Traditionsbetrieb in Sankt Hülfe schließt

Aus für die Bäckerei Mester

Dieses Angebot an Brötchen und Brot wird es bald nicht mehr geben: Ingo Mester schließt seine traditionsreiche Bäckerei in Sankt Hülfe zum Ende des Jahres. Verkäuferin Francesca Ligia-Schweers, seine Tochter Alena und seine Mutter Dorothea Mester (von links) akzeptieren die Entscheidung.
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Dieses Angebot an Brötchen und Brot wird es bald nicht mehr geben: Ingo Mester schließt seine traditionsreiche Bäckerei in Sankt Hülfe zum Ende des Jahres. Verkäuferin Francesca Ligia-Schweers, seine Tochter Alena und seine Mutter Dorothea Mester (von links) akzeptieren die Entscheidung.

Diepholz-Sankt Hülfe – Hier gibt es noch Brötchen und andere Backwaren nach alter Handwerkstradition. Doch nicht mehr lange. Die Bäckerei Mester in Sankt Hülfe schließt zum Jahresende.

Inhaber Ingo Mester gibt auf. Nicht aus wirtschaftlichen Gründen, denn der Familienbetrieb läuft gut, hat viele Stammkunden. Insbesondere an Samstagvormittagen bilden sich vor dem Laden an der Bremer Straße 67 oft Schlangen. Es sind gesundheitliche Gründe, die den 57-jährigen Bäckermeister dazu bewogen haben, den Familienbetrieb zu schließen. Zudem sei zuverlässiges Bäcker-Personal kaum noch zu bekommen. So muss Mester vieles selbst machen.

Seit 1994 kein Urlaub

Seit 1994 hatte er keinen Urlaub mehr. Wenn Ingo Mester nicht in der Backstube ist, erledigt er Büroarbeiten. Oder schläft. Sein Hobby, die Jagd, übt er schon lange nicht mehr aus. „Es ist einfach zu viel“, sagt er und sieht müde dabei aus.

Seiner Tochter Alena ist er sehr dankbar. Sie ist ihm eine große Hilfe und hat nach einer familiären Veränderung vor fünf Jahren den Verkauf übernommen. Die 30-Jährige hatte nach ihrem Abitur Fremdsprachenkorrespondentin gelernt und in Berlin Modemarketing studiert. Die Hilfe im Familienbetrieb sollte eigentlich nur kurz andauern. Alena Mester akzeptiert die Entscheidung ihres Vaters ebenso wie Verkäuferin Francesca Ligia-Schweers. Auch Ingo Mesters Mutter Dorothea (75) sieht ein, dass es angesichts der Arbeit fast rund um die Uhr für ihren Sohn so nicht mehr weitergehen kann.

Handwerklich hergestellte Backwaren

Die Bäckerei Mester hatte stets Erfolg mit ihren handwerklich hergestellten Backwaren, die sie auch über den Edeka-Markt in Drebber verkauft, und konnte sich gegenüber der großen Filial-Konkurrenz wirtschaftlich gut behaupten. Nicht nur Mesters Rezepte und die Art des Backens sind seit Jahrzehnten unverändert, sondern auch das Ladenlokal. Keramik-Hängelampen in Brauntönen und die Einrichtung stammen aus den 1980er Jahren. Die Bäckerei Mester hat ihren eigenen Charme im Verkauf – neben der besonderen Qualität ihrer Waren.

Einfache Brötchen am beliebtesten

Bei Mesters Kunden am beliebtesten sind die einfachen Brötchen. In seinem kleinen Handwerksbetrieb kann Ingo Mester einen Teig verwenden, der weicher ist als der, der für große Backstraßen geeignet ist. Zudem hält der Bäckermeister seinen heizölbetriebenen Dampfbackofen immer bei einer Temperatur von 250 Grad. Er backt „kurz und heiß“, weshalb seine Backwaren länger genießbar sind und nicht schon nach wenigen Stunden hart werden. Auch Mesters Brot, die Blechkuchen und andere süße Backwaren sind beliebt.

„Wenn ich weitermachen würde, wären Investitionen fällig“, sagt Ingo Mester, der bis zur Rente noch etwas arbeiten möchte – aber nicht mehr so wie bisher. Einen Nachfolger für seinen Sankt Hülfer Betrieb hat er nicht. Wollte ein fremder Bäcker dort arbeiten, müssten die Räume baulich umgestaltet werden, denn sie sind mit direkten Zugängen zum Wohnbereich ganz auf ein Familienunternehmen zugeschnitten.

Silvester letzter Öffnungstag

An Silvester hat Ingo Mester zum letzten Mal geöffnet. Für ihn Ehrensache: Die an diesem Tag traditionellen Berliner fertigt er wie immer von Grund auf selbst – und nicht mit zugekaufter Rohware wie viele Großbetriebe.

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