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Futterkrise im Schweinestall: Bei einem Aschener Landwirt bleiben die Boxen jetzt leer

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Von: Eberhard Jansen

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Der Stall mit Platz für 270 Tiere bleibt leer: Nach großen Verlusten mästet der Aschener Landwirt Ludwig Lamping derzeit keine Schweine mehr.
Der Stall mit Platz für 270 Tiere bleibt leer: Nach großen Verlusten mästet der Aschener Landwirt Ludwig Lamping derzeit keine Schweine mehr. © Jansen

Die Futterpreise für Schweine steigen und sind kaum noch kalkulierbar. In Aschen hat Landwirt Ludwig Lamping deshalb jetzt die Notbremse gezogen. Sein Schweinestall bleibt leer.

Diepholz – „Ich kann mir kein Schwein mehr leisten“, sagt Ludwig Lamping. 10 000 Euro habe er im vergangenen Jahr mit seinem Mastbetrieb Verlust gemacht. Nachdem die letzten schlachtreifen Tiere verkauft worden sind, bleibt der Stall auf seinem Hof in Aschen leer. Normalerweise würden hier schon wieder 270 Jungtiere sein. Doch Lamping befürchtet, für sie in den nächsten Monaten als Folge des Krieges in der Ukraine und der Corona-Pandemie kein Futter mehr zu bekommen – oder nur zu Preisen, die für ihn ruinös sein würden.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, stellt Ludwig Lamping nicht ohne Emotion fest. Im Gespräch mit unserer Zeitung auf Vermittlung des Landvolks Grafschaft Diepholz erzählt er von seiner Situation, die kein Einzelfall ist. So wie Lamping ergeht es einigen Schweinehaltern in der Region und bundesweit. Der 59-Jährige ist Landwirt mit Leib und Seele. Vor 27 Jahren hat der Aschener die Betriebsführung des Hofes von seinem Vater übernommen. Schweine sind ein Teil davon.

Ludwig Lamping baut auch Getreide an. Daraus Schweinefutter für den Eigenbedarf des Betriebes zu erzeugen, wäre nicht wirtschaftlich, denn es müsste mit weiteren zugekauften Bestandteilen gemischt und gelagert werden. Was den Hof derzeit am Leben hält, ist die Kälbermast auf Lohnbasis als dritter Betriebsteil. Das „Katzenhotel“, das Ludwig Lamping zusammen mit seiner Frau vor 24 Jahren eröffnet hatte und das immer ein nettes Zubrot war, wirft wegen der Corona-Krise nur noch sehr wenig ab: Kaum jemand fuhr in Urlaub und gab seinen „Stubentiger“ vorübergehend ab. „Das ist zurzeit noch nicht mal ein 450-Euro-Job“, sagt der Aschener. Durch Lampings Photovoltaikanlage kommt aber weiterhin Geld in die Betriebskasse. Wegen der breiteren Aufstellung des Betriebes in mehrere Zweige hat Lamping keine Coronahilfen bekommen.

„Der Futterpreis hat sich verdoppelt“

Seine Schweinemast war bislang für Lamping der Betriebszweig, der dem Landwirt die notwendige Liquidität für Investitionen und zum Leben verschaffte. Die eingestallten Tiere erreichten nach 90 bis 120 Tagen ihr Schlachtgewicht. Danach kamen neue Ferkel in den Stall. Der Wechsel ist für alle Mäster ein Risiko: Wenn der Ferkelpreis bei der Einstallung hoch ist und der Preis für Schweine nach den etwa vier Monaten niedrig, gibt es kaum Gewinn oder gar einen Verlust. Das glich sich bislang aber im Laufe der Zeit meist aus, sodass nach mehreren Mastperioden ein mehr oder minder großer Gewinn da war. Größere Mastbetriebe mit mehreren Tausend Schweinen, von denen immer nach und nach ein Teil das Schlachtgewicht erreicht, können das Risiko der Preisschwankung etwas ausgleichen.

Dieses System ist nun ins Wanken geraten. Nicht nur die Entwicklung der Schweinepreise ist unvorhersehbar, jetzt kommt noch die Verteuerung des Futters dazu. „Der Preis hat sich seit einem Jahr verdoppelt“, erklärt Ludwig Lamping. Hintergrund: Ein großer Teil des Futtergetreides kommt aus der Ukraine – und dort können die Felder derzeit wegen des russischen Angriffs nicht bestellt werden. Zudem sind Häfen für den Transport gesperrt. Das vom Westen sanktionierte Russland ist ebenfalls ein großer Getreide-Exporteur. Deswegen befürchtet Lamping, dass die Futterversorgung ganz zusammenbricht.

