Verwaltung wertet Zahlen aus

Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall: Schuldnerberatungen führen 1.877 Gespräche

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Die Schuldnerberatungen helfen Betroffenen.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Arbeitslosigkeit, unangemessenes Konsumverhalten, Krankheit, Unfall, Sucht: Wenn Menschen dadurch in die Abwärtsspirale der Überschuldung geraten, helfen auf Wunsch Fachkräfte aus der Schuldnerberatung. Mindestens 1.877 Gespräche mit Betroffenen hat es 2016 in den drei Beratungsstellen gegeben, die der Landkreis aufgrund seines Eckpunkte-Papiers fördert. Das geht aus einer Analyse der Kreisverwaltung hervor, die Rainer Norzel als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Soziales im Fachausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales im Diepholzer Kreishaus präsentierte.

Eine vierte Einrichtung soll keinen Zuschuss für ihre Arbeit erhalten, obwohl sie Erfolge vorweisen konnte (wir berichteten). Landkreis-Förderung bekommen allein die Diakonie, die Schuldnerhilfe und die Caritas im Landkreis. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Kriterien für ihre Statistik. Deshalb ist die Vergleichbarkeit nicht leicht, stellte Norzel klar.

Er nannte unter anderem die Bestandsfälle im laufenden Jahr 2016. Auf insgesamt 760 brachten es die drei Organisationen im genannten Zeitraum. Davon bearbeitete die Diakonie 256 Fälle, die Schuldnerhilfe 347 und die Caritas 157.

Arbeitslos, geschieden oder getrennt lebend und zwischen 30 und 39 Jahre alt – das trifft auf einen auffallend großen Teil der Betroffenen zu. Anders ausgedrückt: Wenn die Liebe zerbricht, dann zerbricht viel zu oft auch die wirtschaftliche Sicherheit.

Arbeitslosigkeit häufigste Ursache

Mit 71 Bestandsfällen stellte die Gruppe der Geschiedenen oder getrennt Lebenden bei der (evangelischen) Diakonie die größte Gruppe – genauso wie bei den Neufällen der (nichtkonfessionellen) Schuldnerhilfe mit 51. Bei der (katholischen) Caritas waren es allerdings nur 23 Bestandsfälle und damit deutlich weniger als die Gruppe der Verheirateten (43).

In den meisten Bestandsfällen der Diakonie – exakt 65 – waren die Betroffenen zwischen 30 und 39 Jahre alt, das galt genauso für die Caritas (51). Bei der Schuldnerhilfe fielen in diese Altersgruppe immerhin noch 48 Neufälle, nur fünf mehr waren zwischen 40 und 49 Jahre alt (53).

Arbeitslosigkeit führte in allen drei Einrichtungen die Liste der Ursachen an: In 118 Bestandsfällen war sie bei der Diakonie der Grund für die Überschuldung, in 50 bei der Caritas und in 85 Neufällen der Schuldnerhilfe.

ALG-II-Bezieher oft überschuldet

Die meisten Betroffenen standen mit bis zu 10.000 Euro in der sprichwörtlichen Kreide – konkret in 90 Bestandsfällen der Diakonie und 48 der Caritas. Um Summen von bis zu 25.000 Euro ging es allerdings in 70 Neufällen der Schuldnerhilfe.

Menschen, die mit dem Arbeitslosengeld II auskommen müssen, sind offensichtlich besonders oft von Überschuldung betroffen – sie stellten die meisten Ratssuchenden der Diakonie (129 Bestandsfälle) und der Caritas (63). Aber in 162 Neufällen der Schuldnerhilfe konnten die Betroffenen Lohn oder Gehalt nachweisen.

In insgesamt 45 Bestandsfällen erreichte die Diakonie eine Entschuldung der Betroffenen und in 49 weiteren eine Umwandlung in eine geordnete Verschuldung. In 33 Fällen war eine außergerichtliche Schuldenbereinigung allerdings nicht möglich, deshalb wurde ein Insolvenzverfahren angestrebt. Die Schuldnerhilfe löste 15 Neufälle, wandelte 73 in eine geordnete Verschuldung um und musste in elf Fällen ein Insolvenzverfahren anstreben. Acht Entschuldungen meldete die Caritas, außerdem zwölf Umwandlungen und 14 angestrebte Insolvenzverfahren.

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