Der ausgezeichnete Diepholzer Bio-Unternehmer Ulrich Walter

Nachhaltigkeit im Detail

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Bio-Pionier Ulrich Walter (66) mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis, der die Form einer Kugel hat.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Die Folie um die Teebeutel-Schachteln muss sein. Aus Gründen der Qualität und der Hygiene. Aber die Folie ist auf Zellulosebasis, recylclebar und eben nicht aus Erdöl. Energieverbrauch und Immissionen in der gesamten Produktion sind bei der Ulrich Walter GmbH / „Lebensbaum“ minimiert, ja sogar CO2-neutral. Das sind nur zwei Beispiele. Vieles ist anders bei der Diepholzer Bio-Firma.

Hier steht nicht der kurzfristige Profit im Mittelpunkt, sondern das nachhaltige Wirtschaften, das Umwelt und Ressourcen auch für folgende Generationen schont. „Nachhaltigkeit steckt oft im Detail“, sagt Ulrich Walter.

Für den Diepholzer Unternehmer, der in Rehden wohnt, ist das schon seit Mitte der 1990er Jahre ein Thema. Der 66-jährige Bio-Pionier stellt in Diepholz und Gronau mit insgesamt 200 Mitarbeitern Tees, Gewürze und Kaffee in Bio-Qualität her und ist damit in Deutschland Fachhandels-Marktführer. In Düsseldorf bekam er jetzt (wie berichtet) den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Mittelgroße Unternehmen“.

Zweimal war Lebensbaum bereits den vergangenen Jahren nominiert gewesen – auch das war schon eine Auszeichnung für das Engagement Ulrich Walters. Nun bekam er die Kugel. Der Nachhaltigkeitpreis hat diese Form. Es ist nicht die erste Auszeichnung. Das Unternehmens-Modell wurde unter anderem mit dem CSR-Preis der Bundesregierung geehrt.

Es seien nicht seine Preise, betont Ulrich Walter. Sie gehören allen Mitarbeitern. Denn diese müssen mitziehen. Und das wollen sie. Das Thema Nachhaltigkeit muss gelebt werden. Da helfen keine Vorschriften, die eine desinteressierte Belegschaft bei nächster Gelegenheit unter dem Motto „mir doch egal“ unterläuft. Das Lebensbaum-Team ist anders, macht bewusst mit. Und darauf ist Ulrich Walter stolz.

Er nimmt die Mannschaft mit, schafft für sie Transparenz für Vorgänge in der Firma und bietet eine Altersversorgung. „Der Mindestlohn war für uns auch kein Thema, wir zahlen schon immer mehr“, erklärt Ulrich Walter

Vor mehr als 30 Jahren, als er anfing, Bio-Tee zu mischen, suchte er neue Wege als Unternehmer. Der gelernte Reedereikaufmann und Sozialpädagoge leitete damals noch das Diepholzer Jugendfreizeitzentrum. Bei seinem Weg in die Selbstständigkeit wollte er alles besser machen als das Establishment. „Nur was besser ist, wusste ich damals nicht“, erzählt der heute 66-Jährige mit einem Lächeln.

Ab 1997, als seine Firma schon zu beträchtlicher Größe gewachsen war, setzte er die Nachhaltigkeit – in der Bio-Branche eh und je eine großes Thema – im Betrieb konkret um, in Produktion wie beim Rohwareneinkauf und Transport. Er änderte schon damals Prozesse und dokumentierte das Vorgehen. Das kommt „Lebensbaum“ noch heute zu Gute. Wenn Test-Magazine nachfragen oder sich die Diepholzer Bio-Firma um einen Preis bewerben will: Die Unterlagen sind fertig, die umfassende Nachhaltigkeit ist dokumentiert und auch von außenstehenden Experten zertifiziert.

Das alles ist für Ulrich Walter kein Selbstzweck: Bio-Kunden wollen das! Sie wollen wissen, dass nicht nur die Qualität der Tees, Kaffees oder Gewürzmischung stimmt, die sie im Bio-Fachhandel kaufen, sondern diese auch nachhaltig produziert sind. Gutes Gewissen rundum.

Das vermisst Ulrich Walter bei vielen seiner Kollegen aus dem Mittelstands-Unternehmertum: „Hier herrscht oft noch die alte Denke.“ Nachhaltigkeit wird als unnützes Geldausgeben angesehen. „Da werden Chancen verpasst“, meint Ulrich Walter.

Wie sich seine Firma von den „alten Mittelständlern“ unterscheidet? Walter kennt durch das Nachhaltigkeits-Management alle Details und alle Abläufe in seinem Unternehmen. Dabei sind viele Möglichkeiten zur Optimierung zu entdecken. „Langfristig führt Nachhaltigkeit zu Einsparungen“, ist seine Erfahrung.

Auch bei seiner Firmenstruktur hat er langfristig gedacht. Er hat Fachleute und Führungskräfte aus der Branche eingestellt, so dass sich Ulrich Walter nach und nach aus dem operativen Geschäft zurückziehen konnte. Doch in der Firma ist Ulrich Walter noch täglich. Ihm ist mit 66 Jahren nicht nach Ruhestand. Aber er nimmt sich seine Freiräume, besucht noch gern Lieferanten in Indien, Mexiko und Sri Lanka, mit denen er seit vielen Jahren zusammenarbeitet.

Auch wirtschaftlich ist „Lebensbaum“ gut aufgestellt. Zehn Prozent jährliches Umsatzwachstum verzeichnet das Unternehmen. Für dieses Jahr wird die 65-Millionen-Euro-Marke angepeilt. Kein Wunder, dass Ulrich Walter durchschnittlich einmal im Monat ein Angebot bekommt, seine Firma zu verkaufen. Doch das ist für ihn kein Thema, zumal auch seine Frau Angela und seine Töchter Gesellschafter sind.

„Lebensbaum“ ist eben sein Lebenswerk. Und eines mit Zukunft, denn „Bio“ ist nach wie vor eine Wachstumsbranche.

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