Sandra Schuckmann-Honsel arbeitet für die Welthungerhilfe

Aus Diepholz in den Südsudan

Sandra Schuckmann-Honsel aus Aschen während ihres Einsatzes im Südsudan. Die 44-Jährige ist Koordinatorin im Notfallhilfeteam der Welthungerhilfe und war schon in vielen Krisenländern.
+
Sandra Schuckmann-Honsel aus Aschen während ihres Einsatzes im Südsudan. Die 44-Jährige ist Koordinatorin im Notfallhilfeteam der Welthungerhilfe und war schon in vielen Krisenländern.

Diepholz – Bürgerkrieg, eine weitere Flutkatastrophe, Menschen in massiver Armut und ohne Perspektive. Sandra Schuckmann-Honsel hat das in den vergangenen Monaten im östlichen Afrika erlebt. Jetzt über die Feiertage ist sie im Diepholzer Ortsteil Aschen, wo sie und ihr Mann ein Haus gekauft und umgebaut haben. Nach diesem winterlichen Kontrast in Norddeutschland mit Wohlstand und Weihnachtsstimmung geht es im Januar wieder zurück in den Südsudan. Dort arbeitet Sandra Schuckmann-Honsel für die Welthungerhilfe.

Seit September war die 44-Jährige vor Ort. Sie organisiert nach ihrer Weihnachtspause in dem Land, das 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan erlangte und auch danach nicht zur politischen Ruhe kam, weiterhin die Verteilung von Hilfslieferungen nach der katastrophalen Flut.

Flutkatastrophe trifft 800. 000 Menschen

Diese hat etwa 800 000 Menschen getroffen. Der Weiße Nil trat nach heftigen Regenfällen im dritten Jahr in Folge über die Ufer. Mehrere Regionen stehen unter Wasser. Laut UN sind es die schlimmsten Überschwemmungen seit 60 Jahren. Die Welthungerhilfe stellte knapp 400 000 Euro an zusätzlicher Soforthilfe bereit, um Familien mit dem Nötigsten zu versorgen und die aufgeweichten Deiche zu verstärken. Die Menschen flüchteten nach der Flut zu Fuß durch teils hüfthohes Wasser. Ihre Ernte ist vernichtet.

„Der Transport von Lebensmitteln und anderen Gütern erfolgt per Boot oder Flugzeug“, erklärte Schuckmann-Honsel im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie koordiniert die Lieferungen von Juba aus, der Hauptstadt des Südsudan. Um zu wissen, wie die Lage vor Ort ist, reiste sie in die Flutgebiete.

Die humanitäre Lage im Südsudan beschreibt die erfahrene Mitarbeiterin der Welthungerhilfe, die schon Einsatzorte rund um die Welt hatte, an einigen Beispielen: „Es gibt keine Straßen, keine Gesundheitsleistungen, keine Müllentsorgung.“

Obwohl das Elf-Millionen-Einwohner-Land reiche Erdölvorkommen hat, gehört das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu den geringsten der Welt. Problem: Das Öl müsste der Binnenstaat über den Sudan zum Weitertransport über das Meer leiten. Nicht nur darüber gibt es Streit.

Menschen hoffen auf Frieden

„Die Menschen hoffen auf Frieden und ein Ende der bewaffneten Konflikte und Übergriffe im Land, die es trotz offiziellem Ende des Bürgerkrieges immer noch gibt“, sagt Sandra Schuckmann-Honsel. Die Wahl-Diepholzerin wünscht sich, dass die Welt mehr Druck auf die südsudanesische Regierung ausübt, um das zu erreichen. Jetzt kommt noch Corona hinzu: „Nur ein Prozent der Menschen im Südsudan sind geimpft.“

In diesen Weihnachtstagen kann Sandra Schuckmann-Honsel etwas Abstand davon gewinnen. Wenn die 44-Jährige von ihren mehrmonatigen Auslandseinsätzen für die Welthungerhilfe nach Hause zurückkehrt, wissen Familie und Freunde: „Ich möchte erst einmal ein paar Tages nichts hören oder sehen.“ Dann genießt sie die Ruhe und unternimmt Spaziergänge mit ihrem Hund, einem kleinen Münsterländer.

