Generationskonflikte, Krankheiten, Selbstmord

Besorgte Bauern: Mehr als 200 Anrufe jährlich bei Sorgentelefon

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Das landwirtschaftliche Sorgentelefon hilft in allen Situationen, nicht nur wenn die Ernte schlecht ausfällt. 

Generationskonflikte, die Frage der Hofnachfolge, Krankheiten und sogar Selbstmordgedanken – all das sind Anliegen, mit denen sich besorgte Landwirte bei den ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins Agrarsoziale Gesellschaft melden.

Landkreis Diepholz - Von Bjarne Kommnick. Dieser bietet Landwirten in Niedersachsen eine Hotline zum Besprechen der eigenen Sorgen und Probleme – diese Möglichkeit haben nur wenige Berufsgruppen. Der Verein bietet neben dem Sorgentelefon auch individuelle Familienberatungen an.

Ines Fahning, Geschäftsführerin des Vereins, sieht darin eine grundlegende Notwendigkeit: „Landwirtschaftliche Familien haben im Gegensatz zu vielen anderen eine Besonderheit, denn Arbeits- und Lebensbereiche sind untrennbar miteinander verbunden. Da kommt es zu Problemen, die es in anderen Berufsgruppen nicht gibt.“

Bauern können sich anonym bei Sorgentelefon melden

Wer die Hotline wählt, spricht laut Fahning mit ehrenamtlichen Helfern, die allesamt eine Ausbildung in Gesprächsführung absolviert haben und sie ergänzt: „Nicht nur der Anruf ist anonym, auch die Helfer befinden sich während des Anrufs an einem Ort, an dem sie nicht gestört werden können.“ 

Somit sei gewährleistet, dass das Gespräch vertraulich behandelt wird und nichts nach außen gelangt. Die ehrenamtlichen Helfer nutzen dafür in erster Linie Heimvolkshochschulen, Gemeindebüros oder private Räume.

Beweggründe: Familiäres oder Persönliches

Bei den Beweggründen für einen Anruf bei dem Sorgentelefon handelt es sich oft um Familiäres oder andere persönliche Dinge. „Umso wichtiger ist es, dass unsere Ehrenamtlichen mit solchen Fällen umgehen können. Neben der Grundausbildung bilden sich nahezu alle Helfer regelmäßig weiter, um eine professionelle Beratung zu bieten“, so Fahning.

Dass die Helfer ihre Arbeit gut machen und ihre Unterstützung gefragt ist, untermauert Fahning mit Zahlen: „Pro Jahr nehmen mehr als 200 Anrufer das Angebot des Sorgentelefons wahr.“ Die Zahl sei während der trockenen existenziell bedrohlichen Jahren trotzdem nicht gestiegen.

Beratung erfolgt auch über längere Zeiträume

Die Arbeit des Vereins Agrarsoziale Gesellschaft endet jedoch oftmals nicht nach einem einzelnen Anruf auf dem Sorgentelefon. Anrufer mit familiären Angelegenheiten nehmen anschließend oft das Angebot der Familienberatung wahr und lassen sich über einen längeren Zeitraum beraten. 

Dabei wird versucht, mit einem Besuch eine konstruktive Lösung unter dem Dach der betroffenen Familie zu finden, sodass jeder der Beteiligten die Möglichkeit hat, seinen Standpunkt zu äußern und Teil einer gemeinsamen Lösung zu werden. 

„Im Durchschnitt braucht es drei bis vier Beratungen, bis wir mit den Familien eine Lösung finden, in wenigen Fällen reicht eine oder zwei Beratungen, wieder andere Fälle benötigen bis zu acht. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich“, so die Geschäftsführerin. Während das Sorgentelefon für den Anrufer komplett kostenfrei ist, fällt für die Familienberatung eine Aufwandsentschädigung für die Hilfestellung vor Ort an.

Projekt wurde 1993 ins Leben gerufen

Finanziert wird das 1993 ins Leben gerufene Projekt vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. 1995 folgte zunächst der Standort der Familienberatung in Oesede und 2001 die Landwirtschaftliche Familienberatung  Barendorf. 

2012 kam die Evangelische Landwirtschaftliche Familienberatung beim Kirchlichen Dienst auf dem Lande der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover dazu und komplettiert damit das Angebot der Problembewältigung für Niedersachsens Landwirte.

Zeiten

Montags, Mittwochs, Freitag von 8.30 bis 12 Uhr 

Dienstag und Donnerstag von 19.30 bis 22 Uhr 

Sorgentelefon: 

Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide, Telefon 04137/81 25 40; Katholische Landvolk-Hochschule Oesede, Telefon 05401/86 68 20; Evangelische Heimvolkshochschule Rastede, Telefon 04402/84 488. 

Ansprechpartner Familienberatung: 

Ludger Rolfes und Constanze Brinkmann, Telefon 05407/506261. Evangelische Landwirtschaftliche Familienberatung Hannover Ricarda Rabe Telefon 0511/12 41 800.

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