Tag der offenen Tür

Wohnungslosen-Treff „Die Arche“ in Diepholz feiert Jubiläum

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Der Tagestreffpunkt für Wohnungslose „Die Arche“ am Vossen Reitweg in Diepholz feierte mit einen Tag der offenen Tür das Jubiläum seines Trägers von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. 

Diepholz „Hier ist der Anker. Ich will einfach hier in Diepholz bleiben, vielleicht eine neue Partnerschaft eingehen und arbeiten.“ Jörg lächelt. Er ist zuversichtlich. Gerade hat er seine Geschichte erzählt. Sie begann in Ostberlin: „Ich war praktisch schon überall.“ Fast wirkt Jörg ein wenig stolz darauf. Aber er hat auch viel Leid erfahren.

Die aktuelle Station des 58-jährigen lautet Diepholz. Hier baut er sich seit anderthalb Monaten ein neues Leben auf. Ein wichtiger Ort für ihn dabei: der Tagestreffpunkt „Die Arche“ am Vossen Reitweg.

Beobachtung der Beteiligten: Es ist mehr geworden

Dort wurde am Donnerstagnachmittag gefeiert. Mit einem Tag der offenen Tür zelebrierten Gäste und Freunde der Arche das 150-jährige Jubiläum des Trägers, den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Natürlich war auch Jörg mit dabei.

„Nimm dir erstmal ein Eis. Es ist kostenlos“, begrüßten Helga Holthaus, Beate Kenneweg und Thomas Blauth jeden Besucher. Die drei sind das Gesicht der Arche. Besucher kennen sie mit Namen. Und es sind nicht etwa der Bürgermeister oder der Landrat, die an diesem Nachmittag auf einen Plausch im Tagestreff vorbeikommen. Es sind primär die Leute, die auch sonst ihre freien Nachmittage dort verbringen. Dieses Mal sind sie zum Bratwurstessen, Eisessen und ein wenig auch zum Feiern hergekommen. Sonst kommen sie aus deutlich pragmatischeren Gründen her.

Die Arche ist seit 22 Jahren in Diepholz. Damals noch an der Lüderstraße, dann an der Doktor-Wilhelm-Kinghorst-Straße. Nun ist die Arche gefühlt einmal quer durch Diepholz gefahren und hat derzeit Halt gemacht am Vossen Reitweg. „Einige unserer täglichen Besucher haben wir bei den Umzügen schon verloren“, erinnert sich Thomas Blauth. Er ist zwar erst seit 2015 fest bei der Arche angestellt, hat aber eine Entwicklung schon ausmachen können: Es ist mehr geworden. Im vergangenen Jahr hätten weit über 600 Menschen den Tagestreff aufgesucht. Unter ihnen viele Ost-Europäer, Werksarbeiter, aber auch einige Flüchtlinge.

Anlaufpunkt mit Kleiderkammer, Dusche und Beratern

Der Tagestreff war schon immer ein Treffpunkt für Obdachlose und arbeitssuchende Menschen. Viele von ihnen kommen ursprünglich gar nicht aus Diepholz. Wie Jörg. In der Arche finden er und die anderen Besucher – viele von ihnen schauen täglich vorbei – nicht nur einen Treffpunkt zum Austausch. Es gibt hier eine Kleiderkammer und eine Dusche. Auch Kaffee gibt es und einen Herd, um sich etwa eine Suppe zuzubereiten. Allerdings gibt die Arche weder direkt Lebensmittel noch Geld an die Besucher weiter. Sie soll primär ein Anlaufpunkt, eine Arche Noah, sein. Helga Holthaus, Beate Kenneweg und Thomas Blauth stehen dabei mit Rat und Tat zur Seite. In ihren Büros geben sie auch persönliche Hilfe. Etwa beim Ausfüllen von Formularen. Oder – und das ist das zweite Standbein der Arche neben dem Tagestreff – beim Dezentralen Stationären Wohnen.

Für diesen Bereich ist Blauth zuständig. Er durchsucht den Diepholzer Wohnungsmarkt nach Angeboten, die er an seine Besucher weitervermitteln kann. Jedoch sehe es in Diepholz mittlerweile ähnlich aus wie in der Nachbarstadt Vechta. „Es fällt unglaublich schwer, neue Wohnung zu akquirieren“, sagt Blauth. Häufig werde seitens der Vermieter nicht nur eine Schufa-Frage gestellt, auch Menschen, die etwa Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) beziehen, hätten leider oft schlechte Chancen, so Blauth.

Die Stammgäste stehen im Mittelpunkt

Er und seine Kolleginnen hatten sich zum Jubiläum auch etwas Besonderes einfallen lassen: Um 14 Uhr enthüllten sie ein großes Plakat. Darauf zu sehen waren rund 50 Gesichter der Leute, die die Arche in den letzten Jahren geprägt haben. Und auch hier waren nicht etwa nur Kollegen oder Vertreter aus Politik und Gesellschaft zu sehen. Auch Stammgäste der Arche wurden für das Plakat abgelichtet.

Jörg war noch nicht unter ihnen. Er ist ja noch nicht so lange in Diepholz. „Ich fühle mich hier allerdings sehr wohl und die Arche ist echt eine gute Sache“, so der gelernte Melker. „Ich bin sehr kontaktfreudig und habe schon einige Menschen hier kennengelernt.“ Er habe als Schausteller, in der Drückerkolonne, im Möbellager, im Zerlegebetrieb oder auch schon auf See als Fischer gearbeitet. Immer wieder begleitete ihn dabei der Alkohol. Nun sei er froh, in Diepholz angekommen zu sein und Abstand zu gewinnen, so Jörg: „Das Leben muss weitergehen.“

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