Kein Tötungsvorsatz

Haftstrafe für Diepholzer: Mann macht seinem Opfer heftige Vorwürfe

Diepholz/Verden - Wegen versuchten Mordes musste sich in den vergangenen fünf Wochen ein 55 Jahre alter Angeklagter aus Diepholz vor der Schwurgerichtskammer des Verdener Landgerichts verantworten. Mittwochnachmittag wurde das Urteil verkündet. Nach der Überzeugung der Kammer hatte der Angeklagte bei der Tat keinen Tötungsvorsatz. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

In ihren Plädoyers waren sich der Staatsanwalt, der Verteidiger und der Anwalt des Opfers einig, dass der Angeklagte nicht wegen eines versuchten Tötungsdeliktes zu verurteilen sei. Es sei von einem freiwilligen und damit strafbefreienden Rücktritt vom Versuch auszugehen.

Der Angeklagte hatte eingeräumt, dass er bei der Tat am 7. April 2017 die Hände am Hals seiner Frau hatte. Es gab auch deutliche Würgemale links und rechts vom Kehlkopf und die Blutzufuhr war für einen so langen Zeitraum unterdrückt gewesen, dass der 67-Jährigen zweimal schwarz vor Augen geworden war, hieß es in der Urteilsbegründung. „Das war nicht nur ein flüchtiges Würgen“, betonte der Vorsitzender Richter Volker Stronczyk.

Später hatte der Angeklagte vor den Augen des achtjährigen Enkels seine Frau mit einem Messer bedroht, aber nicht zugestochen. Wenn ein Tötungsvorsatz bestanden hätte, hätte er das Messer einsetzen oder weiter würgen können. Somit sei nicht von einem Tötungsvorsatz auszugehen, so die Überzeugung der Kammer.

Es gab einen lange schwelenden Konflikt zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau. Trotz Trennung lebten sie noch unter einem Dach. An jenem Abend war es zum Streit gekommen als die 67-Jährige mit dem Enkel nach Hause gekommen war. Zugunsten des Angeklagten wurde von Beleidigungen durch die Frau im Streit ausgegangen.

Schläge ins Gesicht

„Der Angeklagte griff seine Frau an und schlug sie mit der Faust in Gesicht“, hieß es. So heftig, dass es zu zwei Brüchen kam. „Dann würgte er sie. Setzte sich auf seine Frau und bog das Bein um, wodurch das Schienbein gebrochen wurde.“

Schuldunfähigkeit, womit der Verteidiger seinen Antrag auf Freispruch begründet hatte, bestand nicht. Die Kammer blieb aber deutlich unter den von der Staatsanwaltschaft beantragten knapp sechs Jahren Haft. Unter anderem, weil der Angeklagte für das Strafverfahren aus seinem Heimatland Kasachstan nach Deutschland zurückgekehrt war. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl bleibt mit dem Urteil aufrechterhalten.

Das „letzte Wort“ des Angeklagten hatte rund 45 Minuten gedauert und enthielt kein Bedauern, sondern jede Menge Vorwürfe gegen seine inzwischen geschiedene Frau. Dies kommentierte der Richter Volker Stronczyk am Ende der Urteilsbegründung und betonte, dass er dies noch nie in seiner fast 30-jährigen Tätigkeit gemacht habe. „Aber ich habe es noch nie erlebt, dass ein Angeklagter eine Dreiviertelstunde einen Kübel Dreck über dem Opfer auskippt. Das war wirklich befremdlich“, so Stronczyk.  

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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