Keine Sirenen mehr?

Bilanz der Freiwilligen Feuerwehr Diepholz: 305 Mal ausgerückt

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Ein herausragender Ensatz für die ehrenamtlich tätigen Diepholzer Feuerwehrleute im Jahr 2018 war der Brand eines Holzlagers in der Graftlage im Mai.

Diepholz - Von Sven Reckmann. Es sind herausragende Zahlen: Die vier Diepholzer Ortsfeuerwehren haben im vergangenen Jahr so viele Einsätze zu verzeichnen gehabt wie seit 21 Jahren nicht mehr. 305 Mal mussten die freiwilligen Feuerwehrkräfte aus Aschen, Diepholz, Heede und Sankt Hülfe 2018 ausrücken. In den Vorjahren hatte diese Zahl stets etwa zwischen 180 und 210 gelegen.

„Das letzte Jahr hat uns gefordert wie schon lange nicht mehr“, sagte der Diepholzer Stadtbrandmeister Frank Schötz jetzt in einer Jahresbilanz 2018. Die Rekordtrockenheit führte dazu, dass die Brandeinsätze deutlich zunahmen: Sie stiegen von 83 im Vorjahr auf 153, das ist ein Plus von 52 Prozent. Allein 35 Flächenbrände gab es auf dem Gebiet der Stadt Diepholz.

Dazu kamen 86 Technische Hilfeleistungen, 56 Brandsicherheitswachen (beispielsweise im Theater), fünf Einsätze der Gefahrgutstaffel und fünf Fehlalarmierungen.

Dabei besonders ärgerlich: Ein Zeitgenosse, der die Feuerwehr zu einem vermeintlichen Wohnungsbrand an der Mühlenstraße rief, das Geschehen filmte, „blöde Kommentare abgab“ (Schötz) und bei Facebook verbreitete.

Als herausragende Einsätze werden der Kita-Brand am Willenberg im Frühjahr in Erinnerung bleiben sowie der Brand eines Holzlagers in der Graftlage, wo Hitze und Ausmaß des Einsatzes viele Kameraden an ihre Leistungsgrenzen geführt hätten, so Schötz.

Es gab acht Verkehrsunfälle, nicht zuletzt waren 17 Kameraden aus Diepholzer Feuerwehren über mehrere Tage beim Moorbrand auf dem Bundeswehr-Testgelände in Meppen, wo die Einsatzkräfte unter schwierigen Bedingungen ihre Aufgabe mit Bravour erledigt hätten, so Schötz.

Das hohe Einsatzaufkommen führte jedoch keineswegs dazu, dass bei der Ausbildung nachgelassen wurde. Im Gegenteil, im Bereich der Fortbildung wurden 1 .200 Stunden mehr geleistet (11 332) als im Vorjahr.

„Ist Feuerwehr wirklich für alles zuständig?“Frank Schötz Diepholzer Stadtbrandmeister

So kamen insgesamt 19 .086 Einsatz- und Ausbildungsstunden zusammen. „Das ist die höchste Zahl, die wir seit Aufzeichnung in unserer Stadtfeuerwehr haben“, bilanziert Schötz. „Langsam kommen wir an eine Grenze, wo wir uns überlegen müssen: Ist Feuerwehr wirklich für alles zuständig?“

Schötz erinnert an einen Fall im zurückliegenden Jahr, bei dem die ehrenamtlich tätige Feuerwehr zum Auspumpen eines Kellers gerufen wurde. Schließlich habe sich herausgestellt, dass dieser Keller schon seit drei Wochen 1,5 Meter unter Wasser gestanden hatte und nun wohl Handwerker bestellt waren, die eine neue Pumpe einbauen sollten - also alles andere als ein Notfall. Frank Schötz: „Irgendwann ist auch mal Schluss!“

Zum Ausblick: Im neuen Jahr werde man Gespräche mit Stadt und der Nachbarkommune Lemförde intensivieren, um zu einer gemeinsamen Lösung bei der Führerschein-Ausbildung für Feuerwehrleute zu kommen, blickt Schötz voraus.

Was den Bereich Ausbildung betrifft, so habe die zurückliegende Stadtübung wertvolle Erkenntnisse gebracht. Schötz appelliert an die Ortsfeuerwehren, im Übungsgeschehen nicht nur „die Spezialitäten“ im Blick zu haben, sondern auch die grundlegenden Handgriffe zu trainieren. „Also ein bisschen ‘back to the roots’. Das Grund-Know-How muss sitzen.“

Im Bereich „digitale Alarmierung“ sei der Auftrag nun erfolgt. Jedes aktive Mitglied der Stadtfeuerwehr solle mit einem neuen Meldeempfänger ausgerüstet werden. Das sei dadurch möglich, dass die Kosten pro Empfänger, die vor einigen Jahren noch auf mehrere hundert Euro taxiert worden waren, nun deutlich reduziert seien. Stellt sich noch die Frage, was mit den Sirenen in Diepholz passiert, die für digitale Alarmierung aufwendig umgerüstet werden müssten.

„Ich als Stadtbrandmeister brauche keine Sirenen mehr, wenn alle Kameraden mit Meldeempfängern ausgerüstet sind“, sagt Schötz. Was die Stadt dann unter dem Gesichtspunkt des Bevölkerungsschutzes mit den mitunter betagten Sirenen macht, ist noch nicht entschieden.

Mit Sicherheit kommen wird dagegen ein neues Tanklöschfahrzeug für die Ortsfeuerwehr Diepholz. Wenn alles planmäßig läuft, dann wird es im Herbst ausgeliefert.

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