Archälogischer Arbeitskreis Niedersachsen tagt in Ströher Moorwelten

Blick in die Vergangenheit

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Peter Kewitsch, Zweiter Vorsitzender der ArchAN, bedankt sich bei Dr. Marion Heumüller für deren Vortrag.

Brauns-Bömermann - Von Simone. Moore sind der Fingerabdruck der Vergangenheit, archivieren Geschichte, Siedlungswesen, Lebensformen und konservieren Tote. Sie sind gigantische CO²-Speicher und damit elementar für das Klima. Sie sind widrig und prächtig, üben seit Jahrtausenden eine starke Anziehungskraft auf die Menschen aus.

Um Neuigkeiten aus der Moorforschung zu erfahren, hat der archäologische Arbeitskreis Niedersachsen (ArchAN) am Sonnabend in den Ströher Moorwelten getagt.

Vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege aus Hannover waren Dr. Andreas Bauerochse und Dr. Marion Heumüller dabei. Dr. Eilin Jopp kam vom Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nach Ströhen, um über „forensisch-anthropologische Untersuchungen an Moorleichen“ zu referieren.

Ein Gesamtresümee der Fachleute vorweg: Der Fund einer „frischen Moorleiche“ wäre für die Moorarchäologen bahnbrechend, da die bisherigen Funde bei Untersuchungen der vergangenen 100 Jahre stark beansprucht sind. Ein solcher Fund würde sich bei 2,5 Prozent der Moorflächen, die auch intakt sind, immer schwerer gestalten, so Heumüller.

Und: Die Relevanz der Funde von Bohlenwegen wie im Campemoor bei Damme, die zeitlich um 4800 vor Christus als älteste von Menschen gebaute Verkehrswege auf der Welt gelten, ist von globaler Bedeutung. „Ab 1991 liefen die Untersuchungen der Bohlenwege im Moor. Während sie erfasst werden, wird das um sie herum liegende Moor abgebaut, und die Spuren verschwinden für immer“, gibt Heumüller zu bedenken. „Wir können das nicht ändern, versuchen aber Gelder zur Rettung zu generieren.“

Schließlich sind die Rückschlüsse auf die steinzeitlichen Lebensformen mittels dendrochronologischer Untersuchungen (Bestimmung des Alters) der Hölzer, aus denen die Wege erbaut sind, sind Marker der Vergangenheit. „In der Dümmer-Region konnten bislang eine Vielzahl von Siedlungsplätzen nachgewiesen werden“, berichtete Heumüller. „Hunderte Quadratkilometer Hochmoor im Dreieck Diepholz, Lohne und Vechta liefern eine einzigartige Kulturlandschaft, deren archäologische Funde wichtige Hinweis auf prähistorische Lebensformen geben.“

Die Wissenschaftler sind sich in ihrer interdisziplinären Arbeit an Funden aus den Mooren einig: Die Ergebnisse seien in einem großen Kontext, nicht nur regional zu verstehen. Sie können klimatisch indizierte Ereignisse detektieren wie Eiskernbohrungen.

Dr. Eilin Jopp brachte den Teilnehmern diverse Moorleichen näher. „Moora“ aus dem Uchter Moor, „Rosalinde - die Frau von Peiting“, „Das Kind aus der Esterweger Dose“, und den für die Anthropologin interessantesten Fall: „Der Junge von Kayhausen“. Nach heutigem Kenntnisstand deute der Tod des Jungen auf eine pädophil motivierte Tötungshandlung mit sogenanntem „Undoing“ (Wiedergutmachung) und „Leichen-Dumping“ (Beisetzung durch Verbergen) hin.

Jopp: „Wir erarbeiteten den Tathergang mittels der operativen Fallanalyse. Aber unser Ergebnis ist nur ein Modell, das auf sehr veritablen Untersuchungsmethoden fußt.“ Die Rechtsmedizinerin brach die Lanze für vorhergehende Forscher: „Jede Epoche hat nach bestem Wissen gehandelt und untersucht. Wer weiß, wie Wissenschaftler in der Zukunft über unsere heutigen Methoden urteilen?“

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