Ein Tag im Leben des Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig

Zwischen Merkel, Erdgasförderung und dem taiwanesischen Umweltminister

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Axel Knoerig (r.) im Dialog mit dem Vorsitzenden des Care-Kuratoriums Heribert Scharrenbroich.

Berlin - Von Maren Jensen. Frau Meyer möchte CarSharing in Syke einführen. Herr Peters will die Milchbauern retten und Herr Lange appelliert für das Einsetzen für Flüchtlinge. Es soll schnell etwas passieren. Zunehmend verschärft sich die Situation in Deutschland. Aber nebenbei muss der Diepholzer Bundestagsabgeordnete Herr Knoerig auch noch seine Korea Rede schreiben, Frau Merkel bei Ihrer Regierungsansprache lauschen und den Vereinen für Fracking die Lage in seinem Landkreis erklären.

Wie wird man all diesen Anfragen und Anforderungen gerecht? Wie sieht eigentlich ein „ganz normaler“ Tag im Leben eines Bundestagsabgeordneten aus? Ein Ausschnitt aus 24 Stunden im Leben von Axel Knoerig.

06:00 Uhr: Augen auf! Keine Zeit zum Umdrehen. Berlin wartet nicht. Besonders nicht, wenn Sitzungswoche im Bundestag ist. Waschen, kämmen, Showtime.

06:10 Uhr: Sitzt die Krawatte? Nehme ich die rote oder die blaue? Oder ist rot eher unpassend? Der frisch gebügelte Anzug hängt schon bereit.

06:13 Uhr: Ein Blick in die Kreiszeitung: Flächenversiegelung in Bassum, ungeklärte Krankenhausfrage in Diepholz und Sanierung der Radwege. Jeden Tag etwas Neues.

06:17 Uhr: Erster Blick in mein E-Mail Postfach. 27 neue Nachrichten. Anfragen über Hilfe in Projekten, Beschwerden über die Flüchtlingssituation, Dankesbriefe von Kollegen zur Sommertour, Fragen zur Zukunft von Großprojekten in Diepholz.

07:43 Uhr: Koffein für den Tag. Auf geht´s zum Frühstücksgespräch für die heimische Erdgasförderung mit dem Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung.

07:48 Uhr: Alle Beteiligten sind Eingetroffen, jetzt startet die Debatte. Frischer Obstsalat, Erdbeerjoghurt und Lachs lässt die Situation entspannter und familiärer wirken als sie ist. Hier wird nicht gemütlich beim Frühstück geplaudert. Hier wird eines der wichtigsten Themen beraten und Politik gemacht.

08:12 Uhr: Zahlen über Zahlen. Zahlen zur aktuellen Branchen-Entwicklung. Zahlen zu aktiven Bohrprojekten. Zahlen zur Erdgasversorgung in Deutschland. Und die Statistiken. Wer soll sich die rund 100 verschiedenen Statistiken nur so schnell merken? Aber ich habe keine Wahl.

08:32 Uhr: Seit drei Jahren immer wieder die gleichen Argumente an diesem Tisch. Die Situation scheint sich nicht zu verbessern. Fracking ist ein Großbrand. Festgefahren- genau wie einige Meinungen.

08:46 Uhr: Zeit zu gehen. In wenigen Minuten muss ich im Plenum sitzen: Für 400 Meter wird doch bei der schönen Morgenluft kein Taxi bestellt.

08:51 Uhr: Alle Ampeln wollen rot bleiben. Den Weg durch die ganzen Baustellen ist total verwirrend. Zeit für einen kurzen Genuss über den Anblick der Spree bleibt nicht. Schnell geht’s auf dem direkten Weg weiter zum Bundestagsgebäude in den Plenarsaal, in dem Sigmar Gabriel schon seine Rede in der Hand hält.

09:00 Uhr: Zweite Reihe erkämpft. Nett in die Kamera lächeln. Live Übertragung im Bundestag-TV. Der Gong ertönt. Bundestagspräsident Norbert Lammert betritt den Raum. Alle Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen. Lammert erklärt die Sitzung für eröffnet.

09:07 Uhr: Was hat die Kollegin von der SPD gerade dazwischen gerufen? Morgen kommt der stenographische Bericht. Den muss ich mir unbedingt ansehen.

