Sachlicher Umgang mit Nitraten gefordert

Bahn frei für Gülle-Transporte - los geht‘s am 1. Februar

Für Vieh haltende Landwirte ist der 1. Februar ein wichtiges Datum. Ab dann dürfen sie wieder Gülle auf die Felder bringen. Doch diese Form der Düngung ist umstritten.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Im vergangenen Jahr stand die Gülle den Landwirten bildlich gesprochen bis zum Hals. Die Behälter waren schon im Januar 2018 randvoll, weil die Bauern den Wirtschaftsdünger bis zum Beginn der Sperrfrist im November 2017 kaum auf die Flächen hatten bringen können. Die extrem starken Regenfälle hatten die Böden aufgeweicht und unbefahrbar gemacht.

In diesem Jahr, so erläutert Kreislandwirt Wilken Hartje auf Anfrage dieser Zeitung, ist die Lage entspannter. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen die Zahl der Schweinehalter: „Der Schweinebestand ist gesunken“, sagt Hartje. „Es werden kaum noch neue Ställe gebaut und ältere werden aufgegeben.“ Auf der anderen Seite hätten viele Betriebe ihre Gülle-Lagerkapazitäten erhöht. Sie profitieren in diesen Tagen womöglich besonders davon.

Denn noch ist es fraglich, ob die Landwirte pünktlich zum Stichtag mit dem Ausbringen der Gülle beginnen können. Die vergleichsweise milde und extrem feuchte Witterung der vergangenen Wochen hat die Böden an vielen Stellen aufgeweicht. Dort sind sie mit den schweren landwirtschaftlichen Fahrzeugen nicht zu befahren.

Umdenken wegen Klimawandel

„Der Klimawandel trägt auch dazu bei, dass wir Umdenken müssen beim Düngen“, sagt der Kreislandwirt - und hat dabei den Stickstoff-Eintrag im Blick. Bringt ein Landwirt im Herbst die klassische organische Düngung - sprich Gülle - auf sein bestelltes Feld und fällt dann extrem viel Regen, wird der Stickstoff damit in untere Bodenschichten transportiert - und ist für die Wurzeln der Feldpflanzen nicht mehr erreichbar. Er kann also als Dünger nicht verwertet werden.

In einem biologischen Prozess entsteht aus dem Stickstoff Nitrat, das über einen langen Zeitraum - je nach geologischen Bodenverhältnissen über Jahrzehnte - am Ende ins Grundwasser sickert. Diesen Prozess kontrolliert der NLWKN, der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: Rund 40 Gütemessstellen gibt es zurzeit im Landkreis Diepholz.

Nitrat und Grundwasserschutz - genau das haben sich Vertreter der Landwirtschafts- und Beratungsorganisationen, der Wasserversorger, des Agrarhandels, des NLWKN und des LBEG (Landesbetrieb für Bergbau, Energie und Geologie) sowie des Landkreises an ihrem gleichnamigen runden Tisch zur Aufgabe gemacht. Dort bewerten Experten die aktuelle Situation und suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten.

Grundwasser-Diskussion teils kontrovers

„Über Nährstoffe, Nitrat und das Thema Grundwasserschutz wird teilweise sehr kontrovers diskutiert“, sagt Hartje in seiner Funktion als Vorsitzender dieses runden Tisches. Wichtig sei aber, „dass sich die beteiligten Akteure sachlich mit der Thematik auseinandersetzen und Lösungsansätze für mögliche Probleme gemeinsam beschließen und umsetzen“.

Fakten dazu liefert der Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Aus der aktuellen Auflage aus dem Wirtschaftsjahr 2016/2017 geht hervor, dass in Niedersachsen insgesamt 36,8 Millionen Tonnen Gülle angefallen sind. Davon waren allein 18,9 Millionen Tonnen Gärreste aus Biogas-Anlagen. 7,9 Millionen Tonnen stammten aus Schweineställen, 7 Millionen Tonnen produzierten Rinder und 2,1 Millionen Tonnen kamen aus Geflügelställen.

Der Phosphat-Eintrag aus der organischen Düngung auf die Felder im Landkreis Diepholz liegt dem Nährstoffbericht zufolge bei 8 Kilogramm pro Hektar - und damit unter dem zulässigen Kontrollwert von 10 Kilogramm pro Hektar. Auch beim Stickstoffeintrag liegt der Landkreis mit 115 Kilogramm pro Hektar unter dem Grenzwert von 170 Kilogramm pro Hektar und damit im grünen Bereich.

Anders sieht das allerdings bei der Nitratkonzentration im Sickerwasser (nicht zu verwechseln mit Grundwasser) aus: Sie liegt zwischen 100 und 150 Milligramm pro Liter - und damit deutlich über dem von der EU empfohlenen Wert von 50 Milligramm pro Liter.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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