Kilopreis bei zwei Euro, nötig sind aber 2,50 Euro

Der Aschener nennt konkrete Zahlen seiner wirtschaftlichen Situation: Für ein gemästetes Schwein bekam er vier Monate lang nur 1,20 Euro pro Kilo. Heute kratzt der Preis an der Zwei-Euro-Marke. „Wir würden aber 2,50 Euro brauchen“, blickt Lamping auf die Preise für Ferkel und Futter. Für sich selbst und seine Arbeit kalkuliert er einen Gewinn von zwölf Euro pro Schwein ein.

Hinzu komme, dass auch die Preissteigerungen, insbesondere für Energie, die Landwirte zusätzlich belasten. Lamping kritisiert, dass die nichtlandwirtschaftlichen Produkte wie Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie andere Aufwendungen für den Hof mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belastet werden. Diese Steueranteile würden den Landwirten – entgegen der verbreiteten Meinung – nicht erstattet.

Halter von Schweinen haben durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine Probleme nicht nur durch steigende Futterkosten.
Halter von Schweinen haben durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine Probleme nicht nur durch steigende Futterkosten. © Landvolk/Jürgen Langhorst

Langfristige Futtermittel-Kontrakte mit festen Preisen und Liefermengen über einen bestimmten Zeitraum bieten Händler derzeit gar nicht an. So bleibt der Stall in Aschen bis auf weiteres leer. Wenn andere Schweinemäster diesem Beispiel folgen, hat das auch Auswirkungen auf die Verbraucher.

Einige von Ludwig Lampings Berufskollegen haben noch einen Futtermittelvertrag mit festen Preisen, aber das dürfte laut dem Aschener Landwirt nur bei gut zehn Prozent seiner Berufskollegen der Fall sein. Zum Beispiel bei Stefan Scharrelmann aus Heede: „Ich hatte Glück, da ich ab dem 1. August einen zwölfmonatigen Kontrakt für Futter abgeschlossen habe, mit dem ich preislich zufrieden bin. Dabei hatte ich erst gezögert, weil die Preise aus damaliger Sicht schon relativ hoch waren und wollte den Kontrakt erst nur für sechs Monate abschließen. So muss ich zurzeit nur ein wenig Futter nachkaufen. Bislang gilt der Vertrag und ich hoffe nicht, dass einige Händler noch versuchen, da vorzeitig rauszukommen“, erklärte Scharrelmann.

Zahl der Schweinemäster im Landkreis sinkt: Rückgang um 74 innerhalb von drei Jahren

Im Jahr 2021 gab es im Landkreis Diepholz 372 Schweinemäster. Die Zahl sank seit Jahren kontinuierlich. 2018 verzeichnete die Landwirtschaftskammer im Landkreis Diepholz noch 446 Schweinemäster. Stefan Meyer vom Landvolk Diepholz betont mit Blick auf die Situation der Schweinehalter: „Handel und Politik sind aufgerufen, die schwierige Situation zur Kenntnis zu nehmen und entsprechend zu reagieren. Denn ohne wirtschaftliche Grundlage kann es keine Investitionen in Tierwohl und Umbau geben. Die Verteilung der Gewinnmargen und das Tempo der politischen Vorgaben müssen neu auf den Tisch, sonst hören immer mehr Schweinehalter in Deutschland auf und die Importe werden steigen.“

Jürgen Langhorst, der einen Schweinebetrieb im Diepholzer Bruch hat, berichtet von einem weiteren Aspekt des Problems für Schweinehalter: „Sorgen mache ich mir um die Qualität der Futtermittel. Deutschland ist abhängig von Lieferungen von Aminosäuren und anderen Futterzusatzstoffen wie auch Mineralien. Diese seien wohl schon knapp und teilweise nicht zu bekommen. Für unseren Betrieb. Wir müssen zurzeit kein Futter auf dem freien Markt zukaufen. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Landhändler ist auf jeden Fall von Vorteil. Von Berufskollegen hört man, dass jetzt keine Verträge mehr länger als vier bis sechs Wochen abgeschlossen werden und nur noch Stammkunden bedient werden. Unser Betrieb deckt den Futterbedarf zu etwa 50 Prozent aus dem eigenen Anbau, auch das gibt eine kleine Sicherheit.“

Schwierig bleibt die Situation für alle Landwirte, die auf die Schweineproduktion gesetzt haben.

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