112 Tage im Jahr in Krisenländern

Arbeitsvertraglich geregelt ist, dass Sandra Schuckmann-Honsel 112 Tage im Jahr für Nothilfeeinsätze der Welthungerhilfe tätig ist. Diese Einsätze sind meist ungeplant und kommen plötzlich. Bei der Aschenerin kann jederzeit das Telefon klingeln und ihr wird ein neuer Auftrag mitgeteilt. Schuckmann-Honsel packt dann ihre Koffer und lässt ihre Wahlheimat für einige Monate hinter sich, um Länder mit ganz anderen Zuständen zu erleben. Sie hat schon Hilfseinsätze in Syrien, Türkei, Libanon, Irak, Haiti, Kenia, Mosambik, Sudan, Burundi, Ruanda, Malawi, Uganda, Kongo (DRC), Äthiopien, Sierra Leone, Simbabwe, Bangladesh, Myanmar, Vietnam, Indonesien und Nepal gehabt – nach und während Naturkatastrophen, Kriegen und Krisen.

Aufgewachsen ist sie in Schwagstdorf bei Fürstenau im Osnabrücker Land. 2019 zogen sie und ihr Mann nach Aschen, wo sie ein passendes Haus gefunden hatten. Die 44-Jährige hatte nach ihrem Fachabitur zunächst Religionspädagogik studiert und dann sechs Jahre lang als Gemeindereferentin gearbeitet. Parallel absolvierte sie ein Studium der Erziehungswissenschaften. Auch mit zwei Diplomen war sie noch unschlüssig, was ihre berufliche Zukunft anbelangte. Schuckmann-Honsel bildete sich im Bereich Humanitäre Hilfe weiter und bekam dabei Kontakt zu Hilfsorganisationen. Sie fand eine neue Aufgabe.

Erster Einsatz in Bangladesh

Ihren ersten Einsatz als Nothilfekoordinatorin hatte sie in Bangladesh mit der Organisation Humedica, dann arbeitete sie mit Arche Nova in Myanmar und mit Malteser International in Vietnam.

Im Emergency Response Team (Nothilfeteam) der Welthungerhilfe ist sie seit 2012. Zudem arbeitet Sandra Schuckmann-Honsel als Dozentin bei der Gesellschaft für Nachhaltige Entwicklung in Witzenhausen und seit 2014 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Dort ist ihr Themenbereich „Humanitäre Akteure in Friedensmissionen der Vereinten Nationen.“

Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland, politisch und konfessionell unabhängig. Seit ihrer Gründung 1962 übernimmt der jeweils aktuelle Bundespräsident die Schirmherrschaft. Mitglieder der Welthungerhilfe sind unter anderem der Präsident des Deutschen Bundestages, die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Fraktionen sowie Kirchen, Verbände und Vereinigungen. Im Jahr 2020 hat die Welthungerhilfe nach eigenen Angaben in 35 Ländern mit 539 Auslandsprojekten rund 14,3 Millionen Menschen unterstützt. (Quelle: welthungerhilfe.de

Mit ihrem Mann trifft sie sich bei längeren Einsätzen gelegentlich auf halber Strecke. So gab es während ihres Südsudan-Einsatzes für einige Tage ein Treffen im ägyptischen Kairo. Jetzt können beide mal wieder gemeinsame Tage in ihrem Haus in Aschen verbringen, bevor es im Januar wieder in den Südsudan geht. Ende März hat Sandra Schuckmann-Honsel ihre Aufgabe in diesem Hilfseinsatz beendet. Aber bald wird sie sicherlich wieder zu einem neuen Einsatz der Welthungerhilfe gerufen, denn humanitäre Krisen und Katastrophen werden in der Welt nicht weniger.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt
Schleifstaub gerät frühmorgens in Brand

Schleifstaub gerät frühmorgens in Brand

Schleifstaub gerät frühmorgens in Brand
Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte
Teile von Syke ohne Strom: Störung behoben

Teile von Syke ohne Strom: Störung behoben

Teile von Syke ohne Strom: Störung behoben

Kommentare