Facharzt warnt vor Rauchen von Shishas

Belastung wie von 100 Zigaretten

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Shisha-Rauchen wirkt harmlos – ist es jedoch nicht, sagen Experten. Es kann die Gesundheit schädigen.

Landkreis - Von Julia Kreykenbohm. Sie duften süß, haben das Aroma von Apfel, Kirsche oder auch Minze. Hinzu kommt das gemütliche Zusammensitzen mit dem sanften Blubbern im Ohr: Das Rauchen von Shishas, den Wasserpfeifen, steht bei Jugendlichen hoch im Kurs. 

Von den Schülern der Klassenstufen fünf bis zehn haben 22 Prozent schon einmal Tabak aus einer Shisha geraucht. Sechs Prozent konsumieren regelmäßig, also wenigstens einmal im Monat. In der Jahrgangsstufe zehn hat knapp die Hälfte aller Schüler (47 Prozent) Erfahrung mit Shishas. Das geht aus dem DAK-Präventionsradar 2017 hervor. Die Krankenkasse hat dazu 7 000 Schüler aus mehr als 400 Klassen befragt.

Harmlos mutet das Rauchen der Wasserpeifen an, fast wie „die bessere Alternative zum normalen Rauchen, doch das ist sie nicht“, erklärt Dr. Christian Godde, Chefarzt und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin am Alexianer-Klinikum Sulingen. „Im Gegenteil, Shishas sind eher noch schädlicher.“

Tieferes und längeres Rauchen

Im Gegensatz zur herkömmlichen Zigarette wird der Tabak in der Wasserpfeife nicht direkt verbrannt, sondern bei niedrigen Temperaturen verschwelt. Zur Erhitzung des Tabaks wird Wasserpfeifenkohle verwendet. Der feuchte, kühle Tabakrauch animiere dazu, noch tiefer zu inhalieren und auch länger zu rauchen. Manchmal stundenlang. „Die Schadstoffbelastung kommt dann der von etwa 100 Zigaretten gleich“, sagt Godde. Das Krebs-Risiko könne sich dementsprechend verdoppeln. Auch das Passiv-Rauchen sei schädlich. Godde weist außerdem auf hygienische Probleme beim gemeinsamen Nutzen der Mundstücke hin.

Hinzu komme, dass die Betreiber der Shisha-Bars darauf achten müssten, das gründlich gelüftet werde, da sonst die Gefahr einer Kohlenmonoxid-Vergiftung bestehe. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit steige das Risiko.

Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen

Bei der Verbrennung der Shisha-Wasserpfeifenkohle entstehen erhebliche Mengen des hochgiftigen Gases, das man weder riechen, sehen noch schmecken kann. Die frühen Anzeichen einer Vergiftung wie Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen werden beim Shisha-Rauchen meist auf den Tabak zurückgeführt. Krankenhäuser verzeichnen in jüngster Zeit eine erhöhte Zahl von Shisha-Rauchern, die sich wegen lebensgefährlicher Kohlenmonoxid-Vergiftungen behandeln lassen müssen, schreibt die DAK. Die Alexianer-Kliniken im Landkreis haben jedoch noch keinen Fall zu verzeichnen, teilt Pressesprecher Georg Beuke auf Anfrage mit.

Dennoch wünscht sich Facharzt Godde eine frühzeitige Aufklärung über das Shisha-Rauchen in der Öffentlichkeit, der Schule und dem Elternhaus. „Es kann ein Einstieg zum Zigarettenrauchen sein, da es abhängig von Nikotin macht. Von daher sehen wir Fachärzte diesen Trend sehr kritisch. Man sollte ihn genauso bewerten, wie das Zigarettenrauchen, vor dem ja unter anderem durch Schock-Bilder auf den Packungen gewarnt wird.“ 

Godde: Kontrollen müssten schärfer werden

Noch würden Daten zu den Langzeitschäden erhoben, aber schon jetzt könne man sagen, dass das Herz-Kreislaufsystem in Mitleidenschaft gezogen werde, das Mundkrebsrisiko steige und Zahnveränderungen die Folge sein könnten, so der Chefarzt.

Auch die Kontrollen müssten schärfer werden, findet Godde. Eine Shisha-Bar, die es im Landkreis unter anderem in Syke, Diepholz und Stuhr gibt, darf man zwar erst ab 18 Jahren betreten, doch der Markt für die Wasserpfeife sei riesig. Jugendliche kämen relativ leicht an Shishas heran.

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