Mittellos und namenlos

Christliche Organisationen in Diepholz ermöglichen mittellosen Verstorbenen würdevolle Bestattung

Auf dem Diepholzer Friedhof können Menschen auch anonym unter einer Rasenfläche bestattet werden. Durch Spendengeld der neuen ökumenischen Aktion und Unterstützung der Stadt sollen mittellose Menschen eine würdevolle Beerdigung und ein Namensschild bekommen.
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Auf dem Diepholzer Friedhof können Menschen auch anonym unter einer Rasenfläche bestattet werden. Durch Spendengeld der neuen ökumenischen Aktion und Unterstützung der Stadt sollen mittellose Menschen eine würdevolle Beerdigung und ein Namensschild bekommen.

Diepholz – Eine „Sozialbestattung“ darf möglichst wenig kosten. Mittellose Menschen ohne Angehörige finden ihre letzte Ruhestätte daher in der Regel in einem anonymen Urnengrab. Ihr Name ist auf dem Friedhof nirgendwo zu lesen. Das soll in Diepholz nun anders werden.

Kirchen und ihre christlichen Organisationen haben sich dazu zusammengetan und die Unterstützung der Stadt gefunden. „In Würde bestatten“ heißt die Aktion von evangelischer Kirche, katholischer Kirche, Bethel im Norden, Caritas und Diakonischem Werk. Gemeinsam werben sie um Spenden und ehrenamtliche Unterstützung.

Ihr Ziel: Mittellose und ohne Hinterbliebene verstorbene Menschen werden künftig in Diepholz in einem halb-anonymen Urnenreihengrab beigesetzt, sofern nicht ausdrücklich eine anonyme Bestattung gewünscht wird.

Die Stadt Diepholz ist – wie alle Kommunen – für diese Menschen zuständig, wenn sie in ihrem Gebiet versterben. Sie beteiligt sich ab Januar zur Hälfte an den entstehenden Mehrkosten von derzeit 278,50 Euro je Bestattung gegenüber der bisherigen anonymen Form. Das haben die Kommunalpolitiker bereits einmütig beschlossen. Jetzt hoffen die Initiatoren von „In Würde bestatten“ auf Spenden, um jeweils die andere Hälfte der (Mehr-)Kosten zu tragen.

„Es gibt etwa zehn bis zwölf Sozialbestattungen in Diepholz pro Jahr“, erklärt Beate Kenneweg vom Tagestreff „Die Arche“ am Vossen Reitweg. In dieser Diepholzer Einrichtung von „Bethel im Norden“ haben wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen einen Anlaufpunkt, finden hier Beratung und Unterstützung. Etwa 600 Menschen besuchen „Die Arche“ laut Beate Kenneweg jedes Jahr. Viele kommen öfter, sodass die Zahl der Kontakte bei 8000 liegt. Und viele von ihnen haben so wenig Geld, dass es gerade so zum Leben reicht. Für das Sterben – beziehungsweise ihre Beerdigung – können sie nicht sparen. Und wenn es dann keine Angehörigen gibt, die gegebenenfalls für die Kosten aufkommen, ist das Sozialamt am Zug. Hier muss möglichst wenig für die Bestattung ausgegeben werden. Die billigste Variante ist Einäscherung und anonymes Urnengrab.

Mit dem neuen Flyer ihrer gemeinsamen Aktion „In Würde bestattet“ (von links): Gemeindereferentin Doris Rattay (katholische Kirche), Superintendent Marten Lensch (evangelischer Kirchenkreis) und Beate Kenneweg vom Tagestreff „Die Arche“ (Bethel im Norden) am Vossen Reitweg in Diepholz.

„Wir möchten eine würdevolle Beisetzung ermöglichen, bei der niemand allein ist“, sagt Marten Lensch, Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Grafschaft Diepholz.

Mit einem Namensschild soll ein Ort der Erinnerung an der Begräbnisstelle geschaffen werden. Die Initiativgruppe plant auch, ein- oder zweimal jährlich eine Erinnerungsfeier zu veranstalten, bei der Freunde und andere Hinterbliebene an die Verstorbenen denken und sie würdigen können.

Warum sie sich für jemanden einsetzen, der schon tot ist? „Wir denken, dass es eine Frage der Menschenwürde ist; zuallererst unserer eigenen“, sagen die Träger der Aktion: „Niemand ist ohne Namen. Zur Menschenwürde gehört es, einen Namen zu haben. An den Namen binden sich gemeinsame Erinnerungen...“

Ansprechpartner für „In Würde bestatten“ sind Superintendent Marten Lensch (Tel. 05441/3420) und für die katholische Kirche Pfarrer Ansgar Stolte, Tel. 05441/927548).

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