Küstenvogel immer häufiger in Diepholz anzutreffen

Austernfischer brüten gern auf Kies-Flachdächern

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Austernfischer kommen auch in Diepholz immer öfter vor. Hier ein solcher Vogel auf einer Grünfläche zwischen dem Marktplatz und der Straße Auf dem Esch.

Diepholz - Von Louisa Manholt. Durch laute, gellende und schnell aufeinanderfolgende, langgezogene Schreie macht er sich bemerkbar: Der Austernfischer (Haematopus ostralegus). Der Watvogel ist eigentlich an Küsten beheimatet, in Deutschland vor allem an der Nordsee.

Seit mehreren Jahren zieht der Vogel aber auch immer weiter ins Binnenland. Auch in Diepholz scheint er sich wohlzufühlen – auch wenn keiner so genau weiß, warum er hier ist.

Sein Erscheinungsbild ist auffällig: Der krähengroße Vogel hat einen schwarzen Kopf und auch die obere Körperhälfte ist schwarz gefiedert, der Bauch weiß. Unverwechselbar ist sein langer orangeroter Schnabel. Auch Augen und Beine haben diese Farbe. Neben seinem Äußeren fällt einem der Austernfischer vor allem durch seinen gellenden Schrei auf.

Hauptnahrung: Regenwürmer

In Diepholz wurde der Austernfischer bisher im Dreieck zwischen Realschule an der Thouarsstraße, Ceka an der Langen Straße und dem Sauna und Sportparadies an der Moorstraße gesichtet. Während der Vogel an der Nordsee sich vorzugsweise von Muscheln ernährt, greift er im Binnenland hauptsächlich auf Regenwürmer zurück. Vor allem an schlammigen Stellen im Grünland und auf Ackerflächen wird nach ihnen gesucht. Auch andere Insekten bieten eine Nahrungsquelle.

Auch wenn nicht geklärt ist, warum der Watvogel immer weiter ins Binnenland zieht, fühlt er sich hier bei uns offenbar wohl, vor allem auf Flachdächern. „Vor allem, wenn da Kies drauf ist, nistet er dann in Kiesgruben auf den Dächern“, berichtete Dieter Tornow, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter des Landkreises Diepholz. Der Lebensraum sei ideal, denn auch an der Nordsee nistet er bevorzugt auf Fels- und Kieselstrand. Ein großer Vorteil der Flachdächer ist vor allem der Schutz vor Bodenfeinden.

Sprünge vom Dach

Dennoch führt die erhöhte Lage auch zu einem großen Problem. Austernfischer sind Nestflüchter, das heißt, dass die Küken kurz nach dem Schlüpfen bereits umherlaufen. Im Gegensatz zu beispielsweise den Kiebitzen, die alleine zurechtkommen müssen, werden sie aber noch einige Zeit mit Nahrung versorgt. Dadurch, dass sie schon so früh umherlaufen, kommt es oft vor, dass die Jungtiere von den Häuserdächern springen. Und das mit Absicht.

„Sie werden von den Elterntieren gelockt. Und wenn die Jungtiere versuchen, ihnen zu folgen, springen sie todesmutig vom Dach“, erklärte Ulrike Marxmeier, Mitarbeiterin beim Naturschutzring Dümmer. Den Sprung selbst überleben die Jungtiere, da sie leicht genug seien, aber sie kämen im Anschluss nicht mehr zurück auf das Dach, da sie noch nicht fliegen könnten.

Am Dümmer kommen sie auch vor

Am Dümmer wurden zahlreiche Austernfischer festgestellt, in der Diepholzer Stadt selbst werden nur einzelne Paare vermutet, genau wurde dies allerdings noch nicht untersucht.

Der Naturschutzring bekundete sein Interesse daran, herauszufinden, wo die Austernfischer genau herkommen und vor allem, wo sie hin wollen. Denn es käme häufiger vor, dass elternlose Jungtiere sich in Gärten verirren. „Wenn man wüsste, wo sie brüten, könnten wir ihnen auch besser helfen“, sagte Marxmeier.

Informationen über Brutplätze werden daher gerne angenommen. Auch wenn hilflose Jungtiere gesichtet werden, kann man sich an den Naturschutzring wenden. Die exakte Ortsbeschreibung ist hierbei besonders wichtig. Informationen per E-Mail an naturschutzring.duemmer@t-online.de oder Telefon: 05443/1367.

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