Flieger stürzt auf Oerdinghauser Acker

B-17 überlebt nur drei Wochen

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Der mittlere Teil der Tragfläche mit dem Fahrwerk der Boeing B-17 Flying Fortress liegt zerschmettert auf dem Acker in Oerdinghausen-Wohldheide.

Landkreis Diepholz - Von Ulf Kaack. „Bevor in der folgenden Nacht Hannover in großen Teilen zerstört wurde, fand am 8. Oktober 1943 ein Großangriff amerikanischer Bomber auf Bremen statt und richtete dort schwere Personen- und Sachschäden an“, rekapituliert Hans Schröder aus Asendorf die damaligen Ereignisse. „Es war kurz nach der Kaffeezeit, als ich sah, wie mehrere deutsche Jagdflugzeuge eine riesige viermotorige Maschine attackierten. Wenige Augenblicke später brach sie auseinander und stürzte östlich von Oerdinghausen in die Wohldheide.“

Der damals 15-Jährige war natürlich neugierig und flitzte sofort zum Absturzort, fand das riesige Trümmerfeld aber bereits durch deutsche Soldaten abgeriegelt vor. „Souvenirs oder etwas Brauchbares waren nicht mehr zu ergattern“, plaudert Schröder. „Ich sah einen älteren Offizier mit einer Ordensspange, der sich mit dem Fallschirm gerettet hatte. Ein Flieger lag tot neben einem größeren Wrackteil.“

Die B-17 Flying Fortress war am 15. Februar 1943 vom Hersteller Boeing an die US Air Force ausgeliefert worden. Erst seit drei Wochen gehörte sie der 533 Squadron der 381 Bomb Group an, die auf der Basis Ridgewell nördlich der Themse-Mündung in England stationiert war. Die B-17 mit der offiziellen Kennung VP-R hatte von ihrer Besatzung den Spitznamen „Nip an Tuck“ erhalten. Exakt um 15.45 Uhr, so dokumentieren es die offiziellen Stellen, erfüllte sich an diesem Oktobernachmittag ihr Schicksal auf dem Acker in Oerdinghausen.

Drei Männer überlebten nicht

Sieben Besatzungsmitglieder kamen mit dem Leben davon und wurden gefangen genommen. Drei Männer der Crew überlebten den Absturz nicht: die Bordschützen Edward Cyyz, Eugene Kaseman und Clayton M. Boykin, jeweils im Rang eines Sergeants. Die beiden Letztgenannten bedienten die beiden Kugeltürme an der Ober- und Unterseite des Rumpfes der „Fliegenden Festung“. Diese kugelförmigen Sperry-Browning-Maschinengewehrtürme waren durch elektrische Motoren vertikal und horizontal drehbar und jeweils mit einem Zwillings-MG ausgerüstet. Wegen der Enge in den Türmen kamen Soldaten von geringer Körpergröße als sogenannte Ball Turret Gunner zum Einsatz.

Zeuge des Dramas wurde auch Justus Heitmann aus Oerdinghausen. Er war damals neun Jahre alt und musste bei der Rübenernte helfen: „Die Maschine rauschte in flacher Flugbahn über unsere Köpfe und zerbrach noch in der Luft in mehrere Teile“, erinnert er sich. „Ich sah in einem Teil des Rumpfes einen toten Bordschützen sitzen, ein amerikanischer Flieger kam auf dem Hof meines Großvaters mit dem Fallschirm runter.“

Die größeren Wrackteile der B-17 wurden offensichtlich nicht, wie sonst üblich, sofort von der Wehrmacht geborgen. Sie waren für Justus Heitmann und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder noch lange Zeit ein aufregender Abenteuerspielplatz. „Der Krieg schreibt schon so manch kuriose Geschichte“, sagt er nachdenklich.

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