliche Zugänglichmachen“ solcher Bilder. Denn als Profilbild hatte er für jeden sichtbar im Internet bei dem Messenger-Dienst „ICQ“ ein pornografisches Foto eines etwa drei Jahre alten Mädchens verwendet.

Funde bei Hausdurchsuchungen

Gefunden hatte die Polizei bei zwei Hausdurchsuchungen im April 2016 und Januar 2017 ein paar Hundert Bilder und Videos. In dem erstinstanzlichen Urteil des Amtsgerichts Diepholz heißt es, dass auf einigen Bildern auch der sexuelle Missbrauch von Kindern zu sehen sei. Die erste Hausdurchsuchung und das damit einhergehende Verfahren hatten den arbeitslosen Mann nicht von weiteren Taten abgehalten, was genauso wie seine einschlägigen Vorstrafen bei der Strafhöhe negativ ins Gewicht fiel. Positiv wurde sein umfassendes Geständnis gewertet.

Das Amtsgericht Diepholz hatte im November 2017 eine zehnmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung verhängt. Dort hatte der Angeklagte schon erklärt, dass er das Problem erst nach der zweiten Durchsuchung erkannt habe. Seine Neigung habe er sich dann erst eingestanden und wolle dies aufarbeiten.

„Lippenbekenntnisse“ reichen nicht aus

Auf diese „Lippenbekenntnisse“ wollte das Amtsgericht keine Bewährung stützen. Viel mehr konnte der Mann in Verden auch nicht vorweisen, dennoch wurde die Strafe nach einer Erhöhung auf 15 Monate zur Bewährung ausgesetzt. Verbunden mit der Auflage, „binnen vier Monaten eine stationäre Therapie zur Behandlung seiner pädophilen Neigungen zu beginnen“. 

„Die Therapie dürfen Sie nicht eigenmächtig beenden“, betonte der Vorsitzende Richter. Außerdem muss der Angeklagte mit Attesten regelmäßig das Gericht auch darüber hinaus informieren. Festgelegt wurde eine vierjährige Bewährungszeit. Alles zum Schutz der Opfer solcher Taten.

Einer der acht Fälle war das Profilbild. Zwei Durchsuchungen, bei denen die Bilder gefunden worden waren, zählen als zwei Fälle. Bei den weiteren fünf Fällen hatte er anderen Nutzern im Internet Bilder mit kinderpornografischen Inhalt geschickt. In vier Fällen war der Empfänger ein Mann, gegen den ebenfalls ein Strafverfahren eingeleitet worden ist. In dem letzten Fall tappte die „Pädo-Maus“ der Polizei in die Falle. Denn der Empfänger war kein Pädophiler, sondern ein Ermittlungsaccount der Polizei in Waldshut-Tiengen (Baden-Württemberg).

Rubriklistenbild: © dpa/Uwe Zucchi

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