09:13 Uhr: Blick auf mein Handy. Terminplan überprüfen. E-mails abrufen. 36 neue Mails. Neue Anfragen, Einladungen. Was ich noch nicht weiß ist, dass Frau Rhein gerade 12 neue Briefe aus meinem Postfach geangelt hat. Langweilig wird mir auf jeden Fall nicht.

11.00 Uhr: Erst einmal Ende der Sitzung. Besonders begeistert war ich nicht von den Reden. Apropos Rede: am Sonntag geht es nach Korea. Dort werde ich die mögliche Wiedervereinigung Koreas mit der von Deutschland vergleichen. Die Rede muss ich unbedingt noch überarbeiten.

12:00 Uhr: Mittagessen mit dem taiwanesischem Umweltminister und seinen Anhängern in einem feinen italienischen Restaurant. Zu Essen gibt es Filet von Heilbutt auf Limonen-Püree, pochierten Muskat Kürbis und Schaum von Rotwein Essig, während ich den Taiwanesen etwas über regenerative Energien erzähle.

13:00 Uhr: Schnell noch ein Selfie mit der Taipeh Vertretung.

13:32 Uhr: Ende des informativen Gesprächs. Zeit sich wieder auf die landespolitische Ebene zu begeben. Nachher geht es schließlich zur Landesvertretung Niedersachsen. Auf dem Rückweg zum Büro finde ich Zeit mit dem Bundestagsabgeordneten Carsten Müller über die aufsteigende Branche Automobil-Kulturgut zu sprechen.

14:00 Uhr: Kurze Teambesprechung in meinem Büro über Logistik, Zeitarbeit und Vorratsspeicherdaten. Nebenbei telefoniere ich mit einem Verlag- schließlich schreibe ich momentan ein Buch, was bis Weihnachten fertig gestellt werden soll.

15:00 Uhr: Kuratoriumssitzung von CARE in der Landesvertretung Niedersachsen. Die Themen sind trotzdem international. Es geht um die dramatische Situation in Afrika und um Hilfspakete. Von dem Kuchen bekomme ich keinen Bissen runter, denn die Kollegin erzählt von den grausamen Foltermethoden der Taliban.

15:04 Uhr: Beginn der Diskussion über außenpolitische Fragen und die Entwicklung.

16:00 Uhr: Fragen und Antworten zu dem Thema BMZ-Haushalt. Mir schwirren noch die Zahlen von heute Morgen im Kopf.

17: 34 Uhr: Ende der Veranstaltung. Draußen gießt es in Eimern. Der Chauffeur ist schon angerufen, aber er kommt nicht. Jetzt heißt es: TAXI!!

18:00 Uhr:  Endlich im Büro angekommen! Um in der Politik voran zu kommen bedarf es an Bewegung. Dafür eignet sich symbolisch am besten eine Schifffahrt. Mein nächster Termin ist der Sozialpolitische Austausch an Bord der „MS Brasil“. An dem Austausch nehmen führende Persönlichkeiten aus der Unionsfamilie, Vereinigungen und Sonderorganisationen der CDU sowie christlich-soziale Gewerkschafter und Multiplikatoren teil.

18:30 Uhr: Treffen an der Weidendammbrücke Ecke Friedrichstraße.

18:50 Uhr: Check in auf dem Stern und Kreisfahrtschiff. Ahoi!

19:00 Uhr: Den Verleih des Milleniumpreises muss ich leider absagen. In zwei Hälften kann ich mich nicht teilen. Trotzdem genieße ich die nette Atmosphäre auf dem Boot.

22:00 Uhr: Das Schiff legt an. Die Tour ist beendet. Ich freue mich schon auf mein Bett in Berlin.

23:00 Uhr: Der Tag neigt sich dem Ende zu. Geschlafen wird aber noch lange nicht. Schnell wird noch ein Blick über die Korea Rede geworfen, das Flugzeug startet am Sonntag.

24:00 Uhr: Ein letzter Blick auf meinen Terminkalender, wo es Morgen um sieben Uhr weitergeht. Neben dem Treffen der Arbeitnehmergruppe, der Abschlussrunde der Haushaltsgruppe und dem Bürgerfest des Bundespräsidenten steht auch das lang ersehnte Wiedersehen mit meiner Familie auf dem Plan. Was für ein Tag!

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