Kammerchor Kirchenkreis Diepholz überzeugt in der St. Nicolai-Kirche

Den Auftrag von Händel verstanden

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Chor und Solisten gelang mit dem Orchester aus Mitgliedern des Staatlichen Symphonieorchesters Kaliningrad und Andreas Ortland an der Orgel ein musikalisches Deckengemälde wie in großen Kirchen.

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Hoffentlich galten die stehenden Ovationen der Zuhörer nicht allein dem Jung-Dirigenten Wonsun Jung am Sonntag in St. Nicolai zu Diepholz. Denn was der Kammerchor des Kirchenkreises Diepholz gesanglich unter seiner souveränen Leitung ablieferte, war mehr als die knappe Beschreibung der Triebfeder der Mitsänger. „Der Chor besteht seit 2002 aus etwa 30 ambitionierten Sängern“. Ambitioniert im Sinne von ehrgeizig, anspruchsvoll, strebsam und überzeugend. Aber in Ergänzung mit niveauvoll, also auf einem hohem sowohl geistigen als auch gesanglichen Niveau.

Zwar hieß das Konzert „Dixit Dominus“ (Der Herr spricht), deutete also auf eine Erläuterung der Allmacht Gottes, Prophezeiungen und Mahnworte hin, auf ein klassisches Werk der Kirchenmusik, aber es hielt eine Wundertüte aus Skandinavien parat. Eingebettet in die Werke von Georg Friedrich Händel „O praise the Lord with one consent“ und „Dixit Dominus“ war das Hörerlebnis die Komposition des Norwegers Knut Nysted „If you receive my words“.

Brillante Darbietung Nystedts Ansinnen

Mit dem Stück, das wie eine Tiefenhypnose der Aussage: „Wenn Du mich annimmst, dann…“, im Sinne einer kausalen Kette im religiösen Sinn anmutete. Heute würde man die Gesprächsführung aus dem zweiten und dritten Kapitel der Sprüche Salomons vielleicht „Überzeugen durch gutes Argumentieren“ nennen. Mit tiefgehenden Sinnvokabeln: Gerechtigkeit und Recht, Verstand und Klugheit, Gnade und Treue. Dem Kammerchor gelang das Ansinnen von Komponist Nystedt brillant: Er spiegelte die dramatischen, schnellen, sphärischen, mahnenden, ruhigen und himmlischen Passagen. Die Musik von Nysted passt zu den getriebenen Leben der Menschen. Seine ausgesprochene Neugier auf neue Klangmöglichkeiten teilte der Chor. 

Den Auftrag von Händel mit seinem Werk „O praise the Lord with one consent“ haben Chor, die Solisten und das Orchester verstanden.

Nysted trat mit dem Stück an: „Die menschliche Stimme hat doch fantastische Möglichkeiten, eine reichere Ausdrucksskala als sie in bisheriger Chorpraxis genutzt wurde. Ich begab mich also in eine neue Welt des Chorklangs, man könnte von einer Art Kaleidoskop sprechen, um ganz neue Klangfarben zu entdecken“. Die Männerstimmen bilden mysteriöse Klangböden, es folgt eine gehaltene große Anspannung zwischen Frauen- und Männerstimmen. Die letzte Strophe beruhigt die Gemüter, beschreibt die himmlische Gnade und Einsicht der Erdenbürger. Mit der Motette von Nysted kann der Kammerchor auf Tour gehen, denn damit erhält das Alte Testament eine Verjüngungskur. Komponisten sind reisefreudige Menschen, so auch Händel, der mit nur 22 Jahren während seiner ersten Romreise das Werk „Dixit Dominus“ schrieb. Chor und Solisten Hae Min Geßner (Sopran) und Petra Fangmann (Alt) gelang mit dem Orchester aus Mitgliedern des Staatlichen Symphonieorchesters Kaliningrad und Andreas Ortland an der Orgel ein musikalisches Deckengemälde wie in großen Kirchen.

Tiefe Dankbarkeit

Hae Min Geßner ist ein klarer, unaufdringlicher Sopran und mit Alt Fangmann gemeinsam die Versöhnung von Gott und Mensch am Bach. Der Chor kann aber auch Bilder erzeugen, die an schwingende Schwerter oder eine Guillotine erinnern, wenn der Zorn Gottes Tote fordert und niederhallt.

Den Auftrag von Händel mit seinem zehn Jahre späteren Werk „O praise the Lord with one consent“ (Rühmt Gott, den Herrn, mit einer Stimm) haben Chor, die Solisten, das Orchester verstanden. Alle gemeinsam starten kraftvoll und festlich in englischer Manier von Kirchenmusik, dann darf der Tenor (Jae Seung Lee) klagen, schreitet der Bass (Christian Meyer-Perkhoff) und malt die Krönungszeremonie, schmettert der Chor die Hymne zum Lobpreis. Tiefe Dankbarkeit spiegelt der Sopran, bevor der Chor das Halleluja einstimmt.

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