„Wir sind Moorland“

Neuer Besuchersteg im Aschener/Heeder Moor offiziell freigegeben

Der neue Besuchersteg im Aschener/Heeder Moor.
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Der neue Besuchersteg im Aschener/Heeder Moor.

Aschen – Zu der Umsetzung eines großen Projektes gehören immer die kleinen Hilfen. So wie der Hühnerstall von Heinrich Mehrholz aus Aschen, den er für die Lagerung von Bohlen zur Verfügung stellte. Mehrholz trägt zur Eröffnung des Besuchersteges im Aschener/Heeder Moor stolz seine Naturpark-Dümmer-Kappe. Damit fühlt er sich zugehörig am Gelingen der Ausgrabung des prähistorischen Bohlenweges Pr 6 und dem flankierenden Bau des barrierefreien Moorwegs mit Aussichtsplattform.

Am späten Nachmittag trafen sich 80 geladene Gäste zur offiziellen Eröffnung der Moorloipe durch das zum Teil noch in der Abtorfung befindliche Moor. Am Ende des Weges endet der barrierefreie Steg auf der Aussichtsplattform über einer „Heile-Haut-Fläche“, die noch nie abgetorft wurde. Unter ihr befindet sich in 6,5 Metern Tiefe immer noch ein 400 Meter langes Stück des prähistorischen Bohlenweges „Pr 6“ von Aschen nach Kroge/Lohne. Mit den Informationstafeln am Steg ist das Ziel des Moorweges für Besucher definiert: Hier kann das Moor im Wandel der Zeit lebendig erlebt werden.

Heute gehört die zwölf Hektar große Fläche dem Land Niedersachsen. Von der Plattform aus erlebten die Gäste nach dem Trubel der Eröffnung am Kanalweg im Norden, im Süden die Weite und Ruhe der Grenzfläche zwischen Diepholz und Lohne und den Landkreisen Vechta und Diepholz. Der Moorweg sei damit nur der Start eines weiteren großen Projektes: Nach dem Torfabbau Endes 2025 soll die Wiedervernässung für das Gebiet eingeleitet werden. Das werden die Torfwerke veranlassen, der Landkreis Diepholz hat die Kontrollfunktion. Im großen Kontext ist das ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz. Dreimal wiederholte dazu Landrat Cord Bockhop die Vorgehensweise im Gespräch mit dem zur Eröffnung geladenen Staatssekretär Frank Doods: „Flurbereinigung, Flurbereinigung, Flurbereinigung.“

GFS-Lehrer Michel Zarth (l.) und seine Schüler erfuhren im Workshop, wie schwer es ist, Kleidung selbst herzustellen, zumal es sich dabei um eisenzeitliche Gewänder handeln sollte.

Was wäre aber ein Laufsteg ohne Mode? Das hatte sich Geschäftsführer des Naturpark Dümmer Detlef Tänzer gedacht und freute sich riesig, dass die Schüler der Naturparkschulen Graf-Friedrich-Schule Diepholz und die Stemwederberg--Schule (Wehdem) es noch geschafft hatten, ihre eisenzeitlichen Gewänder zu nähen und auf dem Steg zu präsentieren. „Wir hatten nur einen Schultag zur Fertigung Zeit“, erläuterte Erdkunde- und Geschichtslehrer Michel Zarth das Projekt mit Jahrgang 13. „Nach acht Stunden Nähen meckerte keiner und wir lernten, wie aufwendig Kleidung herstellen ist.“ Fast stahlen die Schüler Staatssekretär Doods die Schau, der sah es pragmatisch: „Hier sieht man, wie wichtig es ist, Bildung über die Moore zu fördern und Projekte zum Schutz mit Hochdruck zu verfolgen. Das Land ist in der Pflicht, weitere Flächen für den Naturschutz zu kaufen.“

Seine Art Zugehörigkeit formulierte er so: „Wir sind Moorland, es gehört zu unserer Identität.“ Sein persönlicher Dank galt dem Naturpark Dümmer mit den vielen haupt- und ehrenamtlichen Unterstützern. „Hier sieht man, wie man zusammen Erstaunliches auf den Weg bringen kann, wenn man eine Idee konsequent verfolgt.“

Zahlen zum Projekt

Gesamtsumme Förderprojekt Programm Landschaftswerte „Naturerlebnis am prähistorischen Bohlenweg im Aschener/Heeder Moor: 698 300 Euro. Davon aus EFRE-EU-Mittel: 349 150 Euro, 104 744 Euro Landesmittel, 244 406 Euro Eigenmittel. EU-weite Ausschreibung für archäologische Ausgrabung. Organisation Bau Besuchersteg mit Social Event und zahllosen Helfern aus verschiedensten Institutionen.

Und noch eine Besonderheit wartet auf die Besucher am Moorsteg: Die dreijährige Arbeit der Moorarchäologen ist auf den Infotafeln entlang des Steges in Bilder und Schnitten mit Texten anschaulich gezeigt. Bänke laden zum Verweilen ein.

Zum Ende der Grabung kam noch ein Sensationsfund: „Wir fanden neben dem Bohlenweg eine gebrochene Wagenachse und einen Lederschuh“, erklärt Moorarchäologin Dr. Marion Heumüller. Der wird wie alle weiteren Funde jetzt präpariert, archiviert und dokumentiert.

Freigabe des Besucherstegs mit (v.l.): Landrat Cord Bockhop Umwelt-Staatssekretär Frank Doods, Moorarchäologin Dr. Marion Heumüller, Landrat Herbert Winkel (Vechta) und Projektleiter Detlef Tänzer.

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