Der „Weiße Ring“ gibt Opfern ein Gesicht

Gewalt: „Das Schweigen brechen“

Mit diesem Foto wirbt der „Weiße Ring“ für seine Ausstellung.

Diepholz - Von Anke Seidel. Eine Rasierklinge auf blutender Haut – eines von 70 Motiven der Ausstellung, die bewusst an Grenzen geht. Die das Schweigen brechen will, wenn es um häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch geht: „Opfer“ lautet der Titel der Ausstellung, die der Weiße Ring im Landkreis Diepholz zeigt.

Die Ausstellung läuft vom 7. bis zum 20. August im Alten Rathaus in Diepholz: montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr.

Nicht wegschauen

Sie will den Opfern ein Gesicht geben. Und Menschen dafür sensibilisieren, nicht wegzuschauen. Sondern den Opfern zu helfen. Denn viel zu viele schweigen – aus Scham. Genau das thematisiert das Titelfoto auf dem Faltblatt, mit dem der „Weiße Ring“ über die ungewöhnliche Ausstellung informiert: Eine Frau mit blutender Nase, blauen Augen und ausdruckslosem Blick. Die magere Erklärung auf dem Bild: „Ich bin bloß die Treppe heruntergefallen.“

Als Leiter der Außenstelle des Weißen Rings in Diepholz weiß Werner Käding, dass es ähnliche Fälle auch im Landkreis Diepholz gibt. Vier Opfer von häuslicher Gewalt haben sich in diesem Jahr bereits an seine Außenstelle gewandt – außerdem zwei nach sexuellem Missbrauch. Insgesamt leistete der Weiße Ring in diesem Jahr schon nach 28 Straftaten Hilfe – darunter fünf Körperverletzungen und ein Totschlagsdelikt. „Es wurden acht Rechtsberatungsschecks zu jeweils 150 Euro ausgegeben sowie ein Beratungsscheck für eine traumatologische Erstberatung, ebenfalls im Wert von 150 Euro. Außerdem wurden 3 600 Euro als finanzielle Hilfe ausgezahlt“, bilanziert Werner Käding.

Studenten aus Weimar haben die Ausstellung konzipiert

Er begleitet die Ausstellung im Alten Rathaus persönlich. Landrat Cord Bockhop hat die Schirmherrschaft übernommen. Konzipiert haben die Präsentation Studentinnen und Studenten der Bauhaus-Universität Weimar. Die ausdrucksstarken Bildplakate thematisieren das Trauma Missbrauch und Gewalt – mit einer eindringlichen Botschaft: Wer schweigt, macht sich mitschuldig. Die Bilder konfrontieren die Betrachter bewusst mit dem Leid der Opfer – darunter immer wieder Kinder: Rund 20.000 Jungen und Mädchen, so berichtet der „Weiße Ring“ mit Verweis auf die Polizei-Statistik, sind bundesweit Jahr für Jahr Opfer sexueller Übergriffe. „Die Dunkelziffer ist hoch, viele Straftaten werden nicht angezeigt“, wissen die Helfer des „Weißen Rings“.

Werner Käding hofft, durch die Ausstellung zahlreiche Besucher sensibilisieren zu können. Für Schulklassen, Vereine und andere Gruppen organisiert er auf Wunsch spezielle Termine.

E-Mail: werner.kaeding@web.de

Die Außenstelle

Zehn ehrenamtliche Helfer kümmern sich in der Diepholzer Außenstelle des „Weißen Rings“ um die Opfer von Straftaten – landkreisweit. Im vergangenen Jahr haben sie 34 Opfern geholfen und finanzielle Unterstützung geleistet – 2015 waren es 23. An direkter finanzieller Unterstützung hat die Außenstelle im vergangenen Jahr 10.800 Euro ausgezahlt, 2015 waren es 5000 Euro. Rund 140 Mitglieder unterstützen die Außenstelle im Landkreis mit ihren Beiträgen.

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