Lutz Korn nach 23 Jahren in St. Nicolai in den Ruhestand verabschiedet

Pastor auf geschmücktem Anhänger nach Hause

Auf einem geschmückten Anhänger fuhr Pastor Lutz Korn am Sonntagmittag nach Hause in den Ruhestand – mit Ehefrau Monika und Enkelkindern.
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Auf einem geschmückten Anhänger fuhr Pastor Lutz Korn am Sonntagmittag nach Hause in den Ruhestand – mit Ehefrau Monika und Enkelkindern.

Diepholz – 23 Jahre lang war er Pfarrer in Diepholz, prägte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Nicolai, der 3 900 Menschen angehören. Nun ist Pastor Lutz Korn im Ruhestand. Bei einem Festgottesdienst am Sonntag in der St.-Nicolai-Kirche wurde er von Superintendent Marten Lensch „entpflichtet“. Nach Hause fuhr Korn dann nicht einfach mit Auto oder Fahrrad:

Auf einem vom Kirchenvorstand geschmückten landwirtschaftlichen Anhänger, gezogen von einem Traktor, den Dirk Landgraf steuerte, ging es über die Lange Straße und das Bremer Eck – mit Sondererlaubnis auch entgegen der Einbahnstraße und durch die Fußgängerzone.

160 Gemeindeglieder hatten zuvor den Abschiedsgottesdienst in der Kirche besucht – mehr waren wegen der Corona-Regeln nicht möglich. Anschließend hatten sie und andere vor der Kirche die Möglichkeit zum kurzen persönlichen Abschied von Pastor Korn.

Persönliche Worte an Pastor Lutz Korn (links). Viele Gemeindeglieder nutzten dazu die Gelegenheit.

Anstelle eines Sektempfangs gab es vom Kirchenvorstand coronakonform kleine Fläschchen – passend gefüllt mit Korn (oder einem alkoholfreien Alternativgetränk).

Helge Bredemeyer hatte für den Neu-Ruheständler eine Mappe mit Berichten und Fotos zusammengestellt, die sie im Laufe der 23 Jahre als Mitarbeiterin unserer Zeitung verfasst hatte.

„Ich ziehe um nach Nauen, meine Geburtstagstadt, in ein altes Mehrfamilienhaus, das mein Urgroßvater bauen ließ. Ein Traum. Und wenn ich auf dem nachträglich gebauten großen Balkon sitze, schaue ich über die Dächer der Stadt auf meine Taufkirche St. Jakobi. Ich hoffe, sie können mich da ein wenig gebrauchen. Ich freu mich auf mehr Zeit für uns und die Familie. Auf Reisen, die meine Frau und ich vorhaben. Und auf einen Besuch bei den Berliner Eisbären, Hertha BSC und die Oper“, so Lutz Korn über seine Zeit im Ruhestand.

Kein direkter Nachfolger

Einen direkten Nachfolger als Pfarrer wird es in St. Nicolai nicht geben. Die Stelle bleibt zunächst vakant.

Persönlicher Rückblick

Für unsere Zeitung schaute Pastor Lutz Korn unter persönlichem Blickwinkel auf seine Zeit in Diepholz zurück. Er schrieb unter anderem:

„Bereits seit einigen Wochen wird mein Dienst als Pfarrers vom bevorstehenden Abschied mitgeprägt: Vieles, was 23 Jahre lang in Diepholz immer wieder zu meinen Aufgaben dazugehört hat, habe ich jetzt zum letzten Mal gemacht. Da bin ich öfter rührselig geworden und musste schlucken, wenn ich mich von den Aufgaben und den Menschen verabschiedet habe, die mir besonders ans Herz gewachsen sind.“

Der unmittelbare Kontakt zu den Menschen hat mir immer die größte Freude bereitet. Es fiel mir leicht, bei meinen vielen Besuchen mit den Diepholzern über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen. Da haben sich nicht nur viele Haustüren geöffnet, auch manche Herzenstür.

Zu den Kindern der Kitas Friedrichstraße und Lappenberg fand ich durch die gemeinsamen Familiengottesdienste einen wunderbaren Zugang. Meine Frau hat den NiKi-Club gegründet. Ich mag einfach Kinder weil sie offen und ehrlich alles fragen und über unsere Welt staunen können. Reingekniet habe ich mich in die Konfirmandenarbeit, die ich mit meiner Diakonin Frauke Laging im Laufe weiterentwickelt habe. Lohn war, dass es uns gemeinsam gelang, so viele Teamer und Jugendliche für unsere Gemeindearbeit zu gewinnen. Vielleicht fiel diese Aufgabe deshalb so leicht, weil ich selbst nach meiner Konfirmation einen Pastor hatte, der mir seine Jugendarbeit anvertraute. Das war für meine Berufswahl wegentscheidend, statt die Firma meines Vaters zu übernehmen.

Die Nicolaikirche ist mein ,Zuhause’ im wortumfassenden Sinn geworden. Ich hab sie lieb gewonnen wie viele Gemeindeglieder auch. Ihre schlichte Form, die dennoch eine Eleganz ausstrahlt, die jeder spürt, wenn er länger in ihr auch in der Woche verweilt. Sie wird mir fehlen. Aber wir haben Gottesdienste auch an anderen Orten gefeiert: Auf dem Autoscooter auf dem Diepholzer Großmarkt, im Schlosshof, zuletzt den Abi-Gottesdienst und an der kleinen Kapelle des Skulpturenpfads, die wir Ulrich Halfpap verdanken.

Besondere Herausforderung habe ich zuletzt erlebt. Corona mit Einschränkungen. Mir fehlten die persönlichen Begegnungen, die Gemeinschaft. Seelsorge auf Distanz? Die Telefonseelsorge hat sich für mich völlig neu erschlossen.

Klarer und konsequenter

Ich glaube, was meine Art angeht, habe ich mich weniger geändert. Ich war und bin schon immer sehr klar in dem, was ich wollte und habe gesagt, was ich denke. In den ersten Jahren war ich noch vorsichtiger und habe abgewogen. Das tue ich schon lange nicht mehr. Ich bin wie das gleichnamige Getränk klarer geworden, konsequenter und bisweilen angriffslustiger und mute Andersdenkenden einiges zu. Es gibt Themen, bei denen ich einfach nicht mehr bereit bin, Kompromisse zu machen.

Rückblickend denke ich, es hat sich vieles in meinem Leben gefügt. Für mich war es ein großes Glück, dass ich diesen Beruf ergriffen habe. Ich habe ihn immer mit Leidenschaft ausgeübt“, so Pastor Lutz Korn.

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