Aufruhr an der B6

„Vollpfosten-Aktion“ an der Bundesstraße 6 – Experte kritisiert Straßenbauamt

Ein Baum am Straßenrand.
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Allein ist der Baum an der B6 per Planke geschützt.

Auf der Bundesstraße 6 werden einzelne Bäume und Verkehrsschilder mit Solo-Leitplanken ummantelt. Das allerdings sorgt bei zahlreichen Bürgern für Kopfschütteln.

  • Einzelne Bäume werden an der Bundesstrasse 6 einzelnd mit Leitplanken ummantelt.
  • Verkehrstrainer Hans-Jürgen Wachholz kritisiert die Maßnahmen zur Verkehrssicherheit.
  • Das Straßenbauamtes in Nienburg handle nach eigenenen Angaben nach Recht und Gesetz.

Landkreis Diepholz – Verkehrstrainer Hans-Jürgen Wachholz aus Bruchhausen-Vilsen versteht die Welt nicht mehr – und spricht von einer „Vollpfosten-Aktion“: Im Bereich der Bundesstraße 6 glänzen zurzeit ganz besondere Schutzaktionen. Einzelne Bäume und sogar ein Wegweiser sind mit Solo-Schutzplanken ummantelt worden. Aber nur sie, und gerade mal in einer Länge zwischen einem halben oder einem ganzen Meter. Zahlreiche Bürger schütteln den Kopf über diese Aktion, weil sie keinen Sinn und keinen Sicherheitseffekt darin entdecken können. Aber dahinter stecken rechtliche Vorgaben.

„Die Straßenbauverwaltung geht nach ihren Richtlinien vor“, weiß Wolfgang Rehling, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizeiinspektion Diepholz. Diese Richtlinien sehen vor, dass Bäume ab einem bestimmten Durchmesser und Verkehrswegweiser mit besonders starken Fundamenten geschützt werden müssen – damit Frontal-Zusammenstöße keine Menschenleben oder Verletzte kosten.

Verkehrswacht-Aktivist: Baumunfälle nur sehr vereinzelt

Das kann Hans-Jürgen Wachholz, Verkehrstrainer und seit Jahrzehnten in der Verkehrswacht engagiert, ganz und gar nicht nachvollziehen. „Wenn es in der Vergangenheit auf der Bundesstraße 6 im Landkreis Diepholz zu schweren Unfällen gekommen ist, dann durch Fehler beim Überholen, Vorbeifahren oder Begegnen und durch Vorfahrtsverletzungen.“ Häufig sei das zum Beispiel wegen Alkoholeinwirkung oder aus anderen Gründen der Fall. „Baumunfälle, vor denen die Planken bewahren sollen, gab es in den letzten drei Jahrzehnten nur sehr vereinzelt. Und dann sorgte der weiche Energieabbau auf angrenzendem Acker meist für glimpflichen Ausgang“, so formuliert es Hans-Jürgen Wachholz.

Er vermutet eher eine „Konjunkturmaßnahme für Leitplankenhersteller“ als ein Streben nach Verkehrssicherheit. „Diesen Eindruck verstärkt die Ummantelung per Doppelleitplanke für Schildermasten, die in der 70er-Zone weitab der Fahrbahn und erst hinter dem parallel verlaufenden Radweg stehen, ebenso wie das weiträumige Aussparen potenzieller Gefahrenstellen wie Grabendurchlässe“, argumentiert Wachholz.

Aufprall auf der Leitplanke sei laut Verkehrswacht-Aktivist schlimmer als am Baum

„Zudem sind die Enden der Leitplanken nicht überall in den Erdboden abgesenkt, sondern teils als massive Rammsporne ausgebildet. Ein Anprall hier hat in jedem Fall schlimmere Folgen als der an einen Baum.“ In seinem Fazit wertet der Verkehrswacht-Aktivist insbesondere die kurzen Planken neben einzelnen kleinen Bäumen als „Verschlimmbesserung und billigende Inkaufnahme von tödlichen Unfallfolgen“.

Für viele wirklich wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sei dagegen kein Geld vorhanden, sagt Wachholz: „Da rechtfertigt auch nicht höhere Verwaltungskunst, dass die wenigen verfügbaren Mittel nur zur Verunstaltung des Landschaftsbildes verbrannt werden.“

Unfallgefahr: Ein Verkehrsschild am Radweg.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung sei es, an den Bundesstraßen für mehr Sicherheit zu sorgen – das betont Uwe Schindler als Leiter des Straßenbauamtes in Nienburg, der zuständigen Straßenbaubehörde.

Straßenbaubehörde handle nach Recht und Gesetz

„Wir handeln nach Recht und Gesetz“, begründet Uwe Schindler die Solo-Leitplanken. „Das ist vielleicht sehr ungewohnt und es sieht vielleicht auch nicht gut aus. Aber es gibt fachliche Gründe, weshalb das gemacht wird.“ Diese Planken hätten eine „energieabsorbierende Konstruktion“. Will heißen: Sie neutralisieren die zerstörerischen Kräfte, die bei einem Unfall freigesetzt werden können.

Uwe Schindler bestätigt, dass ein Bürger diese Installationen bereits schriftlich kritisiert hat. „Er wird von uns eine schriftliche Antwort bekommen“, so der Behördenleiter. Und betont, dass die Planken-Schutzmaßnahmen stets in Abstimmung mit der Polizei und der zuständigen Verkehrsbehörde gesetzt würden.

„Wir als Baulastträger müssen das umsetzen“, sagt Uwe Schindler – und nennt die wichtigsten Kriterien für einen solchen Schutz: eine Böschung mit abfallendem Gelände dahinter, ein Gewässer oder Einzelhindernisse wie Bäume oder Verkehrszeichen – und eine unübersichtliche Straßenführung.

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