Ausstellung im alten Rathaus: Künstlerin Ruth Stephan mit aktuellem Thema

„Europa wächst an seinen Herausforderungen“

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Zwei in Gedanken-Union: Künstlerin Ruth Stephan und Dr. Helmut Gross von der Europa-Union Vechta.

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. „Sie müssen mit der Ausstellung nach Brüssel“, meinte Frank Walter in der Diskussion mit Künstlerin Ruth Stephan aus Vechta in der am Freitagabend eröffneten Ausstellung „Art Europa im Fokus“ im alten Rathaus in Diep-holz. Es war wenige Stunden vor der Meldung, dass Brüssel die höchste Terrorwarnstufe ausrief aus aktuellem Anlass. Es scheint schon wieder Stoff für die Künstlerin zu warten, das Europa-Karussell dreht sich schnell, die Veränderungen überschlagen sich.

Geplant hat die in Dänemark geborene Künstlerin, die seit vielen Jahren in Vechta lebt, lernte und selbst lehrt, die nächste Ausstellung mit Bildern und Plastiken zu Europa in Frankreich. Warum eigentlich nicht auch Brüssel, dem Headquarter des Staatenbundes, der nach Meinung von Laudator Dr. Helmut Gross von der Europa-Union Vechta an seinen Herausforderungen wächst. „Europa wird auch an dem Flüchtlingsstrom wachsen“, da ist er sich sicher. „Immer wieder haben wir festgestellt, dass es besser ist, Partner zu haben, als allein dazustehen, aber das Konstrukt muss als ‘Learning by doing‘ verstanden werden, beinhaltet eine freiwillige Souveränitätsaufgabe und erfordert viel Toleranz“.

Dass die Ausstellung, die schon Vechta, Visbek, Ungarn, Syke und nun in Diep-holz gezeigt werden kann, ist der Künstlerkollegin Helga Bode zu verdanken. „Du musst das spannende Thema auch in Diepholz zeigen“, bezirzte sie beharrlich Ruth Stephan. Bürgermeister Dr. Thomas Schulze erfreute vor allem der Blick durch die Kunst auf Europa, er sah die Aktualität der Werke, die sich mit Flüchtlingsthema, Einwanderung kulturell, sozial und politisch auseinandersetzen. „Wir müssen die Fakten positiv sehen, Europa ist ein tolles Konstrukt und wird das schaffen“.

Die Ausstellung mit ihren mehr als 45 Exponaten, die die Entstehung und die Vision Europas von der Stunde null quasi bis heute spiegeln, bietet vor allem Schulen die einmalige Chance Geschichts- und Politikunterricht, ebenso ethische und religionsrelevante Fragen zu klären. Schauen, fragen und nacharbeiten könnte dabei sehr hilfreich sein und Europa verständlicher durch Bild und Plastik machen.

„Ich habe erst 2010 mit dem Themenkomplex angefangen und hatte das meiste zum zehnjährigen Bestehen des Euros fertig“, berichtet Stephan. Eine kurze Zeit, wie beim Bestaunen der Plastiken mit Titeln als Kurzerläuterungen und der Bilder klar wird. Dass Europa täglich im Fluss ist, zeigt das überwiegend blau-gelbe (wie die Europa-Flagge) Großformat, der derzeit 28 Staaten, die als Puzzleteile mit ausgestanzten Buchstaben des Wortes Europa in- und übereinander greifen. Ein wenig wie Chaostheorie, aber unabdingbar wie eine große Maschinerie. „Ich habe dann noch ein Buch über Europa gelesen parallel, und das hat mir wirklich im wahrsten Sinn des Wortes die Augen geöffnet“, erläutert die Künstlerin.

Ruth Stephan „galoppiert“ durch die Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Stunde null und einem Stahlhelm mit Einschusslöchern. Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und Montanunion, Mauerbau. Teilung der Menschen in Ost und West, der Mauerfall. Geburt des Euro, Rettungsschirm, Troika und Steuersünder. Flüchtlingsströme über Mittelmeer, Einwanderung und die Wanderung über Mauern und Zäune.

Den Mauerfall kommentiert sie mit dem Zitat von Richard von Weizsäcker: „Freiheit kann auf Dauer nicht eingemauert werden“, was sich auf den Mauerfall und die aktuelle Entstehung von Mauern im Kopf oder realen Zäunen an den Außengrenzen Europas spiegelt.

Die ganz aktuellen Exponate untermauert Ruth Stephan mit flankierenden Themenexkursionen, die bis in die Philosophie des Altertums zurückgehen, alte Ideen brandneu erscheinen lassen. Die Ausstellung kann Freitag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr bis zum 13. Dezember besichtigt werden. Vielleicht parallel zum Unterricht.

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