17 Prozent Steigerung in einem Jahr

Rekordumsatz auf dem Immobilienmarkt im Kreis Diepholz

Karte der Bodenrichtwerte 2021 für den Landkreis Diepholz
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Die Bodenrichtwerte für den Landkreis Diepholz zeigen im Norden sehr deutlich, welchen Einfluss die Nähe zu Bremen auf die Wohnbaupreise hat.

Rekordpreise und Rekordumsatz: Mit 802 Millionen Euro ist auf dem Immobilienmarkt im Landkreis Diepholz „der höchste Stand aller Zeiten“ erzielt worden, so Gerd Ruzyzka-Schwob als Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte Sulingen-Verden im Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN).

Landkreis  Diepholz – Um 17 Prozent ist der Umsatz allein in einem Jahr gestiegen – und innerhalb von vier Jahren um sage und schreibe 68 Prozent.

In Kirchweyhe zahlen Bauwillige am meisten

„Die Zahl der Verkäufe hat mit 3 784 den höchsten Stand seit 2016 erreicht“, erläutert der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Die höchsten Grundstückspreise müssen Bauwillige nach wie vor in Kirchweyhe zahlen – bis zu 420 Euro pro Quadratmeter. In Stuhr sind es bis zu 360 Euro. Die – neu festgesetzten – Bodenrichtwerte liegen darunter, weil auch Flächenpreise für nicht so attraktive Lagen Einfluss haben.

Im Grundsatz gilt: Je weiter die Bauflächen von Bremen entfernt liegen, umso preiswerter sind sie. Gerd Ruzyzka-Schwob spricht von einem Vedrängungswettbewerb: „Die Bauherren sind bereit, etwas weiter zu fahren, wenn das Grundstück preiswerter ist.“ Das erklärt, warum der Gutachterausschuss die Bodenrichtwerte in manchen Kommunen sogar im zweistelligen Prozentbereich angehoben hat – an der Spitze in Twistringen um 20 Prozent. Um 17 Prozent stiegen sie in Bruchhausen-Vilsen, um je 15 in Sulingen, Syke und Stuhr.

Preisbeispiele

Beispiele für Baulandpreise im Landkreis Diepholz:

Kirchweyhe, Marktplatz: 420 Euro pro Quadratmeter.

Stuhr-Brinkum, ZOB: 360 Euro pro Quadratmeter

Syke, am Mühlendamm: 330 Euro pro Quadratmeter

Syke-Barrien, nahe Straße Richtung Weyhe: 210 Euro pro Quadratmeter

Bassum-Nordwohlde, nahe Bundesstraße 51, 115 Euro pro Quadratmeter

Asendorf, direkt an B 6: 35 Euro pro Quadratmeter

Sulingen, Langenstraße: 110 Euro pro Quadratmeter

Diepholz, St.Hülfe/Grawiede: 160 Euro pro Quadratmeter; Bereich Schillerstraße: 98 Euro pro Quadratmeter

Harbergen/Staffhorst: 10 Euro pro Quadratmeter

Selbst in der Samtgemeinde Schwaförden liegt die Steigerung noch bei zehn Prozent, weil auch dort die Nachfrage gewachsen ist. „Der mittlere Preis für den Quadratmeter erschlossenes Wohnbauland beträgt im Landkreis Diepholz 92 Euro bei einer mittleren Fläche von 768 Quadratmetern“, so der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Er weiß: „Die Bauplätze sind im Mittel etwa fünf Prozent kleiner als im Vorjahr.“ Der mittlere Preis – Median – liegt im dichter besiedelten Nordkreis bei 120 Euro pro Quadratmeter.

Syke verzeichnet den größten Bauplatz-Umsatz

In diesem Lebensraum hatte die Stadt Syke im vergangenen Jahr mit 79 Verkäufen den größten Bauplatz-Umsatz, die meisten davon lagen im Ortsteil Barrien. Platz zwei belegt die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen mit 66 Bauplätzen, überwiegend in Schwarme. Zum Vergleich: Immerhin 46 Bauplätze wurden in Nordwohlde (Stadt Bassum) gehandelt.

In nur einem Jahrzehnt seien die Baulandpreise zwischen 76 und 132 Prozent gestiegen, so Gerd Ruzyzka-Schwob: „Eine Trendwende ist nicht zu erkennen, die Nachfrage nach Bauland ist unverändert hoch.“

Eine Trendwende ist nicht zu erkennen, die Nachfrage nach Bauland ist unverändert hoch.

Gerd Ruzyzka-Schwob

Einfluss auf die Steigerungen hätten jedoch auch gestiegene Erschließungskosten in den Neubaugebieten: „Im Mittel des Landkreises liegen sie bei etwa der Hälfte des Baulandpreises.“

40 Prozent teurer als Bauplätze für das Eigenheim waren übrigens die für Mehrfamilienhäuser. Solche Flächen umfassen zehn Prozent des finanziellen Baulandmarkt-Umsatzes im Landkreis Diepholz. Ein Anteil, den Gerd Ruzyzka-Schwob als „noch relativ hoch“ bezeichnet.

Grundstücksmarktbericht wird Ende Februar veröffentlicht

Details finden Interessierte im Grundstücksmarktbericht 2021, der Ende Februar kostenfrei online auf der Internetseite www.gag.niedersachsen.de erscheinen soll.

Beim LGLN können Auskünfte erfragt werden bei Yvonne Aufderheide unter 04242/166 651, oder per E-Mail an: Yvonne.aufderheide@lgln.niedersachsen.de sowie bei Gerd Ruzyzka-Schwob unter 04271/801 513 oder per E-Mail an: gag-sul@lgln.niedersachsen.de.

Kommentar von Anke Seidel - Statt Landflucht neue Landliebe

Der Wunsch nach einem Eigenheim ist ungebrochen. Weil aber die Baulandpreise nahe Bremen ins Astronomische steigen, wächst das Interesse am Umland. Die Bodenrichtwerte sind dort spürbar gestiegen. Das Land wird also attraktiver.

Noch ist diese Entwicklung ein zartes Pflänzchen. Aber kraftvoller Dünger ist die neue, von Corona befeuerte Homeoffice-Kultur. Wer langfristig ganz oder großteils zu Hause arbeitet, kann sich einen Wohnort abseits der Firmenzentrale leisten, Entfernung spielt keine oder keine große Rolle mehr. Davon können Orte auf dem Land profitieren – vorausgesetzt, sie bieten eine verlässliche Infrastruktur mit Kitas, Schulen, Ärzten und Lebensmittelmärkten. Dann haben sie eine veritable Chance, neue Bürger zu gewinnen – und die langjährige Landflucht in eine neue Landliebe zu verwandeln. 

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