Wertvolle Daten

Archivare arbeiten Volkszählung von 1852 für den Kreis Diepholz auf

Übertragen stumme Zeitzeugen der Vergangenheit in die Gegenwart: (v.l.) Heinrich Gieseke, Irmgard Krebs, Werner Böckelmann, Rüdiger Stelling und Falk Liebezeit stellen im Archiv des Landkreises ihr Projekt Volkszählung 1852 vor.
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Übertragen stumme Zeitzeugen der Vergangenheit in die Gegenwart: (v.l.) Heinrich Gieseke, Irmgard Krebs, Werner Böckelmann, Rüdiger Stelling und Falk Liebezeit stellen im Archiv des Landkreises ihr Projekt Volkszählung 1852 vor.

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das durchaus ein Jahrzehnt in Anspruch nimmt: Ein Team aus bisher fünf Archivaren und ehrenamtlichen Geschichtsforschern will Daten aus der Vergangenheit so aufbereiten, dass die Bewohner in den damaligen Dörfern fast wieder lebendig werden: Nachtwächter, Musicus, Ackersmann und Tagelöhner, Schafsknecht oder Menschen in Armenpflege – all sie und andere sind 1852 peinlichst genau registriert worden bei der Volkszählung im Königreich Hannover.

Landkreis Diepholz – Dessen Amtsträger ließen die Untertanen immer wieder zählen, um sie steuerlich zu taxieren – wie im Populationsverzeichnis (1779 bis 1780) oder im „Verzeichnis der im Amt befindlichen Feuerstellen und Seelenzahl“(1796 bis 1818). Außergewöhnlich jedoch war die Volkszählung von 1852: Erstmals wurden die Bewohner eines Dorfes lückenlos dokumentiert – vom „Bauermeister“ (Bürgermeister), „welcher in Richtigkeit verbürgt“, wie es damals hieß.

1852 wurden erstmals Frauen und Häuslinge erfasst

„Da ist jeder drin, vom Gutsbesitzer bis zum Schäfer“, sagt Irmgard Krebs, Archivarin in der Samtgemeinde Kirchdorf, über die Volkszählung 1852 – und betont ausdrücklich: „Erstmals wurden auch die Frauen und die Häuslinge erfasst.“

So gesehen ist diese Zählung ein Spiegel der Vergangenheit ohne blinde Flecken, also mit Anspruch auf Vollständigkeit. Deshalb sind die Listen von 1852 – verfasst in fließender Amtshandschrift – für Archivare und ehrenamtliche Geschichtsforscher so wertvoll: Mit diesen Daten lässt sich die Infrastruktur eines Ortes rekonstruieren, also die unverzichtbare Basis des sozialen Lebens. Ärztliche Versorgung, Bildungsbedingungen oder die Zahl der Häuslinge – das lässt sich mit den historischen Volkszählungsdaten genau abbilden. Auch, in wessen Haus Pflegekinder lebten oder welche Großkinder zu welchem Haushalt gehörten.

Ahnenforschung gegenüber Suche in Kirchenbuch-Einträgen erleichtert

Wertvoll kann das vor allem für Menschen sein, die auf der Suche nach ihren Wurzeln und nach ihren Vorfahren sind. Ur-Ahnen lassen sich so viel leichter finden als über die klassischen Kirchenbuch-Einträge. Denn sogar die Konfession ist vermerkt.

Aber einfach zu lesen sind die Listen nicht: Im Staatsarchiv lagern ausschließlich die Originale. Deshalb haben sich Falk Liebezeit, Werner Böckelmann, Ingrid Krebs sowie Rüdiger Stelling und Heinrich Gieseke die Transkription zur Aufgabe gemacht – zum Teil unabhängig voneinander. So ist eine lockere Gruppe entstanden, die hauptsächlich per E-Mail oder Telefon im Austausch steht und ein ehrgeiziges Projekt verwirklichen will: die 1852er-Daten aller Orte im Landkreis Diepholz zu transkribieren und öffentlich im Internet zu präsentieren – auf Knopfdruck und gezielt auffindbar nach Namen, Berufen, Gebäuden und mehr.

Namen aus den Ämtern Hoya und Martfeld liegen seit Jahren vor

Die Internet-Plattform gibt es längst, und Falk Liebezeit kennt sie gut: Der als Verein organisierte Arbeitskreis Volkszahl-Register (AKVZ) hat sie erarbeitet und stellt aus Schleswig-Holstein Daten öffentlich zur Verfügung. Falk Liebezeit, der das gesamte Königreich Hannover im Blick hat, war 25 Jahre Vize-Vorsitzender und Schatzmeister. Vorsitzender ist Manfred Bruhn, er stellt alle Daten ein.

Die Runde um Falk Liebezeit hofft, weitere Helfer für die Transkription der Listen zu finden. Aus den Ämtern Hoya und Martfeld liegen sie im übrigen schon vor. Regina Koppe und Jens Müller haben die Namen schon vor Jahren transkribiert und als Hefte herausgegeben.

Kontakt

Wer im Projekt Volkszählung 1852 mitarbeiten möchte, meldet sich per Telefon (05441/7336) oder per E-Mail (falkliebe@t-online.de bei Falk Liebezeit. Die Datenbank AKVZ ist im Internet zu erreichen unter www.akvz.de.

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